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Probleme griechischer Säulen

  • Hans Kauffmann
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Zusammenfassung

In dieser Stunde möchte ich auf eine Wirkungsweise der kannelierten Säulen, vorwiegend an griechischen Tempeln aufmerksam machen, die nach meiner Übersicht bisher weder wahrgenommen noch erwogen, jedenfalls nicht ins Gespräch gebracht worden ist — hauptsächlich wohl, weil, soviel ich sehe, keine literarische Quelle von den Phänomenen spricht, die mir vor Jahren aufgefallen sind. Infolgedessen werden sich meine Hinweise nicht auf schriftliche Überlieferungen berufen können und gelangen deshalb, selbst wenn die optischen Demonstrationen einleuchtend wirken, nicht über die Hypothese hinaus — eine Lage, wie sie auch in anderen Problemkreisen angetroffen werden kann. Jedoch dürfte die Nichtbeachtung auch von einer neuerdings verbreiteten Allgemeinvorstellung vom griechischen Tempel als einem autonomen, in sich ruhenden Architekturwerk beeinflußt worden sein. Ist doch beispielsweise von Gerhard Rodenwaldt ausgesprochen worden: „Zum Wesen des griechischen Tempels wie der Statue gehört die Autarkie, das Sichselbstgenügen. Sie dulden keine künstlerische Beziehung zu irgend etwas, was außerhalb ihrer liegt… Es ist der Grundzug der griechischen Humanität, der sich in dieser Autarkie des Kunstwerks äußert.“Eine doch recht einseitige Aussage abgesehen davon, daß dergleichen jedem Kunstwerk als einer Ganzheit eignet. Übrigens gibt es nicht nur von einem Künstler wie Adolf von Hildebrand eine konträre Äußerung1.

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Literatur

  1. 1.
    G. Rodenwaldt: Die Akropolis. Berlin 1930, 27; nach einem Diskussionsbeitrag von Herrn Prof. Dr. Himmelmann meint der zitierte Satz die Isoliertheit des Baues, das Ausbleiben achsialer Bezüge wie etwa im Barock, was freilich aus G. Rodenwaldts Formulierung nicht herauszulesen ist und ob wirklich maßgebend, wenn man sich an Agrigent, an Lindos, an den Parallelismus der drei Tempel in Paestum, an die annähernde Richtungsgleichheit zwischen Parthenon und Propyläen erinnert? Nachdrücklicher als G. Rodenwaldt hat H. Kähler, Der griechische Tempel, Wesen und Gestalt. Berlin u. a. (1964), 18 denselben Gedanken wiederholt. Anders H. Hettners Beschreibung des Apollotempels von Phigalia-Bassai mitsamt seiner Umgebung. Griechische Reiseskizzen. Braunschweig 1853, 235ff.; G. Gruben: Die Tempel der Griechen. München 1966, 302: „Der Tempel D, sog. Juno-Lacinia-Tempel (in Acragas) um 450, mit sicherer Einsicht in die Wechselbeziehung zwischen Landschaft und Baukörper“;Google Scholar
  2. 1a.
    E. Kirsten und W. Kraiker: Griechenlandkunde. 5. Aufl. Heidelberg 1967, 2. Bd. 496 (über den Apollotempel-Bezirk auf Delos): „Hier wirkt noch die alte Gestalt und Auffassung des griechischen Heiligtums nach“als eines „geheiligten Teils der Natur selbst… “Ad. von Hildebrand: Gesammelte Schriften zur Kunst, bearbeitet von Henning Bock. Köln/Opladen 1969, 391 (am Schluß einer kurzen Kritik beabsichtigter Änderungen an der Engelsburg/Rom).Google Scholar
  3. 2.
    F. C. Penrose: An Investigation of the Principles of Athenian Architecture. New and enlarged Edition. London 1888 und weiteres 1893, 1897; H. Nissen: Templum. Berlin 1869 und Orientation I 1906; W. B. Dinsmoor: The Architecture of Ancient Greece. London 1950. Vorzüglich R. V. Schoder: Das antike Griechenland aus d. Luft. 1975.Google Scholar
  4. 3.
