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Genesis und Publikation der Memoiren

  • Rudolf Morsey
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Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume G 202)

Zusammenfassung

Über die Quellen- und Materialgrundlage der „Memoiren“ enthält das Vorwort Brünings einige Hinweise, das Nachwort der Herausgeber gar keine. Der Verfasser nennt zwei Arten von Quellen für die Darstellung über die Zeit seiner Reichskanzlerschaft (um die es hier vor allem geht): die „Tageszettel“ aus der Reichskanzlei und eine Reihe von nicht näher umschriebenen „wichtigsten Aktenstücken“. Diese Unterlagen seien ihm im Herbst 1934 durch „treue Freunde unter großer eigener Gefahr“ (S. 11) in sein damaliges Schweizer Exil gebracht worden.

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Literatur

  1. 19.
    Auf die Entstehung bzw. Niederschrift dieses „Vorworts“ geht die Darstellung des Verlags über die Genesis des Manuskripts Brünings (s. Anm. 16) nicht ein.Google Scholar
  2. 20.
    Mündliche Auskünfte von Herrn Staatsminister a. D. August Wegmann, Zentrumsabgeordneter des Reichstags von 1924–1933 und Fraktionsgeschäftsführer.Google Scholar
  3. 21.
    Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Pünder, Nr. 673.Google Scholar
  4. 22.
    4. Mai 1954; ebd. Am 18. Juni 1956 schrieb Brüning an Franz Sontag, einen früheren rechtsstehenden Publizisten (Pseudonym: Junius Alter): „Es ist doch merkwürdig, wie sehr das Gedächtnis viele Menschen täuscht nach solchen kritischen Zeiten.“ Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Alter, Nr. 15.Google Scholar
  5. 23.
    So am 10. November 1949. Pünder gehörte zu denjenigen im Vorwort der „Memoiren“ (S. 11) namentlich genannten Persönlichkeiten, mit denen Brüning Teile seines Manuskripts bei „gelegentlichen Besuchen“ in der Zeit nach 1935 (offensichtlich in Holland) „eingehend durchgesprochen und auf ihre Korrektheit geprüft“ hat.Google Scholar
  6. 24.
    Nachlaß Pünder, Nr. 43, 44: „Tagesnotizen für Reichskanzler und Staatssekretär über Empfänge und Besprechungen, Vorträge, Besuche von Veranstaltungen und Reisen des Reichskanzlers.“Google Scholar
  7. 25.
    So am 14. Mai 1957 an Friedrich Stampfer (Archiv der sozialen Demokratie, Bonn-Bad Godesberg, Nachlaß Stampfer) und vom 4. August 1958 an Hans v. Raumer. Dazu vgl. Eckhard Wandel, Hans Schäffer. Stuttgart 1974, der eine Abkühlung des Verhältnisses von Brüning und Schäffer seit 1931 registriert, S. 143f. Vgl. ferner bes. S. 207, 227, 229: „Es fällt bei diesen Vorwürfen [Brünings, wonach Schäffer für seinen Sturz verantwortlich sei] jedoch auf, daß diese erst nachträglich erhoben wurden, als das Gedächtnis Brünings schon stark beeinträchtigt war.“Google Scholar
  8. 26.
    17. April 1957 an Rudolf Pechel, Druck (s. Anm. 13) S. 260. Noch deutlicher in Schreiben vom 16. März 1955 und 10. April 1957 an Athos v. Schauroth, Brünings Kommandeur 1917/18.Google Scholar
  9. 27.
    In einem Schreiben vom 16. März 1955 an Athos v. Schauroth hieß es, er habe schließlich nur dadurch gestürzt werden können, daß man Hindenburg den Bericht von Hauptmann Martienßen vorgelegt habe, den er, Brüning, auf Befehl geschrieben habe. Darin sei eine „indirekte Kritik des Einsatzes der Hannoverschen Division [Generalstabsoffizier: O. v. Hindenburg] als Reserve am Neuviller Kopf in der Chemin des Dames-Schlacht 1917“ enthalten gewesen. Am 18. Juli 1957 bezeichnete es Brüning gegenüber J. Maier-Hultschin als „Unglück“, daß „man“ 1932 seine „auf Befehl“ geschriebene Beschwerde gefunden und dem Reichspräsidenten in die Hände gespielt habe.Google Scholar
  10. 28.
