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Zusammenfassung

Es wäre jetzt an der Zeit, die eingangs gestellte Frage nach den Konsequenzen zu beantworten, die sich aus der nunmehr zur Genüge deutlich gewordenen Problematik der posthum erfolgten Memoiren-Publikation ergeben. Die Antwort auf diese Frage soll jedoch erst zum Schluß meines Referats erfolgen, weil sie in eine andere als die bisher behandelte Dimension historischer Kritik hineinreicht. Stattdessen möchte ich im Anschluß an die Behandlung der quellen- und textkritischen Voraussetzungen und Kriterien, die für eine Beurteilung der „Memoiren“ unabdingbar sind, auf deren memoiren-immanente Aspekte eingehen. Dabei verbietet es sich schon aus Raumgründen, auch nur den Versuch unternehmen zu wollen, deren Inhalt zu referieren und zu würdigen.

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Literatur

  1. 94.
    Beginnend mit dem Hinweis (S. 161), daß Brüning die Übernahme des Reichskanzleramts davon abhängig gemacht habe, „ein nicht an die Parteien gebundenes Kabinett“ bilden zu können.Google Scholar
  2. 96.
    Für diese Zusammenfassung beziehe ich mich teilweise auf Formulierungen aus der instruktiven Rezension von Ernest Hamburger, einem früheren (1925–1933) SPD-Abgeordneten des Preußischen Landtags (s. Anm. 47), S. 31f.Google Scholar
  3. 97.
    Vizekanzler Hermann Dietrich erklärte am 21. Februar 1932 in einer Sitzung des Gesamtvorstands der Deutschen Staatspartei: „Außer Stegerwald und mir sind alle Minister, nicht zum mindesten Brüning selbst, konservativ.“ Vgl. Erich Matthias und Rudolf Morsey, Die Deutsche Staatspartei, in: Das Ende der Parteien 1933. Düsseldorf 1960, S. 51 Anm. 19.Google Scholar
  4. 98.
    Noch am 16. März 1952 hielt Brüning gegenüber Joachim v. Ostau daran fest, daß er im Frühjahr und Sommer 1932 „ernsthaft“ an die Restauration der Monarchie habe herangehen können. Briefe II, S. 299.Google Scholar
  5. 99.
    Abgedruckt in: Wilhelm Marx / Heinrich Brüning, Reichstagsreden, hrsg. von Rudolf Morsey. Bonn 1974, S. 136.Google Scholar
  6. 100.
    Über die (vom Reichskanzler beabsichtigten) nachteiligen Folgen dieser Außenhandelspolitik für andere Länder vgl. in bezug auf Großbritannien Bernd Jürgen Wendt, Economic Appeasement. Düsseldorf 1971, S. 54f.Google Scholar
  7. 101.
    Dazu vgl. Rudolf Morsey, Brünings Kritik an der Reichsfinanzpolitik 1919–1929, in: Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft. Festschrift für Clemens Bauer zum 75. Geburtstag, hrsg. von Erich Hassinger u. a. Berlin 1974, S. 366f.Google Scholar
  8. 102.
    13. Juli 1958 an Otto A. Friedrich. Weiter hieß es, Luther habe der Regierung, da er von den Problemen der Kreditkrise „keine klare Vorstellung“ besessen habe, „unendliche Schwierigkeiten gemacht“. Dagegen vgl. Hans Luther, Vor dem Abgrund 1930 bis 1933. Berlin 1964, passim.Google Scholar
  9. 103.
    Am 18. Sept. 1957 beklagte es Brüning (gegenüber Hans v. Raumer), daß „unsere großen Historiker, weil sie in einer Zeit lebten, in der man keine Vorstellung von einer Inflation hatte, diesem moralisch vernichtenden Einfluß einer Inflation nie genug Aufmerksamkeit gewidmet“ hätten.Google Scholar
  10. 104.
