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Dynamisierungsfaktoren: Die Informatisierung der Gesellschaft

  • Edgar Grande
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Zusammenfassung

Die lange, nahezu ungebrochene historische Kontinuität der monopolistischen Regulierungsstruktur im Fernmeldewesen scheint politische Bestrebungen zur Öffnung dieses Sektors für den Wettbewerb vor eine kaum lösbare Aufgabe zu stellen. Die normative Kraft jahrzehntelang geübter Praktiken, die organisatorische und institutionelle Verfestigung von Handlungsroutinen, die enge Einbindung starker sozialer Interessenkoalitionen, dies alles mußte die Fernmeldemonopole zu einer uneinnehmbaren Festung machen. Hinzu kam, daß es nicht nur politischer Opportunismus war, der vor dem Sturm auf die Fernmeldemonopole zurückschrecken ließ. Dafür sprachen auch gute ökonomische Gründe. Der Telekommunikationssektor galt lange Zeit als klassisches Beispiel eines “natürlichen Monopols” (ausführlich dazu Müller/Vogelsang 1979, Meyer et al. 1980:111–154). Durch die Größen- und Verbundvorteile einer Leistungserbringung aus einer Hand galt gerade der Ausschluß von Wettbewerb als die effizienteste Organisationsform für das Fernmeldewesen. Ein erfolgreicher Sturm auf das Fernmeldemonopol hätte damit allenfalls als Pyrrhussieg enden können.

