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Gruppenbindung und rationale Faktoren als Determinanten der Wahlentscheidung in Ost- und Westdeutschland

  • Bernhard Weßels
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 72)

Zusammenfassung

Die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl ist ohne Zweifel eine besondere Wahl gewesen. Kaase und Klingemann bezeichnen sie als “einen wichtigen kontinuitätsbrechenden Schnitt”2. Dies gilt mit Blick auf das erweiterte Wahlgebiet, möglicherweise aber auch in Hinsicht auf neue und andere Konfliktpotentiale und Trennungslinien. Eine Zeitreihenperspektive kann an die gesamtdeutsche Wahl schwerlich angelegt werden, und eine Strukturperspektive, wie sie in der alten Bundesrepublik mit Blick auf die Stabilität sozialer Spaltungen vielfach angelegt wurde, scheint ebenfalls auszuscheiden3. Vor diesem Hintergrund kommt die Wahlforschung in gewisse Interpretationsschwierigkeiten. Die Suche nach Erklärungsansätzen, die in den neuen Bundesländern greifen und zugleich die Vergleichsperspektive mit den alten Bundesländern gewährleisten, verdeutlicht dies. Zur Volkskammerwahl in der DDR am 18. März 1990 vermerkt Roth: “Weil aber Parteibindungen in der DDR historisch nicht gewachsen sein können, weil es keine politischen Klassen im Sinne von Lipset/Rokkan gibt, die eine Orientierung erleichtern würden, … ist die Hypothese, daß wir bei dieser Wahl in der DDR ‘issue voting’ in fast reiner Form erlebt haben.”4 Diese These von der “Stunde Null” muß für die gesamtdeutsche Bundestagswahl nicht unbedingt gelten. Zwar scheidet auch für sie eine auf Cleavages gerichtete Strukturperspektive und die Zeitreihenperspektive aus.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Bernhard Weßels

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