    Hierzu E. Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen. 2. Tl. Oxford 1954, 124 und 131ff.; J. Burckhardt: Griechische Kulturgeschichte. I Leipzig (Kröner-Verlag) 1939, 349, 351 u. ö.Google Scholar
  5. 4.
    Dazu die enger gefaßten Bestimmungen I 8.Google Scholar
  6. 5.
    Nachklänge dieser vitruvianischen Regeln in A. Dürers „Befestigungslehre“, 1527, in seinem Plan einer Idealstadt: quadratisch, übereck in der Relation zu den Hauptrichtungen der Windrose; zuletzt Katalog der Nürnberger 500-Jahres-Gedenkausstellung „Albrecht Dürer 1471–1971“, 355ff. (A. von Reitzenstein).Google Scholar
  7. 6.
    Guide Bleu: La Grèce 1962, 238; W. Rehm: Horologium. Pauly-Wissowa RE, 8. Bd., 1913, 2416ff. Der Athener „Turm der Winde“— seit L. B. Alberti möglicherweise dank Cyriacus von Ancona — in der Renaissance viel beachtet, verschiedentlich rekonstruiert (Filarete; wohl auch A. Dürers Dresdener Skizzenbuch hg. v. R. Bruck, Straßburg 1905, Tafel 144) und nachgeahmt, vorzugsweise in England: Cambridge „Gate of Honor“des Gonville and Caius College, Senathouse-Street (1558), oder nach sehr dankenswerter Mitteilung von Herrn Prof. Dr. J.-Chr. Klamt, Berlin, das Radcliffe Observatory in Oxford (1771); später das Humboldt-Schloß in Berlin-Tegel von Fr. Schinkel (1821–24).Google Scholar
  8. 7.
    Erinnernswert die minimale Kurvierung der Horizontalen des Parthenon: Schmalseiten 31 m lang, Ausbiegung 0,059–0,067 m, Längsseiten 70 m lang, Ausbiegung 0,107–0,109; G. Rodenwaldt: a.a.O., 28f., dazu ebenda: die Abweichung der Säulenachse von der Senkrechten (durch Einwärtsneigung) 7 cm, die Entasis 17 mm bei einer Säulenhöhe von 10,433 m.Google Scholar
  9. 8.
    H. Schrader: Phidias. Frankfurt 1924.Google Scholar
  10. 9.
    Ungewöhnliche Ausnahme: Am ionischen Apollotempel zu Naukratis (Ägypten um 566) hat W. B. Dinsmoor (a. a. O., 125f.) vermerkt: „the shaft has twenty-five shallow flutes“.Google Scholar
  11. 10.
    H. Brunn: Griechische Kunstgeschichte. Nachgelassene Theile hg. v. A. Flasch. 2. Buch: Die archaische Kunst. München 1897, 11, spricht im Zusammenhang „Der dorische Tempel“von „annähernd elliptischen Riefen“— möglicherweise in Anlehnung an Penrose „halfelliptic“, „false-elliptic“mit dem Vorschlag eines Konstruktionsverfahrens ähnlich Stuart und Revett (Zirkelschläge von drei Zentren aus). Der wichtigste Unterschied gegenüber einem Viertelkreis: steilerer An- und Auslauf der Kurve und entsprechend kräftigerer Tiefenschatten an den Graten.Google Scholar
  12. 11.
    Dagegen sind Außen- und Innensäulen in der Regel nicht typengleich; dorisch außen, ionisch innen seit Ceres-Apollotempel in Paestum; vgl. J. Charbonneaux, R. Martin, F. Villard: Grèce archaique. Paris (Gallimard) 1968, 210f.Google Scholar
  13. 12.
    Am Tempel der Athena-Nike (Athener Akropolis) liegt gegen die Regel in der Mitte ein Orat: irriger Wiederaufbau durch Ludwig Ross 1835 und wieder 1935–39 (in C. Hansens Stichwiedergabe von 1839, Rhys Carpenter: The Architects of the Parthenon. Penguin Books 1970, 87, Abb. 31 berichtigt), infolgedessen aus unseren Betrachtungen auszuscheiden. — In der Regel sind die Kannelüren am Säulenschaft in situ ausgearbeitet worden zwischen fertigen Kehlen an Sockel- und Kapitelltrommeln. Unausgeführte Kannelierungen u.a. in der Halle des Philon-Eleusis, 2. H., 4. Jh. (Kirsten-Kraiker: a. a. O., I, 194).Google Scholar
  14. 13.