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Literatur

  1. 1.
    Eine vertiefende Darstellung dieser technologischen Innovationen und ihrer Auswirkungen auf das Fernmeldewesen findet sich bei Albensöder (1987), Baur (1982), Brepohl (1983), Hansen (1986), KtK (1976), Kubicek/Roll (1986) und Wißmann (1988).Google Scholar
  2. 2.
    Von den umfangreichen Richtfunkstrecken der DBP wird hier abgesehen.Google Scholar
  3. 4.
    Umgekehrt versuchen freilich auch die Telekommunikationshersteller, in den Computer-markt einzudringen. Indizien dafür sind die Übernahme des britischen Computerherstellers ICL durch STC und die Beteiligung von ATamp;T am italienischen Computerhersteller Olivetti.Google Scholar
  4. 5.
    Die Tatsache, daß IBM unlängst erklärte, daß das Unternehmen keine eigenen öffentlichen Vermittlungsanlagen bauen wolle (Frankfurter Rundschau, 23.10.1987:7), zeigt nur, daß es inzwischen vor allem von den Unternehmensstrategien der Computerhersteller abhängt, ob sie in diesen Markt eintreten und nicht mehr von technologischen Barrieren.Google Scholar
  5. 6.
    Diese Unterscheidung baut auf Boyer (1987:262f.) auf.Google Scholar
  6. 7.
    Ein Überblick über die historische Entwicklung und die einzelnen Varianten der Theorie der langen Wellen findet sich bei Duijn (1983), Freeman (1984), Huber (1985) und Vasko (1987).Google Scholar
  7. 8.
    Auch für Bell galt die Telekommunikation als Schlüsseltechnologie für den Übergang zur “nachindustriellen Gesellschaft”: “Das britische halbe Jahrhundert von 1825 bis 1875 basierte auf der Revolutionierung von Transport und Verkehr durch die Eisenbahn; das amerikanische von 1915 bis 1965 zu einem guten Teil auf der durch die Massenproduktion von Autos herbeigeführten Revolution; und das nächste halbe Jahrhundert wird durch die Revolution auf dem Gebiet der Telekommunikation geprägt werden” (Bell 1975:17).Google Scholar
  8. 9.
    Der Begriff des “Fordismus” geht zurück auf Gramsci. Für Gramsci bezeichnete er die in den USA in den zwanziger Jahren beobachtbare Tendenz zur “geplanten Ökonomie”, die für ihn “als letzter Punkt der einander ablösenden Versuche der Industrie, das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate zu überwinden” (Gramsci 1967:377, 378) galt.Google Scholar
  9. 10.
    Unter der Kategorie “Informationsbeschäftigte” werden erfaßt:- Informationsproduzenten, d.h. jene, die Information erzeugen oder vorhandene Information in eine für den Empfänger angemessene Form bringen;- Informationsverarbeiter, d.h. jene, die hauptsächlich auf empfangene Information hin reagieren; - Informationsverteiler, d.h. jene, die hauptsächlich mit der Weitergabe von Information beschäftigt sind; - Information-Infrastrukturbeschäftigte, d.h. jene, die die Maschinen und Technologien der Informationserzeugung, -verarbeitung und -verteilung installieren, bedienen und reparieren (Otto/Sonntag 1985:91).Google Scholar
  10. 11.
    Inzwischen wurde von Siemens bereits ein Systemkonzept vorgestellt, in dem Büroarbeit und Produktionsprozeß miteinander verbunden sind. Im Konzept der “Computer Assistierten Industrie” (CAD wird das produktionsbezogene CIM-Konzept um die kaufmännischen Unternehmensfunktionen erweitert. Das Ziel ist der integrierte EDV-Einsatz im gesamten Unternehmen (FAZ, 15.3. 1988: 826 ).Google Scholar
  11. 12.
    zusammenfassende Überblicke finden sich bei Knieps et al. (1981:35–61), Knieps (1985:102–151), Scherer (1985:205–229), Hills (1986:51–77) und Kleinsteuber (1987); die Entflechtung von ATamp;T wird ausführlich dargestellt bei Wieland (1985), vgl. dazu auch Brown (1983) und Katz/Willig (1983).Google Scholar
  12. 13.
    GTE bezog lediglich Übertragungskabel von Western Electric, einer 100-prozentigen Toch-tergesellschaft von ATamp;T (Wieland 1985:9).Google Scholar
  13. 14.
    Die FCC erfuhr seit ihrer Einrichtung nicht zuletzt deshalb einen deutlichen Bedeutungszu-wachs, weil sich der Telefonverkehr zunehmend auf die zwischenstaatliche Ebene verlagerte. 1935 entfielen 81,5% des Verkehrsvolumens und 67,6% der Erlöse auf den innerstaatlichen Telefonverkehr; 1975 waren es noch 51% des Verkehrsvolumens und 39% der Erlöse (Knieps 1985:62).Google Scholar
  14. 15.
    Weitere, wenn auch in der Vergangenheit weniger bedeutende Akteure in der US-Tele-kommunikationspolitik waren zum einen der Kongress mit seiner Gesetzgebungskompetenz, sowie Teile der staatlichen Exekutive. Innerhalb der staatlichen Exekutive war vor allem das Justizministerium (im Rahmen seiner Antitrust-Verfahren gegen ATamp;T) in die Telekommunikationspolitik involviert. Darüber hinaus bestehen in verschiedenen anderen Ressorts Stäbe zur Telekommunikationspolitik, unter anderem das Office of Telekommunications Policy im Weißen Haus und die National Telecommunications and Information Administration im Handelsministerium.Google Scholar
  15. 16.
    Vor der “Hush-a-Phone”-Entscheidung galt: “No equipment, apparatus, circuit or any other device not furnished by the telephone company shall be attached to or connected with the facilities furnished by the telephone company, whether physically, by induction or otherwise” (zitiert nach: Brock 1981:239).Google Scholar
