Advertisement

Volksabstimmung und direkte Demokratie: Ein Beitrag zur Verfassungsdiskussion

  • Gebhard Kirchgässner
  • Bruno S. Frey
Chapter
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 72)

Zusammenfassung

Im Herbst 1989 hat die Bevölkerung der DDR „auf der Straße“ mit bewundernswerter Disziplin einen Machtwechsel erzwungen. Selbst als im darauffolgenden Winter die Dienststellen der verhaßten Staatssicherheit gestürmt wurden, kam es kaum zu Ausschreitungen: Die von der damaligen Regierung Modrow befürchteten Krawalle mit Toten fanden nicht statt. Ohne daß diese Bevölkerung auf eine demokratische Tradition zurückblicken konnte, war eine erhebliche politische Reife festzustellen, die alle Behauptungen von der politischen Unzuverlässigkeit der Straße Lügen zu strafen schien. Forderungen nach mehr direkter Demokratie konnten unter diesen Voraussetzungen nicht einfach abgetan werden, zumal die anstehende Revision des Grundgesetzes eine gute Gelegenheit bot, direkt-demokratische Elemente in die neue deutsche Verfassung aufzunehmen1. Nicht einmal drei Jahre später jedoch tolerierten nicht unerhebliche Teile derselben Bevölkerung Ausschreitungen rechtsradikaler Jugendlicher gegen Ausländer, als in den Nächten nach dem 23. August 1992 in Rostock die Krawalle mit nahezu unverhohlenem Beifall der umstehenden Bevölkerung bedacht wurden. Sofort wurde wieder das „Gespenst von Weimar“ wahrgenommen, das seit der Gründung der Bundesrepublik dazu herhalten muß, Bemühungen um die Einführung direkt-demokratischer Elemente in das deutsche Grundgesetz abzuweisen und zu diskreditieren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Arnim, Hans Herbert v., Macht macht erfinderisch. Der Diätenfall: ein politisches Lehrstück, Zürich: Edition Interfrom 1988.Google Scholar
  2. Aubert, Jean-François, So funktioniert die Schweiz, dargestellt anhand einiger konkreter Beispiele, Muri (Bern): Cosmos-Verlag 19844.Google Scholar
  3. Blankart, Charles B., Bewirken Volksinitiative und Referendum einen Unterschied in der Politik, mimeo, Technische Universität Berlin 1991.Google Scholar
  4. Borner, S./A. Brunetti/Th. Straubhaar, Schweiz AG. Vom Sonderfall zum Sanierungsfall, Zürich: Verlag NZZ1990.Google Scholar
  5. Bugiel, K., Das Institut der Volksabstimmung im modernen Verfassungsstaat, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 3/1987, S. 394–419.Google Scholar
  6. Bugiel, K., Volkswille und repräsentative Entscheidung. Zulässigkeit und Zweckmäßigkeit von Volksabstimmungen nach dem Grundgesetz, Baden-Baden: Nomos 1991.Google Scholar
  7. Downs, Anthony, An Economic Theory of Democracy, New York: Harper and Row 1957; deutsche Übersetzung: Ökonomische Theorie der Demokratie, Tübingen: Mohr (Siebeck) 1968.Google Scholar
  8. Elster, Jon, Arguments for Constitutional Choice: Reflections on the Transition to Socialism, in: J. Elster/R. Slagstad (Hrsg.), Constitutionalism and Democracy, Cambridge: Cambridge University Press 1988, S. 303–323.Google Scholar
  9. Frey, Bruno S./Gebhard Kirchgässner, Volksabstimmungen, Politische Ökonomie und Diskursethik, mimeo: Hochschule St. Gallen, Februar 1993.Google Scholar
  10. Giacometti, Z./F. Fleiner, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, Zürich: Polygraphischer Verlag 1949.Google Scholar
  11. Häuser, H./S. Bradke, EWR-Vertrag EG-Beitritt, Alleingang, Wirtschaftliche Konsequenzen für die Schweiz, Gutachten zu Händen des Bundesrates, Chur/Zürich: Rüegger 1991.Google Scholar
  12. Jung, O., Direkte Demokratie: Forschungsstand und -aufgaben, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen,, 3/1990, S. 491–504.Google Scholar
  13. Kirchgässner, Gebhard, Hebt ein knapper Wahlausgang die Wahlbeteiligung? Eine Überprü¬fung der ökonomischen Theorie der Wahlbeteiligung anhand der Bundestagswahl 1987, in: M. Kaase/H.-D. Klingemann (Hrsg.), Wahlen und Wähler: Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1987, Opladen: Westdeutscher Verlag 1990, S. 445–477.Google Scholar
