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Religion und sozialer Protest. Erweckungsbewegung und ländliche Unterschichten im Vormärz am Beispiel von Minden-Ravensberg

  • Josef Mooser
Part of the Scriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB, volume 44)

Zusammenfassung

Anders als in England, wo die Verbindungen zwischen Arbeiterbewegung und Christentum enger waren, ist in Deutschland die Frage nach Zusammenhängen zwischen sozialem Protest und (kirchlich gebundener) Religion in der neueren Geschichte scheinbar müßig, da durch Ereignisse und Tradition längst beantwortet. Seit der Französischen Revolution — so ließe sich argumentieren — waren oder galten die Kirchen als Stützpfeiler einer antirevolutionären, konservativen Ordnungspolitik, so daß die demokratische wie die sozialistische Bewegung sich fast zwangsläufig gegen die Kirchen stellen und in ihrer Ideologie atheistisch oder wenigstens religiös indifferent werden mußten. Im „Bündnis von Thron und Altar“und dem damit verbundenen „Versagen“in der „sozialen Frage“verloren die Kirchen andererseits ihren verhaltensprägenden Einfluß auf die Unterschichten und insbesondere auf die Arbeiterschaft. Die Geschichte der sozialen Bewegungen steht daher im Zeichen der Säkularisierung. Auch der soziale Protest vor und neben den organisierten politischen Bewegungen, die kollektive, normverletzende öffentliche Aktion, erscheint im Lichte dieser Argumentation erst möglich mit oder nach dem Bedeutungsverlust von Religion und Kirchen als Mittel der Sinnstiftung, gehorsamen Integration und sozialen Kontrolle, wie dies ja nicht nur „von außen“kritisiert, sondern von den Kirchen selber reklamiert wurde. Gegenteilige Befunde — zum Beispiel die große Bedeutung des Christentums im frühsozialistischen Denken, die religiöse Mahnung und Drohung einer metaphysischen Gerechtigkeit auch im Aufruhr wie bei den schlesischen Webern 1844 oder die spätere katholische Arbeiterbewegung — werden, wenn nicht übergangen, als ein Phänomen des Übergangs, der Taktik gegenüber „rückständigen“Mentalitäten oder als Audruck „praktischer Schwäche und Hilflosigkeit“interpretiert.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1984

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  • Josef Mooser

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