    Schleicher (oder andere Mitglieder der Umgebung des Reichspräsidenten) waren offensichtlich dadurch auf den Fundort aufmerksam geworden, daß Rüdiger Robert Beer in seiner Brüning-Biographie, Berlin 1931, Auszüge aus Brünings Kriegstagebuch (Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilung 12) vom August 1918 mit der Angabe „Reichsarchiv“ veröffentlicht hatte (S. 19ff.). Beers Biographie erreichte bis 1932 vier Auflagen. Auf diese Berichte wies auch Alphons Nobel in seiner Brüning-Biographie von 1932 (Leipzig) hin (S. 14), ebenfalls unter Bezug auf das Reichsarchiv. Am 20. Januar 1956 schrieb Brüning an Beer, er würde ihm gern einmal mündlich berichten, „welchen Einfluß Ihre Veröffentlichung meiner Berichte im Kriege auf die Vorgänge bei meinem Sturz gehabt hat“. Dem Vorwort von Brünings „Memoiren“ zufolge (S. 11) hat er seine „Notizen“ für das Kriegstagebuch retten können und darauf die Darstellung seiner Erlebnisse im Jahre 1918 aufgebaut.Google Scholar
  11. 29.
    Mündl. Mitteilung Brünings gegenüber Athos v. Schauroth (Nachfolger von Hauptmann Martienßen), der diese Äußerung in einer nicht datierten Aufzeichnung zur Erläuterung von zwei Briefen Brünings vom 16. März 1955 und 4. April 1958 festgehalten hat. Vgl. auch die entsprechende, allerdings etwas anders akzentuierte und falsch datierte Darstellung bei Gottfried R. Treviranus, Das Ende von Weimar. Düsseldorf 1968, S.153.Google Scholar
  12. 30a.
    So am 6. Mai 1948 an Bernhard Schwertfeger. Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Schwert-feger. Ähnlich im Januar 1949 an Tilo Frhr. v. Wilmowsky; vgl. den Briefabdruck bei G. R. Treviranus, Das Ende von Weimar, S. 297f. Weitere Angaben auch bei Günther Gereke, Ich war königlich-preußischer Landrat. Berlin (-Ost) 1970, S. 184,Google Scholar
  13. 30b.
    sowie Klaus Dobrisch, Flick und die Nazis, in: Zs. für Geschichtswiss. 14, 1966, S. 380.Google Scholar
  14. 31.
    In: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt vom 13. Dezember 1970.Google Scholar
  15. 32.
    So am 18. Juli 1957 an Hans v. Raumer. Briefe II, S. 430.Google Scholar
  16. 33.
    18. Juni 1956 an Franz Sontag.Google Scholar
  17. 34.
    17. Januar 1947 an Hermann Dietrich.Google Scholar
  18. 35.
    Ferner hat Brüning 1952, vor seiner Übersiedlung nach Köln zur Übernahme der Professur, in den USA einen Teil seiner Korrespondenz „von 13 Jahren“ selbst vernichtet. Vgl. Briefe II, S. 312. Ein Faszikel mit Glückwünschen zur Wahl Brünings als Vorsitzender der Zentrumsfraktion am 5. Dezember 1929 — darunter auch einem Glückwunschschreiben von Adenauer — vgl. R. Morsey, Brüning (s. oben Anm. 12), S. 93 -fand sich im Nachlaß Treviranus. Freundl. Hinweis von Herrn Dr. Friedrich Frhr. Hiller v. Gaertringen. Google Scholar
  19. 36.
  20. 37.
    Das geht aus einem Schreiben Brünings vom 4. Januar 1954 an Athos v. Schauroth hervor.Google Scholar
  21. 38.
    Dafür taucht sein Name im Register auf (S. 708), allerdings nur mit zwei (statt fünf) Seitenzahlen versehen. In den Briefen II, S. 143, fehlt bei Schauroth eine sonst übliche Kurzbiographie.Google Scholar
  22. 39.
    Bonn 1953, S. 356. Zu dieser Biographie vgl. folgende Äußerung Brünings vom 20. Oktober 1956 gegenüber Johannes Maier-Hultschin als Ergebnis seiner Lektüre der „gewaltigen Literatur“: Görlitz behaupte, „daß seine Darstellung über die Gründe meiner Entlassung eine endgültige sei, aufgebaut auf dem Hausarchiv der Familie Hindenburg. Er wird sich wundern!“Google Scholar
  23. 40.