    Die Verschiedenheiten der Grundrißverhältnisse, ob altertümlich gestreckt oder jüngerer Entstehung gemäß gedrungener, sind für unsere Betrachtung ohne Belang; gleiches gilt von Unregelmäßigkeiten der Interkolumnien (A. Springer-P. Wolters: Die Kunst des Altertums. 12. Aufl., Leipzig 1923, 147) wie von etwas elliptischen Querschnitten verstärkter Ecksäulen.Google Scholar
  15. 14.
    C. A. Doxiadis: Pauly-Wissowa RE. Suppl. VII, 1283ff.; dazu die grundlegenden Untersuchungen von H. Nissen 1869, F. C. Penrose und W. B. Dinsmoor, vgl. S. 10, Anm. 2; neuerdings G. Gruben: a.a.O. und Kirsten-Kraiker: a.a.O., ebenda über gewestete Anlagen, von Vitruv IV, 5, als Normalfall dargestellt — richtiger: kleinasiatische Besonderheit.Google Scholar
  16. 15.
    W. Sontheimer: Zeitrechnung. Pauly-Wissowa RE IX A, 2, 18. Halbband, Sp. 2377 berichtet über das Grab des Senmut (anhand von A. Pogo Isis XIV, 1930, 301ff., Tfl. 3ff.), wo drei mächtige Kreise in je 24 Sektoren geteilt u. mit Monatsnamen beschriftet sind, von Parker § 221 als „the twenty-four segments each an hour of the feast-Day“— „zweifellos aufzufassen als ὤϱαι καιϱικαὶ“-, „woraus mindestens schon um 1500 vorhandene Rechnung mit Gleichstunden zu erschließen d. h. mit 1/24 Volltag-Teilen… vom Handwerker vergessen oder keine Unterlage von Tempelastronomen vorhanden, in welchem Zahlenverhältnis in den einzelnen Monaten die Zahl der Nachtstunden abzuschattieren“. — Die Einteilung des Kreisumfangs in 360° überraschend spät, weder bei Euklid noch bei Eratosthenes, vielmehr erst bei Hypsikles belegbar (2. Jh.), M. Cantor: Geschichte der Mathematik. New York/Stuttgart 1965, I 360).Google Scholar
  17. 16.
    W. Pape: Griech.-Deutsches Handwörterbuch. 2. Ausg. Braunschweig 1974, II, 1388f. und 1071. — Das Ineinssehen von Winden, Windrichtungen und Uhrzeiten (Stunden), wie am „Turm der Winde“, wird auch beleuchtet durch J. Baltrusaitis: Cosmographie chrétienne dans l’Art du Moyen Âge. Paris 1939, 15ff., 27ff.Google Scholar
  18. 17.
    Charbonneaux, Martin, Villard: Grèce classique. Paris (Gallimard) 1969, 20; Die Viertelkreisbucht (oder Halbellipse) ist noch nicht ganz schattenlos, wenn die Sonne in einem Winkel von 45° auftrifft, die ausgebildete ionische Halbkreisfurche, wenn ihr Licht in einem Winkel bei 90° einfällt.Google Scholar
  19. 18.
    Bei dieser und der folgenden Darlegung stütze ich mich auf Text und Tabellen von L. M. Loske: Die Sonnenuhren. Kunstwerke der Zeitmessung und ihre Geheimnisse. 2. Aufl. Berlin/Heidelberg/New York 1970, 20–29.Google Scholar
  20. 19.
    Für diese Berechnungsweise ist mir eine verständnisvolle Beratung meines Berliner astronomischen Kollegen Herrn Prof. Dr. Fritz Hinderer hilfreich gewesen, deren ich dankbar gedenke.Google Scholar
  21. 20.
    Loske: a.a.O., 1f.Google Scholar
  22. 21.
    A. Springer-P. Wolters: Die Kunst des Altertums. Leipzig 1923, 152.Google Scholar
  23. 22.