  16. 18.
    Nach der Entflechtung von ATamp;T bestehen in den USA - neben den seither von ATamp;T un-abhängigen Netzbetreibern - sieben regionale Holdinggesellschaften für den örtlichen Telefonverkehr: Ameritech, Bell Atlantic, Bell South, Nynex, Pacific Telesis, Southwestern Bell und U.S. West. Diese Gesellschaften umfaßten nach ihrer Gründung Vermögenswerte von jeweils etwa 20 Mrd. US-Dollar, womit sie zu den 50 größten Unternehmen der USA zählten (Wieland 1985: 30 ).Google Scholar
  17. 19.
    Richtiger wäre hier der Begriff “Liberalisierung”, da das US-Fernmeldewesen sich ja ohnehin in privater Hand befand.Google Scholar
  18. 20.
    Ähnlich auch Robert Bruce, General Counsel bei der FCC: “(E)s wird immer notwendiger, die wettbewerbsfördernde offene und flexible Regulierungspolitik der USA mit der Telekommunikationspolitik anderer Länder, die von ganz anderen Vorstellungen bezüglich der unternehmerischen Struktur und der Versorgung der Nutzer ausgehen, in Einklang zu bringen” (zitiert nach: Schiller 1985:105).Google Scholar
  19. 22.
    Bereits bei der Liberalisierung des japanischen Fernmeldewesens zu Beginn der achtziger Jahre spielte der handelspolitische Druck der USA auf die japanische Regierung zur Öffnung der japanischen Märkte für US-Unternehmen eine Rolle: “Some of those within the telecommunications industry interviewed in Japan believed that MM was prepared to buy off American pressure on automobiles with concessions on telecommunications” (Hills 1986:116).Google Scholar
  20. 23.
    Eine Übersicht fiber die Beschlüsse des Rates auf dem Gebiet der Telekommunikation fin-det sich in: Kommission der Europäischen Gemeinschaften (1987:50.; einen Überblick über die Umsetzung der Politik der Gemeinschaft geben: Kommission der Europäischen Gemeinschaften (1986, 1987:100–136); zur europäischen Forschungskooperation im Bereich der Telekommunikation siehe auch Shearman (1986); kritisch zu den industriepolitischen Intentionen der EG äußern sich Neu et al. (1986).Google Scholar
  21. 24.
    Open Systems Interconnection (Offener Systemverbund).Google Scholar
  22. 25.
    Kurz: “Mehr Wettbewerb in einem europaweiten Markt” (Ungerer 1988:5), lautete die Bot-schaft.Google Scholar
  23. 26.
    Lediglich die Nutzung der Satellitenkommunikation für den Zweiweg-Betrieb soll dem Wettbewerb dann geöffnet werden, wenn keine Interferenzen mit anderen Satelliten und sonstigen Funksystemen entstehen, und die finanzielle Lebensfähigkeit des Betreibers der zentralen Netzinfrastruktur nicht gefährdet wird.Google Scholar
  24. 27.
    Das Grünbuch begnügte sich - vor dem Hintergrund der Probleme der US-amerikanischen FCC, die Grenzen zwischen Telekommunikations-und Datenverarbeitungsdiensten zu definieren - mit einer einfachen Unterscheidung zwischen “reservierten Diensten” und “Wettbewerbsdiensten”. Als “reservierte Dienste” wurden definiert: “Dienste, deren Bereitstellung ausschließlich den Fernmeldeverwaltungen vorbehalten ist” (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1987:66). Zu den “Wettbewerbsdiensten” gehören folglich alle Dienste, die nicht ausschließlich den Fernmeldeverwaltungen vorbehalten sind.Google Scholar
  25. 28.
    Die folgende Darstellung stützt sich vor allem auf Schulte-Braucks (1987); zum Verhältnis des europäischen Gemeinschaftsrechts zum Fernmeldemonopol der DBP siehe auch Emmerich (1983) und Regierungskommission Fernmeldewesen (1987:40–45).Google Scholar
  26. 29.
    Anlaß des British Telecom-Urteils war ein Verbot der Vermittlung von Telexen, das British Telecom gegen eine private britische Nachrichtenagentur ausgesprochen hatte. Die EG-Kommission hatte dieses Verbot in einer Entscheidung vom 10. Dezember 1982 verurteilt. Die italienische Regierung brachte die Kommissionsentscheidung daraufhin vor den Europäischen Gerichtshof. Der Gerichtshof hatte im wesentlichen zwei Fragen zu klären: Die Frage, ob das europäische Gemeinschaftsrecht auf die Tätigkeit einer Einrichtung öffentlichen Rechts anwendbar ist, und die Frage, ob das Angebot privater Mehrwertdienste zuläßig ist (siehe Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1987:123ff. und Schulte-Braucks 1987:88ff.).Google Scholar
  27. 30.
    Auch die Regierungskommission Fernmeldewesen (1987:41) äußerte “Bedenken”, “ob das gegenwärtige Monopol der Bundespost am ersten Fernsprechapparat vor Art. 37 EWG-Vertrag Bestand hat”.Google Scholar
  28. 31.
    Nach Meinung der EG-Kommission ist “ein starker europäischer Telekommunikationssektor eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine verstärkte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und für die Vollendung des Binnenmarktes für Waren und Dienstleistungen bis 1992” (Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1987:24).Google Scholar

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1989

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  • Edgar Grande

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