    Dt. Ausgabe, Tübingen 1969, S. 454. Ein Konzept oder Durchschlag dieses Briefes konnte in den einschlägigen Akten des Deutschen Zentralarchivs in Potsdam (laut Auskunft des Archivs) nicht gefunden werden. Nach J. Wheeler-Bennett, The End of the Weimar Republic (s. Anm. 10), S. 367, war dieser Brief Hindenburgs von 1933 das einzige Dokument, das Brüning bei sich trug, als er 1934 Deutschland verließ. Von Wheeler-Bennett wie später, 1968, auch von G. R. Treviranus sind eine ganze Reihe von Äußerungen Brünings teilweise wörtlich zitiert worden, die in dessen „Memoiren“ wiederkehren.Google Scholar
  24. 41.
    Am 6. Mai 1948 teilte Brüning Bernhard Schwertfeger mit, er habe Wheeler-Bennett zur Änderung einiger Mißverständnisse bewegen können, allerdings nicht zu einer Änderung seiner Ansicht über die Haltung der Armee und des alten Adels im Osten sowie über die Pläne Schleichers und Papens. Ähnlich am 26. August 1952 an Johannes Maier-Hultschin: Er habe das Manuskript von Wheeler-Bennett „stark abgemildert“. Dazu vgl. J. Wheeler-Bennett, The End of the Weimar Republic, S. 369, wonach Brüning die Fahnenkorrektur gelesen, aber nur um eine einzige Änderung ersucht habe (die nicht erfolgt sei): „He thought I had been too unkind to Kurt von Schleicher!“Google Scholar
  25. 42.
    Im Vorwort zur deutschen Neuausgabe hat J. W. Wheeler-Bennett ausdrücklich auf seine Informanten, darunter als wichtigste Brüning und Treviranus, hingewiesen; S. 13ff. Am 9. April 1955 schrieb Brüning an Athos v. Schauroth, daß ihm Wheeler-Bennett während der Kanzlerschaft durch Bücher über die Reparations- und Abrüstungsfrage „sehr viel geholfen“ habe.Google Scholar
  26. 43a.
    Das Deutsche Reich von 1918 bis heute, hrsg. von Cuno Horkenbach. Jahrgang 1931. Berlin 1932, S. 438,Google Scholar
  27. 43b.
    Das Deutsche Reich von 1918 bis heute, hrsg. von Cuno Horkenbach. Jahrgang 1931. Berlin 1932, 463,Google Scholar
  28. 43c.
    Das Deutsche Reich von 1918 bis heute, hrsg. von Cuno Horkenbach. Jahrgang 1931. Berlin 1932, 491.Google Scholar
  29. 44.
    Am 6. August 1951 an Hermann Pünder und am 1. Oktober 1953 an Johannes Maier-Hultschin.Google Scholar
  30. 45.
    Bearbeitet von Rudolf Morsey. Mainz 1969. Vgl. Einleitung S. XIX. Das Original der Protokolle war Brüning von August Wegmann zugänglich gemacht worden. Der Exkanzler hat daraus 1955 umfangreiche Exzerpte auf Tonband diktiert. Schreiben Brünings vom 30. Juli 1955 an Frau Anni Eckert (Witwe des Kölner Professors Christian Eckert, des Mitgründers der Universität Köln), bei der Brüning in Köln von 1952–1955 gewohnt hat und der ich neben anderen Auskünften für genaue Angaben über Brünings Aufenthalte in Köln in diesen Jahren dankbar bin.Google Scholar
  31. 46.
    Im Kampf gegen die November-Revolution. Berlin 1934.Google Scholar
  32. 47.
    Beispiele dafür sind in einigen Rezensionen aufgeführt. Vgl. vor allem die Aufstellung bei Ernest Hamburger, Betrachtungen über Heinrich Brünings Memoiren, in: Internat. wiss. Korrespondenz zur Gesch. der deutschen Arbeiterbewegung 15, 1972, S. 37, Anm. 45, sowie die mannigfachen Korrekturen an Brünings Darstellung und Einschätzung von Kaas, Pacelli, dem Reichskonkordatsabschluß und dem Ende der Zentrumspartei bei Ludwig Volk, Das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933. Mainz 1972, passim.Google Scholar
  33. 48.
