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Schlußbemerkung

  • Wolfgang Hinte
Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (STBS, volume 41)

Zusammenfassung

Will man auf breiter Basis selbstbestimmte Lernprozesse initiieren, halte ich drei Bereiche für wichtig:
  • den „padagogischen Alltag“ : trotz des Klimaumschwungs im Bildungsbereich (von Reformfreudigkeit zu Bürokratisierung, Vermassung und Reglementierung) müssen ständig innerhalb und außerhalb von Institutionen Basisprojekte mit Humanistischen Ansatzen erprobt werden, die nicht einer autoritaren Kontrolle von Trägerorganisationen ausgesetzt sind, sondern fachlicher Begleitung durch engagierte Wissenschaftler unterliegen und innerhalb von Institutionen Freiräume schaffen bzw. erweitern oder außerhalb von lnstitutionen alternative Modelle setzen, die langfristig auch attraktiv genug sind, von herkömmlichen Bildungseinrichtungen übernommen zu werden.

  • die Ausbildung künftiger Pädagogen: hier beschränkt man sich leider immer noch zum großen Teil darauf, die Studenten — fernab vom Alltag ihrer späteren Zielgruppen — mit Theorien, Hypothesen, Analysen, Statistiken und anderen als „wissenschaftlich“ definierten Inhalten zu füttern, Neben diesen vorgegebenen theoretischen Anforderungen wird das Klima an den Hochschulen geprägt durch einen universitären Massenbetrieb, der zur Vereinzelung beiträgt und keinerlei Engagement provoziert. Eine verstärkte Ausrichtung auf selbstbestimmte Gruppenarbeit (auch ohne Dozenten) könnte hier dazu beitragen, daß persönliche Erfahrungen mit freiem Lernen gemacht werden, die dann wiederum dem einzelnen Studenten ermöglichen, in anderen Feldern ein derartiges Klima zu schaffen.

  • die Haltung der Hochschullehrer: viele Hochschullehrer, ausgestattet mit dem Signum der Wissenschaftlichkeit und durch ihre Hochschulsozialisation der Praxis entfremdet, haben ihre Werte unter ihren Lehrstuhl gelegt und wehren sich in intellektueller Eingleisigkeit gegen Ansätze, die eine Umorientierung ihres Verhaltens fordern. Sie messen ihre eigene Qualifikation und die ihrer Kollegen an Titeln , Veröffentlichungen und Forschungsaufträgen und spielen gesellschaftlich folgenlose Prestigespielchen und ähneln dabei kleinen Kindern, die um Räppelchen und Förmchen kämpfen. Andere Hochschullehrer, die noch mit viel Einsatz für ihre Ansprüche eintreten, stehen angesichts geringer Solidarität und eminenten strukturellen Zwängen fast auf verlorenem Posten. Es wäre hilfreich, wenn die Hochschullehrer bereit wären, überkommene Elemente ihrer Position über Bord zu werfen und zu reflektieren, wie sich ihre eigene Sozialisation in ihrer Lehrtätigkeit und in sonstigen universitären Interaktionen niederschlägt, Vielleicht wären sie dann eher in der Lage, als gleichberechtigte Partner mit den Studenten zu lernen und ihre Fachkompetenz konstruktiv anzubieten anstatt zu „lehren“ und zu „erziehen“. Vielleicht würden sie dann auch ehrlichere, menschlichere Formen finden, miteinander umzugehen, und sich nicht in Profitschlachten, Statusrangeleien und Prestigekämpfen aufzureiben.

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Hinte

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