    Der 2014 soweit ich sehe, in der Literatur bisher nicht beachtete — entsprechende Artikel 91 des „Sachverständigenplans“ vom 7. Juni 1929 (Reichsgesetzblatt 1930/II, S. 115) lautete in der Fassung des „Abkommens“ vom 20. Januar 1930 (ebd., S. 436) als Bestandteil des „Gesetzes über die Haager Konferenz“ vom 19. März 1930: „Die Deutsche Regierung übernimmt die Verpflichtung, daß die Reichsmark gemäß Artikel 31 des Bankgesetzes vom 30. August 1924 [vgl. Reichsgesetzblatt 1924/II, S. 242f.] in Gold oder Devisen einlösbar ist und bleibt, und daß die Reichsmark unter allen Umständen für die allgemeinen Zwecke des Neuen Planes eine Münzparität von V2790 kg Feingold, wie es im Münzgesetz vom 30. August 1924 vorgeschrieben ist, haben und behalten soll.“Google Scholar
  11. 105.
    Auf diesen Sachverhalt hat Brüning in zahllosen Briefen hingewiesen und dabei unterstrichen, daß durch den Young-Plan eine „Deflationspolitik“ vorgegeben gewesen sei. Vgl. auch seinen Vortrag „The Statesman“ von 1946 in Chicago; Druck: H. Brüning, Reden und Aufsätze (s. Anm. 13), S. 200. In seinem Brief an Rudolf Pechel von 1947 (Druck: ebd., S. 232) war von dem verbreiteten „Mißverständnis einer geplanten Deflationspolitik“ die Rede.Google Scholar
  12. 106.
    Dazu vgl. das bisher zu wenig beachtete Kapitel über Brünings „Memoiren“ bei Gerhard Ziemer, Inflation und Deflation zerstören die Demokratie. Stuttgart 1971, S. 196ff.Google Scholar
  13. 107.
    Die viele Leser überraschende kritische Bewertung des Zentrums, von der noch die Rede sein wird, entspricht einem Charakterzug Brünings, den der ihm nahestehende Publizist Hermann Ullmann 1932 folgendermaßen umschrieben hat: „Seine Freunde hat er stets höchst unökonomisch behandelt und mit einer Selbstverständlichkeit und Rücksichtslosigkeit verbraucht, die er gegen sich selbst anwandte. Aber um seine Feinde [...] hat er immer ausdauernd und mit zäher Gewalt gerungen.“ In der großen Kurve. Berlin 1932, S. 65.Google Scholar
  14. 108.
    Der genaue Wortlaut: „Wenn ich mich dadurch [gemeint: die Agitation der Rechtsopposition] beeindrucken ließe, dann würde ich den schwersten politischen Fehler machen, den zu machen irgend jemand im Augenblick in der Lage wäre: Ich würde die Ruhe auch innerpolitisch verlieren, die [...] an den letzten hundert Metern vor dem Ziele das absolut Wichtigste ist.“ Vgl. Wilhelm Marx i Heinrich Brüning, Reichstagsreden, S. 164.Google Scholar
  15. 109.
    So am 20. Juli 1935 an Graf Kessler. Vgl. Harry Graf Kessler, Tagebücher 1918–1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli. Frankfurt 1961, S. 739. Gerade wenn das „Ziel“ derart nahe gewesen sein sollte — in einem Vortrag in der Harvard-Universität von 1936 sprach er von einer Frist von drei Monaten, die er noch benötigt hätte -, dann wäre um so mehr aus den von Brüning immer wieder beschworenen „nationalen“ Gründen ein „Durchhalten“ erforderlich gewesen, eventuell auch gegen Hindenburg. Vgl. R. Morsey, Brüning und Adenauer (s. Anm. 93), S. 17.Google Scholar
  16. 110.
    Das am Tage darauf angefertigte Protokoll dieser Besprechung verdanke ich Herrn Dr. Franz Schürholz (Wangen/Allgäu), der dieses Protokoll, laut seinem damaligen Vermerk, „als Beauftragter des Reichskanzlers“ angefertigt hat. Dazu vgl. auch Brünings Äußerung in einer Besprechung mit den Parteiführern am 15. Juni 1931, wo er den Eindruck erweckte, als sei der Tiefpunkt der Krise erreicht. Diesen Eindruck hat er dann in der Folgezeit mehrfach (29. Oktober 1931, 13. Mai 1932) neu terminiert bzw. hinausgeschoben. Vgl. die Belege bei Tilman P. Koops, Zielkonflikte der Agrar- und Wirtschaftspolitik in der Ära Brüning, in: Industrielles System und politische Entwicklung in der Weimarer Republik, hrsg. von Hans Mommsen u. a. Düsseldorf 1974, S. 863f. — Die Wendung „die Nerven behalten“ (o. ä). kommt in seinen Reden sehr häufig vor, in den „Memoiren“ mehr als fünfzigmal.Google Scholar
  17. 111.