    Dazu vgl. J. Wbeeler-Bennett, The End of the Weimar Republic, S. 370: „Brüning began to dictate his memoirs to my secretary in my flat in London.“ Den Beginn des Diktats in London hat Brüning auch in einem Schreiben vom 2. Oktober 1952 an Johannes Maier-Hultschin erwähnt. In einer Anmerkung von Claire Nix (in: Briefe I, S. 64, Anm. 1 zur Tagebuchnotiz vom 18. März 1935) heißt es, die Niederschrift sei „im August 1934 in London“ begonnen worden; von Wheeler-Bennett ist keine Rede. In der Darstellung der Deutschen Verlags-Anstalt über die Entstehung der „Memoiren“ vom Dezember 1970 (vgl. Anm. 16) wird der Beginn des Diktats in London nicht erwähnt. Diese Darstellung geht von drei Fassungen (A, B, C) aus, ohne deren Varianten deutlich genug voneinander abzuheben und deren Entstehungszeit anzugeben.Google Scholar
  34. 49.
    Es ist möglich, daß es sich um die Schilderung von Brünings Erlebnissen vor Übernahme der Kanzlerschaft handelte.Google Scholar
  35. 50.
    Vgl. seine Tagebuchnotiz dieses Tages. Briefe I, S. 64.Google Scholar
  36. 51.
    Leserbrief von Frau v. Alvensleben, in: Publik (Frankfurt a. M.) vom 24. April 1970 sowie schriftliche Auskünfte an mich.Google Scholar
  37. 52.
    In einem Schreiben von Claire Nix an Josef Hofmann (Aachen) vom 21. Dezember 1970 war die Vermutung ausgesprochen worden, daß diese Abschrift wegen Brünings Reisen nicht fertiggestellt worden sei. An anderer Stelle hingegen erklärte Claire Nix, „erhebliche Teile“ habe Brüning „aus Sicherheitsgründen“ nicht abschreiben lassen (Briefe I, S. 64 Anm. 1). In der Darstellung des Verlags zur Entstehungsgeschichte der Memoiren hieß es, die Abschrift sei nicht vollständig, „vermutlich weil die Schreibarbeit mehrfach unterbrochen werden mußte“. In dieser Darstellung ist fälschlicherweise davon die Rede, Brüning habe in Melide „zwei“ (namentlich nicht genannten) „deutschen Frauen“ in die Maschine diktiert.Google Scholar
  38. 53.
    In einem Brief Brünings vom 7. November 1935 (geschrieben auf der Überfahrt nach London) an Gisela v. Alvensleben hieß es, er sei „herzlich froh, daß nun mehrere gut geschriebene Exemplare für alle Fälle existieren“. Der Durchschlag (C1) ist von Brüning bei Msgr. Patrick Barry im Priesterseminar in Huntington bei New York deponiert und von Barry 1969 dem Autor zurückgegeben worden.Google Scholar
  39. 53a.
    Nach der Verlagsdarstellung (s. Anm. 16) waren diese Vorschläge „rein sprachlicher Art“. Dort ist nicht angegeben, wann (und wo) Maier-Hultschins Korrekturen erfolgt sind und welchen Umfang sie ausmachen. 53b Vgl. George N. Shuster, Dr. Bruenings Sejourn in the United States, in: Staat, Wirtschaft und Politik in der Weimarer Republik. Festschrift für Heinrich Brüning zum 80. Geburtstag, hrsg. von Ferdinand A. Hermens und Theodor Schieder. Berlin 1967, S. 456.Google Scholar
  40. 54.
    Vgl. sein Schreiben vom 5. September 1947 an William Yandell Elliott. Briefe II, S. 94. Am 1. Oktober 1953 teilte Brüning Johannes Maier-Hultschin mit, er habe bereits früher ein umfangreiches Kapitel über die Ereignisse von 1923 diktiert: „Ich hatte es ganz vergessen.“ Dieses Kapitel müsse jetzt auf ein Drittel des Umfangs zusammengestrichen werden. Nach der Darstellung des Verlags über die Entstehungsgeschichte der Memoiren (s. Anm. 16) hat Brüning an diesem Teil (D1) in den „dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren gearbeitet“. Hingegen erklärte Josef Unland (während der Kölner Professur Brünings zeitweise dessen Assistent), daß die „einführenden Kapitel“ erst in den fünfziger Jahren entstanden seien. In: Deutsches Monatsblatt H. 11, 1970, S. 36.Google Scholar
  41. 55.
