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Zusammenfassung

Jahrelang machte man in der DDR allein überkommene oder von außen einwirkende Ursachen für die dortige Kriminalität verantwortlich. Aus der Annahme der Gesellschaftsbedingtheit, ja Gesellschaftsdeterminiertheit des individuellen Fehlverhaltens und dem Postulat, daß in der Sozialistischen Gesellschaft der DDR keine antagonistischen Widersprüche wirkten, folgerte die Strafrechtswissenschaft und Kriminologie der DDR, daß die vorkommenden Strafrechtsverletzungen nicht aus DDR-immanenten Gründen herrührten, sondern auf vor- oder außersozialistische Einflüsse zurückzuführen seien. So sollten Rechtsverletzungen bei Älteren aus Bewußtseinsrückständen aus bürgerlichen Zeiten resultieren, die aufgrund der gegenüber den „materiellen“ Verhältnissen verzögerten Entwicklung des Bewußtseins auch im Sozialismus noch wirkten, bei Jüngeren sollten aktuelle schädliche Einflüsse der „bürgerlichen und imperialistischen Ideologie des Westens“, die in die DDR hineinwirke, ursächlich sein. Die Entwicklung der Kriminalität schien diese These zunächst zu stützen, konnte doch die DDR mit der Festigung ihrer Staats- und Gesellschaftsordnung und der immer festeren Einbindung der Bürger in die umfassenden „gesellschaftlichen“ Strukturen die Kriminalitätsrate kontinuierlich senken, so daß sie Anfang der siebziger Jahre etwa ein Sechstel der der Bundesrepublik Deutschland betrug, wo eine stetige Steigerung zu verzeichnen ist. Mitte der siebziger Jahre hat sich jedoch auch in der DDR diese Tendenz gebrochen. Die Kriminalitätsrate schwankt und hat 1978 wieder die Höhe der Jahre 1970–1974 erreicht. Parallel zu dieser Entwicklung der Kriminalitätsrate werden dann auch in der Theorie nunmehr DDR-eigene Kriminalitätsgründe erörtert und es wird eingeräumt, daß im DDR-Gesellschaftssystem selbst angelegte Interessenwidersprüche, Mangelerscheinungen sowie fehlende Organisation und Ordnung kriminalitätsursächlich sein können.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag, Opladen 1979

Authors and Affiliations

  • Ulrich Lohmann

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