    Vgl. Protokolle des Vorstands und der Reichstagsfraktion (s. Anm. 45), S. 568. Ähnlich bereits am 5. Januar 1932 in einer reparationspolitischen Aussprache im Regierungskreis. Vgl. Henning Köhler, Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Reparationen in der Schlußphase der Regierung Brüning, in: Vierteljahrsh. für Zeitgesch. 16, 1969, S. 305. 111a Nach einer Aufzeichnung der Reichskanzlei. Vgl. H. Köhler, Arbeitsbeschaffung, S. 303.Google Scholar
  18. 112.
    Noch am 18. September 1952 schrieb Brüning an Gerd Bucerius: „Wenn die Nazis keine Opposition gegen meine Außenpolitik gemacht hätten, so hätte ich sie mir anderswo bestellen müssen.“ Briefe II, S. 319.Google Scholar
  19. 113.
    Bereits im Januar 1932 hatte Gustav Stolper erkannt: „Der Kampf um die Reparationen kostet Deutschland und die Welt ein Vielfaches dessen, was die Reparationen ausmachen.“ In: Der Volkswirt (Berlin), 15. Januar 1932, S. 512.Google Scholar
  20. 114.
    Dazu vgl. H. Köhler, Arbeitsbeschaffung, passim.Google Scholar
  21. 114a.
    Am 29. Mai 1932 notierte der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Hermann Pünder: Brüning habe „es eben satt“ und wolle von sich aus Schluß machen. Politik in der Reichskanzlei, hrsg. von Thilo Vogelsang. Stuttgart 1961, S. 127.Google Scholar
  22. 115.
    In einem Schreiben vom 12. Oktober 1948 an Graf Henning v. Borcke-Stargordt sprach Brüning davon, daß Hindenburg durch „unverantwortliche Ratgeber und durch seine Familienmitglieder hin- und hergezerrt“ worden sei: Er habe die Dinge „nicht mehr erfassen können“. Bundesarchiv Koblenz, Kleine Erwerbungen 242/5.Google Scholar
  23. 116.
    Nach einem Schreiben des früheren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Thomas Eßer vom 27. Juli 1947 an seine frühere Fraktionskollegin Christine Teusch, habe er (zusammen mit Josef Ersing) am Morgen nach Brünings Sturz (31. Mai 1932) an dessen Bett gesessen und ihn „namens der Partei und der Fraktion“ gebeten, „irgendwelchen Aufschluß“ zu geben: „Er hat das verweigert und uns gesagt, daß er niemals darüber etwas verlauten lassen werde.“ Edgar Alexander, Adenauer und das neue Deutschland (Recklinghausen 1956, S. 139f.), hat kritisiert, daß Brüning der Öffentlichkeit nicht nur den Zerfall der geistigen Kräfte Hindenburgs vorenthalten, sondern auch führenden Sozialdemokraten immer wieder versichert habe, daß der Reichspräsident niemals den Nationalsozialisten die Macht ausliefern werde. Nur dadurch sei das „fahrlässige Sicherheitsbewußtsein aller führenden Hitler-Gegner“ zu erklären.Google Scholar
  24. 117.
    Bezeichnend dafür ist ein Stimmungsbild, das der Bischof von Regensburg, Michael Buchberger, am 20. Mai 1932 Kardinal Faulhaber übermittelte: „Wir stehen mitten im Sommer und noch immer ist so viel wie nichts geschehen zur Wiederbelebung der Wirtschaft und Beschaffung von Arbeit. Die Not ist abgrundtief, es gibt Familien, die nur noch von Kartoffeln leben, die Stimmung ist fast desperat. Verstreichen noch zwei Monate wie bisher, dann ist Brüning vollständig erledigt; irgendeine Revolution (von rechts oder links) ist unausbleiblich, Chaos und Nirwana werden das Ende sein. Sollen nicht wir Bischöfe einen Aufruf an die Regierung richten, daß sie doch auf jede Weise und so bald als möglich Arbeit und Verdienst schafft? Darin liegt die ungeheuere Stoßkraft des Nationalsozialismus, daß er die Stimmung des Volkes gegenüber der Ohnmacht der Reichsregierung ausgezeichnet trifft und ausnützt.“ Akten Kardinal Faulhabers, Bd. 1, bearbeitet von Ludwig Volk. Mainz 1975 (z. Z. im Druck).Google Scholar
  25. 118.