  14. Kirchgässner, Gebhard, Homo oeconomicus. Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens und seine Anwendung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Tübingen: Mohr (Siebeck ) 1988.Google Scholar
  15. Kirchgässner, Gebhard, Towards a Theory of Low-Cost Decisions, in: European Journal of Political Economy, 8/1992, S. 305–320.Google Scholar
  16. Kirchgässner, Gebhard/Werner W. Pommerehne, Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens: Implikationen für die Beurteilung staatlichen Handelns, in: Kritische Vier-teljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft, 3/1988, S. 230–250.Google Scholar
  17. Kirchgässner, Gebhard/Werner W. Pommerehne, Zwischen Parteien- und Bundesstaat: Staatshandeln in der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland, in: H. Abromeit/W.W. Pommerehne (Hrsg.), Staatstätigkeit in der Schweiz, Bern/Stuttgart: Haupt 1992, S. 221–245.Google Scholar
  18. Kostede, Norbert, Das Plebiszit als Lernprozeß, in: Die Zeit, Nr. 15. vom 5.4. 1991, S. 5.Google Scholar
  19. Krisie, Hans-Peter, Reaktionen und Erfolg, in: H.-P. Kriesi ua. (Hrsg.), Politische Aktivierung in der Schweiz, 1945–1978, Diessenhofen: Rüegger 1981, S. 548–604.Google Scholar
  20. Leonardy, Uwe, Plebiszit ins Grundgesetz: ‚Ergänzung oder Irrweg?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 3/1989, S. 442–450.Google Scholar
  21. Luthardt, Wolfgang, Institutionen direkter Demokratie in der Schweiz und in anderen westeuropäischen Staaten. Ein empirischer Beitrag zur Demokratietheorie, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 1/1992, S. 146–167.Google Scholar
  22. Luthardt, Wolfgang, Instrumente direkter Demokratie: Bereicherung der Interessenvermittlung, in: H.-D. Klingemann/W. Luthardt (Hrsg.), Wohlfahrtsstaat, Sozialstruktur und Verfassungsanalyse, Opladen: Westdeutscher Verlag 1993, S. 168–188.Google Scholar
  23. Olson, Mancur, The Logic of Collective Action, Cambridge/Mass.: Harvard University Press 1965; deutsche Übersetzung: Die Logik des kollektiven Handelns, Tübingen: Mohr (Siebeck) 1968.Google Scholar
  24. Pautz, Birgit, Umweltschutz zwischen Föderalismus und direkter Demokratie, in: H. Abromeit/W.W. Pommerehne (Hrsg.), Staatstätigkeit in der Schweiz, Bern/Stuttgart: Haupt 1992, S. 263–280.Google Scholar
  25. Pestalozza, Christian, Der Popularvorbehalt: Direkte Demokratie in Deutschland, Berlin/New York: de Gruyter 1981.Google Scholar
  26. Pommerehne, Werner W., Institutional Approaches to Public Expenditures: Empirical Evidence from Swiss Municipalities, in: Journal of Public Economics, 9/1978, S. 163–201.Google Scholar
  27. Pommerehne, Werner W., Zur empirischen Relevanz vergleichender institutioneller Analyse: Das Beispiel der Kommunalfinanzen, mimeo: Universität des Saarlandes und Universität Zürich 1990.Google Scholar
  28. Popper, Karl R., The Open Society and Its Enemies, Bd. 1: The Spell of Plato, London: Routledge and Sons 1945; deutsche Übersetzung: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. 1: Der Zauber Piatons, Bern: Francke 1957.Google Scholar
  29. Rawls, John, A Theory of Justice, Cambridge/Mass.: Harvard University Press 1971; deutsche Übersetzung: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1975.Google Scholar
  30. Schiffers, Reinhard, Elemente direkter Demokratie im Weimarer Regierungssystem, Düsseldorf: Droste 1971.Google Scholar
  31. Schneider, Friedrich, Der Einfluß von Interessengruppen auf die Wirtschaftspolitik, Bern/Stuttgart: Haupt 1985.Google Scholar
  32. Stolz, Peter, Intermediäre Gewalten und Gruppen aus wirtschaftswissenschaftlicher, ins-besondere neoinstitutionalistischer Perspektive, in: P. Trappe (Hrsg.), Politische und gesellschaftliche intermediäre Gewalten im sozialen Rechtsstaat, Basel 1990, S. 73–103.Google Scholar
  33. Toffler, Alvin, The Third Wave, William Morrow, New York 1980.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Gebhard Kirchgässner
  • Bruno S. Frey

There are no affiliations available

Personalised recommendations