    Penrose: a. a. O., 1888; vorher übereinstimmend H. Nissen: a. a. O., 1869: 257°7′.Google Scholar
  24. 23.
    Die links folgende Kannelüre wird durch Bruchstellen von der Beleuchtung erreicht.Google Scholar
  25. 24.
    S. Karouzou: National archaeological Museum. Collection of Sculpture. Athens 1968, 36, Nr. 4479 (late archaic and early classical).Google Scholar
  26. 25.
    Penrose: a. a. O., 1888, 8.Google Scholar
  27. 26.
    Im gleichen Rhythmus sehen wir alsbald das korinthische Kapitell mit der Doppelreihe seiner Akanthusblätter auf die vierundzwanzig Säulenkannelüren eingestimmt. Die acht schlankeren, hochstieligen Blätter ragen über den vier achsialen und den vier diagonalen Kehlen auf, die acht niedrigen, breiter auflagernden Blätter über den restlichen acht Kannelürenpaaren, je zwei Kehlen übergreifend. So findet das Auge, auch im Blick auf die Eck- u. Mittelvoluten zu oberst, sicheren Anhalt für die Hauptrichtungen in der Vielzahl der Furchen (Innenseiten der Tholos von Epidauros, vorgeschrittenes 4. Jh., in Athen das Olympieion 2. Jh.).Google Scholar
  28. 27.
    Der Schlagschatten der östlichen Mittelsäule tangiert eben noch die Basis der korrespondierenden westlichen Mittelsäule.Google Scholar
  29. 28.
    Die Stelle der sechsten, nördlichsten Säule nahm das wohlerhaltene Exemplar ein, das mit den „Elgin-Marbles“ins British Museum gelangt und dort sehr günstig zu studieren ist.Google Scholar
  30. 29.
    Über die Zuordnung von Parthenon und Erechtheion C. A. Doxiadis: Tempelorientierung in Pauly-Wissowa RE Suppl. VII, 1293; allgemein Ad. Michaelis: Der Parthenon. Leipzig 1870/71 und neuerdings Rhys Carpenter: The Architects of the Parthenon. Penguin Books 1970.Google Scholar
  31. 30.
    Nissen: Templum 1869: 12°53′; Penrose: Investigation 1888: 12°52′51″.Google Scholar
  32. 31.
    H. Schrade: Phidias. Frankfurt 1924.Google Scholar
  33. 32.
    Deshalb können Gegenüberstellungen wie bei G. Rodenwaldt: Akropolis 1930, Abb. 28 und 29, als entsprächen sie sich wie Auf- und Abstieg eines und desselben Giebels, u. U. irreführend wirken: in Wahrheit Abb. 28 aus dem West-, Abb. 29 aus dem Ostgiebel.Google Scholar
  34. 33.
    Dem Schlagschatten bei 10° ist ein Sonnenstand knapp 3° vor genauer Südsonne zu entnehmen.Google Scholar
  35. 34.
    Die Mittelkannelüren der Westfrontsäulen sind leicht auszumachen. Sie werden an der ersten und dritten Säule (von Norden gezählt) auf halber Höhe von je zwei Löchern in die Mitte genommen; sie mögen, wenn antik, zur Anheftung von Weihgeschenken gedient haben.Google Scholar
  36. 33.
    „Saisonstundenrechnung“: Pauly-Wissowa RE 18. Halbband, 2377.Google Scholar
  37. 36.
    A. Springer-P. Wolters: a.a.O., 147, gibt die griechische Giebelneigung generell mit 13° bis 14° an; meine Angabe beruht auf eigener Messung, am Hephaisteion rund 15°.Google Scholar
  38. 36a.
    Beachtenswerte Parallelerscheinungen hat Frau Prof. Dr. E. von Erdberg-Consten: Time and Space in Chinese Cosmography, Philippine Quarterly of Culture and Society 1973, 120ff., bekannt gemacht, für deren Mitteilung ich ihr dankbar verpflichtet bin.Google Scholar
  39. 37.
