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Einleitung

  • Wolfgang Hinte
Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (STBS, volume 41)

Zusammenfassung

Das Geschäft mit der Erziehung floriert. Eine ganz Wissenschaftsrichtung lebt davon, ein stattlicher Apparat — genannt Erziehungsund Bildungssystem — erhält durch ihre Existenz seine Berechtigung; Lehrer, Sozialarbeiter und -pädagogen, Psychologen, also die ganze Garde der Lohnerzieher haben ihr mehr oder weniger gutes Auskommen durch ihre Erziehungstätigkeit, und letztendlich gäbe es auch dieses Buch nicht, wenn Erziehung nicht in aller Munde wäre. In ihrem Namen wird unzähligen Menschen eine Menge Dinge beigebracht: sei es nun Ordnung, Sauberkeit, Disziplin, Allgemeinwissen, Grundfertigkeiten, Emanzipation, Gehorsam, ja, einige Erzieher meinen sogar, man könne Menschen Selbständigkeit beibringen. Die schleichende Inflation der Erziehungsziele gedeiht, und ein Ende ist nicht abzusehen. Eine unüberschaubare Truppe sachverständiger Erziehungsfachleute bemüht sich eifrig um die möglichst reibungslose Weitergabe von allen möglichen Lerninhalten. Der Markt ist groß; was da ist, wird an den Mann gebracht. Die Leidtragenden sind in der Regel die Erzogenen. Waren es früher hauptsächlich Kinder, so ist man mittlerweile gar auf die Idee gekommen („lebenslanges Lernen“!), erwachsene Menschen unter die Knute von Lernzielen zu stellen, in denen sich wohlformulierte Inhalte ausdrücken, von denen irgendwelche Leute meinen, daß sie unbedingt noch gelernt werden müßten. Daß es legitim ist, Erziehungsziele ohne Einbeziehung der Betroffenen aufzustellen, wird kaum noch in Frage gestellt, man streitet sich lediglich darum, was nun verkauft werden soll und wie man es am besten an die Leute bringt.

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Hinte

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