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Die institutionellen Rahmenbedingungen der Bundestagswahl vom 2. Dezember 1990

  • Eckhard Jesse
Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 72)

Zusammenfassung

Die Wahl vom 2. Dezember 1990 unterschied sich grundlegend von allen Bundestagswahlen zuvor: Es handelte sich um die erste gesamtdeutsche Wahl zum Deutschen Bundestag. Was noch am 7. Oktober 1989, dem vierzigsten Jahrestag der DDR, von keinem Beobachter für möglich gehalten wurde, ist innerhalb eines Jahres eingetreten: die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Massenflucht von DDR- Bürgern führte zu großen Demonstrationen — und damit zum Sturz des SED-Regimes. Die Mehrheit der DDR-Bürger wollte nicht nur Freiheit, sondern überwiegend auch Einheit. Dank einer günstigen internationalen Konstellation trat die DDR, inzwischen demokratisch legitimiert, am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland bei. Zum ersten Mal konnten alle Deutschen am 2. Dezember 1990 an der Wahl zum Deutschen Bundestag teilnehmen. Die erste gesamtdeutsche Wahl, eine wichtige Etappe im Rahmen des Vereinigungsprozesses, vollzog sich nach Modalitäten, die sich gegenüber vorherigen Wahlen etwas voneinander unterschieden. Der folgende Beitrag soll die Änderung des Wahlsystems im Jahre 1990 einschließlich der kontroversen Stellungnahmen nachzeichnen und beurteilen.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Eckhard Jesse

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