Advertisement

Struktur und Wandel kollektiven politischen Handelns: Die handelspolitische Petitionsbewegung 1848/49

  • Heinrich Best
Part of the Scriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 44)

Zusammenfassung

Wenn ich im Rahmen dieses Bandes über die handelspolitische Petitionsbewegung der Jahre 1848/49 berichte, dann sollte dies nicht ohne eine besondere Begründung geschehen, denn die Petitionen waren eine Form kollektiven politischen Handelns, die sich nicht selbstverständlich unter dem Stichwort „sozialer Protest“subsumieren läßt, selbst wenn man eine sehr extensive Fassung dieses Begriffs zugrundelegt. Richard Tilly versteht sozialen Protest,,im weitesten Sinne als kollektives Handeln gegen bestehende Herrschaftsnormen“1. Konfrontiert man diese Definition mit dem Selbstverständnis der Akteure der Petitionsbewegung in den Jahren 1848/49, würde mein Thema auf den ersten Blick aus dem Kontext der Protestforschung her-ausfallen. Die Vielzahl der eingehenden Petitionen wurde von ihren Adressaten in der Paulskirche keineswegs als kollektive,,Norm Verletzung“, sondern im Gegenteil als Beweis für die breite Akzeptanz einer Führungsfunktion der Nationalversammlung bei der Aufgabe einer politisch-sozialen Neuordnung Deutschlands gewertet. Dies belegen neben vielen entsprechenden Aussagen von Abgeordneten die regelmäßige Registrierung der eingehenden Petitionen im Stenographischen Bericht und ihre zum Teil sehr sorgfältige Auswertung durch die Ausschüsse. Eine Legitimie-rungsfunktion läßt sich selbst für solche Eingaben unterstellen, die sich gegen einzelne Beschlüsse der Nationalversammlung wandten oder ihre Entscheidungsscheu kritisierten. Zutreffend hatte Carl Welcker im Vorfeld der Märzrevolution das Petitionsrecht als eine Möglichkeit erkannt, „um eine beständige lebendige Wechselwirkung zwischen der regierten Nation und ihren Vertretern oder Wortführern zu erhalten und… dadurch das Vertrauen und die Tatkraft des Volkes für sie zu gewinnen“.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1984

Authors and Affiliations

  • Heinrich Best

There are no affiliations available

Personalised recommendations