    Gedruckt: Heinrich Dräger, Arbeitsbeschaffung und produktive Kreditschöpfung. Düsseldorf 41956, S. 125.Google Scholar
  42. 56.
    Ähnlich hieß es wenige Tage später, am 4. September 1952, gegenüber dem gleichen Adressaten: Er sähe erst jetzt, wieviel er vor fünf Jahren über die Zeit von 1919–1925 englisch diktiert habe; das müsse „zusammengestrichen und präzise auf einer ganz bestimmten durchlaufenden Linie gefaßt warden“.Google Scholar
  43. 57.
    Briefe II, S. 399.Google Scholar
  44. 58.
    Kampmanns Behauptung, die „Memoiren“ seien genau und unwidersprechbar, hat auch Ernest Hamburger widersprochen (s. Anm. 47)**Ernest Hamburger, Betrachtungen über Heinrich Brünings Memoiren, in: Internat. wiss. Korrespondenz zur Gesch. der deutschen Arbeiterbewegung 15, 1972, S. 21.Google Scholar
  45. 59.
    Briefe I, S. 371 Anm. 3.Google Scholar
  46. 60.
    Am 12. Mai 1970 schrieb Claire Nix an den früheren Zentrumsabgeordneten Wilhelm Fonk: Weil Brüning zu „verschiedenen Zeiten auf verschiedenen Kopien manches mit der Hand geschrieben hat und auch Notizen diktiert hat, habe ich voraussichtlich einige Monate zu tun, das sorgfältig und genau zu ordnen“. Dazu vgl. auch die folgende Äußerung Erwin Brettauers (gest. 1973), in dessen Haus in Melide der Exkanzler die Erstfassung seiner Memoiren diktiert hat, von Anfang Juni 1970 an Gisela v. Alvensleben, die 1934/35 dieses Diktat geschrieben hat: Brünings Sekretärin Claire Nix, die ihn „abgöttisch verehrte und ihm ihr Letztes geopfert hat, ordnet nun die bewußten Memoiren“.Google Scholar
  47. 61.
    Hingegen bestimmte Brünings Testament vom 29. August 1955 in § 3 (Hervorhebungen von mir): „Meine Memoiren hat Miß Claire Nix in dem Zustand, in dem sie sich bei meinem Tode befinden, Herrn Rechtsanwalt [und Testamentsvollstrecker] Dr. Otto Eulerich in Münster zu treuen Händen zu übergeben. Dieser ist verpflichtet, die Memoiren an die Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart [...] zum Zwecke der Veröffentlichung weiterzuleiten. Die endgültige Formulierung [!] der Memoiren erfolgt im Einvernehmen mit Miß Claire Nix und Herrn Professor Dr. Theoderich Kampmann.“ §4: „Miß Claire Nix ist verpflichtet, bei der endgültigen Herstellung [!] der Memoiren mitzuwirken.“Google Scholar
  48. 62.
    So am 23. September 1947 an Rudolf Pechel. Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Pechel 59; 24. September 1947 an Gustav Olef. Institut für Zeitgeschichte München, ED 107/1. Von dieser Absicht Brünings ist weder in der Darstellung des Verlags über die Entstehung des Manuskripts (s. Anm. 16) noch im Nachwort der Herausgeber die Rede.Google Scholar
  49. 63.
    Kampmann hat in seinem Buch „Gelebter Glaube. Zwölf Porträts“, Warendorf 1957, auch einen Artikel über Brüning wieder abgedruckt (S. 24ff.), den er im Juli 1932 in der „Kölnischen Volkszeitung“ veröffentlicht hatte.Google Scholar
  50. 64a.