    G. Schulz, Erinnerungen an eine mißlungene Restauration (s. Anm. 9), S. 79.Google Scholar
  26. 119.
    S. 456; ähnlich am 2. April 1946 an Johannes Maier-Hultschin, am 23. September 1947 an Rudolf Pechel und im gleichen Jahr an Tilo Frhr. v. Wilmowsky. Vgl. Wilmowskys Erinnerungen: Rückblickend möchte ich sagen. Oldenburg 1961, S. 22f.Google Scholar
  27. 120.
    Am 18. September 1957 schrieb Brüning an Hans v. Raumer: „Das Unglück war Neudeck.“Zum Scheitern der Osthilfe-Politik, die weder die fortschreitende Verschuldung des östlichen Großgrundbesitzes hatte verhindern noch die politische Radikalisierung wirksam bekämpfen können, vgl. Brünings Feststellung im Kabinett am 18. März 1932: Die Osthilfe-Maßnahmen hätten in den bedachten Gebieten eine verschärfte Agitation der Rechtsparteien ausgelöst und seien der Regierung nicht etwa gedankt worden. T. P. Koops, Zielkonflikte der Agrar- und Wirtschaftspolitik (s. Anm. 110), S. 865.Google Scholar
  28. 121.
    Auf Widersprüche in Brünings Darstellung von 1947 in seinem Brief an Rudolf Pechel (s. Anm. 13) hat damals als erster der frühere preußische Ministerpräsident Otto Braun hingewiesen. In: Deutsche Rundschau 71, 1948, S. 107ff.Google Scholar
  29. 122a.
    Am 18. Juli 1957 an Hans v. Raumer. Dazu vgl. auch die Eintragung des Staatssekretärs in der Reichskanzlei, Hermann Pünder, vom 29. Mai 1932: Der Sohn des Reichspräsidenten sei eine „recht gefährliche Figur […], recht töricht und von ziemlichem Einfluß auf den Vater“. Einige Tage vorher (15. Mai): „alles weniger als sympathisch“. Politik in der Reichskanzlei (s. Anm. 114a), S. 123.Google Scholar
  30. 122b.
  31. 123.
    Auch in bezug auf Schleicher (S. 509). In einem Brief Brünings vom 12. Oktober 1948 an Henning v. Borcke-Stargordt hieß es, er habe gewußt, „welche Ausdrücke“Oskar v. Hindenburg über die einzelnen Mitglieder seiner Regierung gebraucht habe.Google Scholar
  32. 124.
    Wie die BVP-Führung geraten hatte. Vgl. Karl Schwend, Die Bayerische Volkspartei, in: Das Ende der Parteien 1933, S. 459.Google Scholar
  33. 125.
    Brünings unpolitische Politik und die Auflösung der Weimarer Republik (s. Anm. 9), S. 113ff. In der SED-parteilichen Rezension der „Memoiren“hat Wolfgang Ruge gegen diese „gekünstelt-paradoxe These“polemisiert, mit der Bracher „in mancher Hinsicht den am weitesten gehenden Versuch zur Reinwaschung Brünings“unternommen habe. In: Zeitschr. für Geschichtswiss. 19, 1971, S. 1263.Google Scholar
  34. 126.
    Die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte der Weimarer Republik, wiederabgedruckt in: Die improvisierte Demokratie. München 1963, S. 269.Google Scholar
  35. 127.
    Schafft es Brüning? (Sammlung von Aufsätzen aus der Zeitschrift „Das Großdeutsche Reich“). Berlin 1931, S. 151f.Google Scholar
  36. 128.
    Vgl. R. Morsey, Die Deutsche Zentrumspartei, in: Das Ende der Parteien, S. 346.Google Scholar
  37. 129.
    Krone und Ketten, hsrg. von Karl Buchheim und Karl Otmar v. Aretin. München 1955, S. 119.Google Scholar
  38. 130.