    Springer-Wolters: a.a.O., 148f.; G. Rodenwaldt: a.a.O., 28f.; G. Gruben: a.a.O., 168, 177ff., 308; Kirsten und Kraiker: a. a. O., I, 59ff. und 253. Die Arbeitsrechnungen für das Erechtheion aufgrund von A. F. Quast 1840 und Fr. Thiersch 1843 sowie J. M. Paton 1927.Google Scholar
  40. 38.
    M. Pohlenz: Der hellenische Mensch. Göttingen s. a. 171; M. Cantor: a. a. O., I, 136ff.; daß das Sternbild des „Kleinen Bären“(ἢφοινίκη, weil von Phönikiern zuerst beobachtet) den Griechen von Thales bewußt gemacht worden, hat Al. von Humboldt: Kosmos III. Stuttgart 1850, 160 vermerkt. M. P. Nilsson: Die Entstehung und religiöse Bedeutung des griechischen Kalenders. 2. Aufl., Lund 1962, 51.Google Scholar
  41. 39.
    In der nachfolgenden Diskussion erwähnte ich aufgrund von P. Dubois: Histoire de l’Horlogerie depuis son origine jusqu’à nos jours. Paris 1849, 17ff. die im 2. Buch der Könige Kap. 20, 9ff. verzeichnete „Sonnenuhr“(anno 742) und ältere (Moses) laut Josephus I 2.Google Scholar
  42. 40.
    M. Cantor: a. a. O., I, 153 und 174.Google Scholar
  43. 41.
    Ebenda: 201ff.Google Scholar
  44. 42.
    Pauly-Wissowa RE 8. Bd., 1913, 2416f. (W. Rehm) und 18. Halbband 2455ff. (W. Sontheimer).Google Scholar
  45. 43.
    M. Canton a. a. O., I, 264 und 288ff.Google Scholar
  46. 44.
    Er berechnete die Länge eines Grades immerhin auf 126 000 m, richtig: 110 802 m; M. Cantor: a. a. O., I, 328. Dazu Pohlenz: a. a. O., 175.Google Scholar
  47. 45.
    M. Cantor: a. a. O., I, 301ff. (einschließlich Kegelschnitte).Google Scholar
  48. 46.
    Herr Prof. Charasis, der Leiter des Athener Planetariums, erklärte mir bei lebhafter Anerkennung der Richtigkeit meiner Beobachtungen, die Zeitordnungen seien Sache der Priesterschaft gewesen, dies auch der Grund dafür, daß nichts davon in die Literatur eingegangen sei (8. Mai 1972). — In ähnlicher Richtung bewegten sich Überlegungen, die in der an den Vortrag anschließenden Diskussion von Herrn Prof. Dr. H. Lausberg, Münster, geäußert wurden: Das Fehlen literarischer Belege für geplante Sichtbarmachung von Zeitphasen an den Säulen würde sich erklären lassen, wenn „folkloristische Orientierungen“und „Zusammenhänge mit der Liturgie“dahinter gestanden hätten, sehr alte volkstümliche Überlieferungen, denen die Steinmetzen gefolgt wären: kultgeschichtliche Fragen, die zu bedenken sich lohnen könnte. Es gibt Unterschwelliges aus alter urtümlicher Tradition, ohne schriftlich bekannt gemacht zu werden — auch im Bereich der Literaturwissenschaft. Ähnliche Gedankengänge (kultische Bedingtheiten) wurden von Herrn Prof. Dr. U. Scheuner, Bonn, vorgetragen.Google Scholar
  49. 47.
    Dazu Hultsch: Pauly-Wissowa RE VII, 14. Halbband 1912, 1500ff.Google Scholar
  50. 48.
    Hierzu W. Sontheimer: Tageszeiten. Pauly-Wissowa RE IV A, 8. Halbband 1932, 2011ff.: Herodot IV, 181, Xenophon An. 1.8.1.Google Scholar
  51. 48a.
    Ferner M. P. Nilsson: Primitive Time Reckoning. Lund 1920, 11: „the day of 24 hours did not take place till later, for this unit as we employ it is abstract and numerical: the primitive intellect proceeds upon immediate perceptions and regards day and night separately“. Ebenda S. 37 Plinius Nat. hist. VII, 214. Siehe auch Nilsson, S. 363.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hans Kauffmann

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