    Zuerst in einem Vortrag in Münster (vgl. Günter Graf, Wer „korrigierte“ Brünings Memoiren?, in: Publik, Frankfurt a. M., vom 4. Juni 1971), später bei anderen Gelegenheiten. Zuletzt in meinem Aufsatz: Brünings politische Weltanschauung vor 1918, in: Gesellschaft, Parlament und Regierung, hrsg. von Gerhard A. Ritter. Düsseldorf 1974, S. 318, sowie in der in Anm. 4 erwähnten kritischen Würdigung der beiden Brüning-Briefbände (z. Z. in Druck).Google Scholar
  51. 64b.
    Vgl. ferner die kritischen Fragen und Überlegungen zur Genesis und Publikation des Manuskripts bei Klaus Gotto, Heinrich Brüning in der Diskussion, in: Der katholische Gedanke 27, 1971, bes. S. 111, auch abgedruckt in: Die politische Meinung 139, 1971, S. 86.Google Scholar
  52. 65.
    Nach einer Mitteilung Brünings vom 25. Februar 1958 an Hans v. Raumer hat Staatssekretär Meißner jeweils nach den Kabinettssitzungen den Bankier Sobernheim informiert, der daraufhin an der Börse spekuliert (und hohe Verluste erlitten) habe; 1933 sei ein Notizbuch Sobernheims gefunden worden, „in welchem die Spekulationskonten von Meißner und — wie gesagt wurde — ich wurde nicht ganz sicher informiert, auch von Oskar v. Hindenburg enthalten waren“.Google Scholar
  53. 66.
    Ebd. Dazu vgl. ferner den bei G. R, Treviranus, Das Ende von Weimar, S. 209, abgedruckten Brief Brünings vom 5. September 1955, in dem die Summe von 60 000 RM genannt ist, die in den „Memoiren“ fehlt (S. 522), wo dieser Vorgang jedoch mit dem Satz kommentiert ist: „Keine Intrige, keine Verleumdung hat mich so tief deprimiert wie dieses Erlebnis.“Google Scholar
  54. 68.
    Schreiben vom 7. August 1957 an Hans Luther. Briefe II, S. 434. — Werner Conze hat eine historisch-kritische Ausgabe der Brüning-Memoiren als „späteres Desiderat“ bezeichnet (Brüning als Reichskanzler. Eine Zwischenbilanz, in: Histor. Zs. 214, 1972, S. 311 Anm. 2); er akzeptierte die Schilderung der Entstehungsgeschichte der Memoiren, „über die der Verlag Rechenschaft abgelegt hat“.Google Scholar
  55. 69.
    In deren Vorwort zur Briefauswahl Brünings (Briefe I, S. 9) wird diese Testamentsbestimmung (§ 9) falsch wiedergegeben: Dort ist (als wörtliches Zitat) von „geschichts-kundlichen Zwecken“(!) die Rede und überdies nicht mitgeteilt, daß Brüning in diesem Zusammenhang ausdrücklich nur von seinem „politischen Schriftwechsel“ gesprochen hat (während die Auswahl-Edition auch zahlreiche rein private Briefe enthält).Google Scholar
  56. 70.
    So Claire Nix am 13. Mai 1971 an Josef Hofmann (Aachen). Dieser Festellung ging folgender Satz voraus: „Natürlich müssen der Verlag und ich für eine wissenschaftliche Entstehungsgeschichte sorgen — die wenig zu der längst bekannten [!] Entstehungsgeschichte hin[zu]tun kann, weil Dr. Brüning…“ [folgt der im Text zitierte Anschluß].Google Scholar
  57. 71.
    Vgl. seinen Brief vom 12. November 1940 an Mona Anderson. Briefe I, S. 324.Google Scholar
  58. 72a.
    Das bestätigt auch George N. Shuster, The Bruening Memoirs, in: The Review of Politics 33, 1971, S. 287.Google Scholar
  59. 72b.
    Nach einer Mitteilung von J. Wheeler-Bennett, The End of the Weimar Republic (s. Anm. 10), S. 370, hat Brüning einem gemeinsamen Freunde erklärt, er könne seine Memoiren nicht in den USA publizieren, „because all the publishing houses were owned or dominated by Jews!“Google Scholar
  60. 73.