    Dazu vgl. Rudolf Morsey, Die deutschen Katholiken und der Nationalstaat zwischen Kulturkampf und Erstem Weltkrieg, in: Histor. Jb. 90, 1970, S. 31ff.Google Scholar
  39. 131a.
    So Walter Bußmann, Der deutsche Katholizismus im Jahre 1933, in: Festschrift für Hermann Heimpel zum 70. Geburtstag, Bd. 1. Göttingen 1971, S. 191.Google Scholar
  40. 131b.
    Von Brünings Abneigung gegen die „zu betonte Zurschaustellung des Katholizismus in Berlin“berichtet auch Hermann Pünder (Tagebucheintragungen vom 26. Mai 1932), in: Politik in der Reichskanzlei (s. Anm. 114a), S. 126.Google Scholar
  41. 132.
    2. April 1946 an Johannes Maier-Hultschin; 31. Dezember 1949 an August Wegmann; 21. Dezember 1949 an Franz v. Galen, Briefe II, S. 208.Google Scholar
  42. 133.
    Vgl. R. Morsey, Brünings politische Weltanschauung (s. Anm. 64), S. 333f., sowie Brünings Schreiben von Ende August 1935 an Mona Anderson: „Wir wurden [während des Studiums in Straßburg] antiklerikal.“Briefe I, S. 87.Google Scholar
  43. 134.
    Am 14. Oktober 1958 schrieb Brüning an Johannes Maier-Hultschin: „Der Tod des Papstes [Pius XII. = E. Pacelli] ist mir sehr nahe gegangen. Ich kann in meinem Buche auch jetzt nicht meine Auseinandersetzungen mit ihm in Rom im August 1931 erwähnen, zumal er, als ich 1936 in der Schweiz war, durch einen Vertrauten [Robert Leiber S.J.] mir sagen ließ, daß ich mit meinen Auffassungen [Warnung vor Abschluß eines Reichskonkordats] recht behalten habe.“Google Scholar
  44. 135.
    Am 1. März 1959 schrieb Brüning an Franz Dessauer, seine „scharfe Auseinandersetzung“mit dem Kardinalstaatssekretär sei vom Vatikanbotschafter v. Bergen, „dessen Schwiegermutter die Nazis seit Jahren begünstigte“, unter Umgehung des Auswärtigen Amtes dem Reichspräsidenten berichtet worden: „Der Zweck war nur, mich zu stürzen.“Ein entsprechender Bericht ist weder in den Akten des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes in Bonn noch auch (nach Auskunft des Deutschen Zentralarchivs in Potsdam) in denen des Büros des Reichspräsidenten zu ermitteln. Nach zeitgenössischen Presseberichten hat Bergen an dem Gespräch mit Pacelli (entgegen Brünings anderslautenden Mitteilungen) nicht teilgenommen.Google Scholar
  45. 136.
    Dazu vgl. die fundierte Kritik von Ludwig Volk, Brüning contra Pacelli, in: Rheinischer Merkur vom 27. November 1970 und 11. Dezember 1970; ders., Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Mainz 1972, S. 48f. In einer Aufzeichnung des Brüning begleitenden Außenministers Curtius über sein Gespräch mit Pacelli (im Anschluß an das des Reichskanzlers) vom 9. August 1931 heißt es: Pacelli habe ihn mit „großer Herzlichkeit“empfangen und immer wieder seine starke Verbundenheit mit Deutschland betont. Von irgendwelchen Differenzen ist in dem zweiseitigen Bericht ebensowenig die Rede wie in Curtius3 gleichzeitigem getrennten Bericht über sein Gespräch mit Pius XL Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Bonn, Pol. II, Vatikan. In dem überaus schmeichelhaften Bericht des „Osservatore Romano“vom 8. August 1931 über den Vatikanbesuch der beiden deutschen Politiker wurde bezeichnenderweise das Diktum von Oldenburg-Januschau referiert: Brüning sei der beste Kanzler seit Bismarck. Botschafter v. Bergen schrieb Außenminister Curtius am 15. August 1932 einen Privatbrief, in dem es hieß: „Die Sympathien für Deutschland und die leitenden Staatsmänner sind im Vatikan ohne Zweifel sehr stark.“Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Bonn, ebd.Google Scholar
  46. 137.