    Vgl. seinen Brief vom 17. April 1947 an Rudolf Pechel. Abdruck (s. Anm. 13) S. 224. Ähnlich in einem Brief vom 14. Mai 1952, veröffentlicht in der Deutschen Zeitung (Köln) vom 28. Mai 1952, sowie vom 8. August 1952 an Gerd Bucerius (Briefe II, S. 315), und am 13. Mai 1957 an Katharina v. Kardorff. Bundesarchiv Koblenz, Nachlaß Kardorff, Nr. 55.Google Scholar
  61. 74.
    Am 17. Januar 1947 an Hermann Dietrich.Google Scholar
  62. 75.
    10. Dezember 1955 an Günther Joël. Briefe II, S. 397.Google Scholar
  63. 76.
    1. Oktober 1952 an Athos v. Schauroth; 18. Juli 1957 an Hans v. Raumer. Ebd., S. 430.Google Scholar
  64. 77.
    5. Dezember 1956 an Athos v. Schauroth.Google Scholar
  65. 78.
    17. April 1947 an Rudolf Pechel (s. Anm. 73); 31. Dezember 1949 an Gustav Olef.Google Scholar
  66. 79.
    27. Oktober 1947 an Helene Weber. Briefe II, S. 102.Google Scholar
  67. 80.
    29. September 1940 an Wilhelm Sollmann. Vgl. Th. A. Knapp, Heinrich Brüning im Exil (s. oben Anm. 6), S. 107.Google Scholar
  68. 81.
    Am 20. Dezember 1955 an Franz Dessauer. Institut für Zeitgeschichte München, ED 107/2. Dieses Argument ist nur seiner Singularität halber — genau wie das folgende -eigens belegt.Google Scholar
  69. 81a.
    21. September 1957 an Johannes Maier-Hultschin.Google Scholar
  70. 82.
    Das geht aus einem Schreiben vom 17. September 1958 an Friedrich Dessauer hervor. Für dieses Argument sei auch auf eine gedruckte Briefstelle verwiesen: 24. März 1959 an Hermann Pünder. Briefe II, S. 464. Ähnlich am 10. Dezember 1955 an Günther Joël. Ebd., S. 396.Google Scholar
  71. 83.
    Auch ist nicht ersichtlich, warum Brüning nicht den Namen jenes Angehörigen der „kommunistischen Verschwörergruppe“ von 1918 im Großen Hauptquartier nennen wollte, der später ein „nicht gerade einflußloses Mitglied der NSDAP“ geworden sei (S. 34). Das gleiche gilt für das Verschweigen von Namen ausländischer Agenten, mit denen Hitler 1923 verhandelt habe (S. 98). Hingegen ist in einem Brief vom 20. Januar 1949 an August H. Berning die Rede davon, daß Alfred Rosenberg den „finanziellen Kontakt“ zwischen Hitler und dem „französischen Geheimfonds“[!] aufrechterhalten habe. Briefe II, S. 178.Google Scholar
  72. 84.
    Am 5. September 1957 schrieb er an Athos v. Schauroth: „Aber das Glück ist, daß die Gegenseite [damit waren in erster Linie die Verfasser der zahlreichen Memoirenwerke über die Weimarer Zeit gemeint] ihre Patronen verschossen hat.“Google Scholar
  73. 85.
    In seinem Brief vom 14. Mai 1952 an die Deutsche Zeitung (vgl. Anm. 73).Google Scholar
  74. 86.
    Vgl. Briefe II, S. 399. An anderer Stelle der Anmerkungen schreibt Claire Nix, Brüning habe das Empfinden gehabt, daß die Publikation „20 Jahre nach dem Diktat Auslassungen und Redewendungen erfordern würde, die kaum zu einem Erlebnisbericht paßten“. Er habe es deshalb vorgezogen, das Manuskript erst nach seinem Tode veröffentlichen zu lassen. Briefe I, S. 64 Anm. 1. Wieder anders akzentuiert ist die Mitteilung von Claire Nix an Werner Conze vom 10. Februar 1971, zitiert bei W. Conze, Brüning als Reichskanzler, (s. Anm. 68), S. 311 Anm. 2: Danach habe Brüning 1965 nach einer Lektüre des Manuskripts (in welcher Fassung?), das er aus dem „Panzerschrank“ gezogen habe, erklärt: „‚Achtzig! Dann schafft man nichts mehr, oder man macht Unsinn‘“; er habe „die Papiere im Panzerschrank“ liegen lassen. In diesem Sinne schrieb Claire Nix auch am 22. Januar 1971 an den früheren Zentrumsabgeordneten Wilhelm Fonk: Brüning habe 1965, nach einem Besuch des Leiters der Deutschen Verlags-Anstalt in Norwich/Vermont, die Ansicht geäußert, das Manuskript zu veröffentlichen, „aber er fürchtete […], er würde in seinem Alter nur Dinge durcheinander bringen, und ließ das Ganze liegen“.Google Scholar
  75. 87.
    So derjenigen, er werde sich nicht um die Reaktion der Öffentlichkeit kümmern. Am 18. Juli 1957 an Hans v. Raumer.Google Scholar
  76. 88.
    So am 20. Dezember 1955 an Franz Dessauer, dem Brüning weiter mitteilte, daß er es nicht werde vermeiden können, wegen seiner Memoiren „angegriffen“ zu werden: „Aber aus einer Reihe von Gründen halte ich es jetzt [!] für meine Pflicht, nicht länger mit der Veröffentlichung zu warten.“ Vgl. auch Max Braubach: „Vielleicht scheute er [Brüning] in seinem letzten Lebensjahrzehnt vor einer Veröffentlichung auch deshalb zurück, weil er fürchtete, daß sie seinem Ruf und Andenken mehr schaden als nützen würde.“ In: Hist. Jb. 92, 1972, S. 111.Google Scholar
  77. 89.
    Am 18. Juli 1957 teilte Brüning Johannes Maier-Hultschin mit: „Vorläufig eröffnen eine Reihe von Anwälten, die mit der Hindenburggruppe in Verbindung stehen, Sperrfeuer gegen die Veröffentlichung meiner Memoiren.“ Am 5. April 1958 hieß es gegenüber Hans v. Raumer: „Außerdem muß ich die Vorgänge bei meinem Sturze sehr sorgfältig formulieren, da der Sohn Hindenburg das Archiv seines Vaters hat, für das Herr Meißner bei jeder Krise eine Darstellung verfaßte, die dartun sollte, daß Hindenburg immer Recht gehabt habe. Wie auch immer ich die Formulierungen wähle, so ist doch eine Polemik von seiten des jungen Hindenburg unausbleiblich.“ Die Anfertigung von einseitig gefärbten Aufzeichnungen Meißners für Hindenburgs Hausgebrauch hat Brüning in Briefen mehrfach erwähnt, auch in den „Memoiren“ (S. 519).Google Scholar
  78. 90.
    So am 13. Mai 1957 an Katharina v. Kardorff; 14. Mai 1957 an Friedrich Stampfer, wobei Brüning hinzufügte: „Wenn diese Phase vorbei ist, hoffe ich in die Heimat zurückzukehren.“ Bereits am 20. Dezember 1955 (an Franz Dessauer) war von einer Rückkehr in die Heimat „im nächsten Jahr“ die Rede gewesen, eine Absicht, die er wiederholt ausgesprochen hat.Google Scholar
  79. 91a.
    Vgl. Arnold Brecht, Gedanken über Brünings Memoiren, in: Polit. Vierteljahresschr. 12, 1971, S. 626; J. Wheeler-Bennett, The End of the Weimar Republic, S. 370;Google Scholar
  80. 91b.
    Herbert Weichmann, Kritische Bemerkungen zu den Briefen Brünings an Sollmann, in: Vierteljahrsh. für Zeitgesch. 22, 1974, S. 460. Ferner mündliche Auskünfte von George N. S huster und Gottfried R. Treviranus (†).Google Scholar
  81. 92.
    Mündliche Auskünfte von Frau Anni Heuwes, verwitwete Eckert. Dazu vgl. R. Morsey, Brüning (s. Anm. 12), S. 115.Google Scholar
  82. 93.
    Druck: Stuttgart 1954. Wiederabgedruckt in: H. Brüning, Reden und Aufsätze (s. Anm. 13), S. 283ff. Bisher fehlt eine Untersuchung über den Stellenwert dieser Rede, die ihre politische Brisanz aus dem Zusammenhang mit der Haltung der außenpolitischen Opposition der fünfziger Jahre bezog. Dazu vgl. Rudolf Morsey, Brüning und Adenauer. Düsseldorf 21972, S. 40.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Rudolf Morsey

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