    Bemerkenswert dazu sind die Mitteilungen, die Pater Robert Leiber (Rom) am 28. Februar 1961 dem früheren Zentrumsabgeordneten Johannes Schauff übermittelt hat: „[Über den Besuch im Vatikan] hat mir Brüning nie das Geringste gesagt, weder 1950 noch die zwei Male, die ich ihn zwischen 1933 und 1939 gesprochen habe. Kardinal Pacelli bemerkte mir einmal kurz, die Unterredung mit Brüning, auf die er gespannt gewesen sei und für die er den Reichskanzler eigens in sein Appartamento privato mitnahm, sei unglücklich verlaufen. Der Kanzler habe als erstes Befürchtungen, fast Klagen, der Regierung vorgebracht, der oberschlesische Klerus sei zu stark polnisch beeinflußt. Er, der Kardinal, sei überrascht gewesen und habe nur antworten können, er wisse über diese Verhältnisse nicht Bescheid, aber der zuständige Bischof, Kardinal Bertram, sei doch national zuverlässig und werde sicher nichts dulden, was dem Reich schaden könnte. Man sei dann nicht mehr warm geworden. Mehr weiß ich nicht über jene Unterredung.“Vgl. dazu ferner die (anders akzentuierten) Angaben bei G. R. Treviranus, Das Ende von Weimar, S. 242f., 380f.Google Scholar
  47. 138.
    Abgedruckt bei L. Volk (s. Anm. 136). Das Martinus-Blatt (Kirchenzeitung der Diözese Mainz) referierte zum 5. März 1933, dem Tag der Reichstagswahl, eine Äußerung von Nuntius Pacelli, der 1929 von den „großen und entscheidenden Diensten“gesprochen habe, „welche die Deutsche Zentrumspartei getreu ihren rühmlichen Traditionen der Verteidigung der Rechte und Pflichten der Kirche geleistet hat“. Vgl. dazu auch das Urteil des von Brüning geschätzten P. Robert Leiber: „Man würde […] Pacelli […] Unrecht tun, wollte man ihm eine feindselige, ja auch nur ungute Einstellung gegen das Zentrum vorwerfen.“Reichskonkordat und Ende der Zentrumspartei, in: Stimmen der Zeit 167, 1960/61, S. 221.Google Scholar
  48. 139.
    Nach Ausweis der „Tageszettel“ist Kaas von Januar bis Mai 1932 insgesamt 103mal bei Brüning gewesen (Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Pünder, Nr. 44), nicht gerechnet andere Treffen, z. B. bei Sitzungen des Fraktionsvorstands oder des Reichstags.Google Scholar
  49. 140.
    21. Februar 1947 an Johannes Maier-Hultschin. Am 31. August 1946 informierte Brüning P. Robert Leiber, der Chefarzt des Hedwig-Krankenhauses in Berlin habe ihm im Oktober 1933 mitgeteilt, daß Kaas „mehr vom psychiatrischen Standpunkt aus zu beurteilen sei als vom politischen und moralischen“.Google Scholar
  50. 141.
    Daß auch andere Persönlichkeiten zu den „Leidtragenden solcher partieller Verfinsterung von Brünings Personengedächtnis“gehörten (so L. Volk, Brüning in seinen Briefen [s. Anm. 4], S. 140), sei hier nur erwähnt. Von Hans Schäffer war bereits die Rede.Google Scholar
  51. 142a.
    Dazu vgl. Rudolf Morsey, Ludwig Kaas, in: Zeitgeschichte in Lebensbildern, hrsg. von Rudolf Morsey. Mainz 1973, S. 268f.Google Scholar
  52. 142b.
    Zum Persönlichkeitsbild wichtig: Karin Schauff, Erinnerung an Ludwig Kaas. Pfullingen 1972; L. Volk, Reichskonkordat (s. Anm. 136), passim.Google Scholar
  53. 143.
    Bd. 166, 1960, S.422ff.; Bd. 167, S. 11ff. Wiederabgedruckt in: Staatliche Akten über die Reichskonkordatsverhandlungen 1933, bearbeitet von Alfons Kupper. Mainz 1969.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Rudolf Morsey

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