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Reformprobleme der Länderparlamente

  • Herbert Schneider

Zusammenfassung

Die Probleme der Landtage sollen unter dem Begriff Parlamentsreform zusammengefaßt werden, der im folgenden sowohl den Gesamtprozeß der Artikulation und Strukturierung von Reformvorschlägen als auch die Vornahme einzelner Korrekturen umschließt.172 173 Sie stellt keine einmalige, sondern eine dauernde Aufgabe dar. Da Stellung und Funktion der Parlamente in westlichen Demokratien nicht so klar zu bestimmen sind wie die der Regierung, stehen erstere ständig vor der Notwendigkeit, ihr Selbstverständnis bei sich rasch verändernden Umweltbedingungen zu überdenken und aus dieser Überprüfung auch Konsequenzen für ihre Zusammensetzung und Mittelwahl zu ziehen. Dabei tut sich im allgemeinen die jeweilige Opposition besonders hervor, weil sie sich von Reformen eine Verbesserung ihrer in der Regel als noch unzureichend empfundenen Arbeitsbedingungen und Einwirkungsmöglichkeiten verspricht.174 In der Bundesrepublik war und ist der Bundestag Vorreiter von Parlamentsreformen. Von ihm sind die meisten Anstöße für die Veränderung der parlamentarischen Praxis in den Ländern, wie etwa die Einführung der „Abgeordnetenpension" oder die Einrichtung der „Aktuellen Stunde", ausgegangen.175 Doch wenn sich die Landtage hiervon lebendigere Debatten und größere Publizität erhofft hatten, so wurden sie enttäuscht.

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Anmerkungen

  1. 172.
    U. Thaysen: Parlamentsreform in Theorie und Praxis. Zur institutionellen Lernfähigkeit des parlamentarischen Regierungssystems. Eine empirische Analyse der Parlamentsreform im 5. Deutschen Bundestag, Opladen 1972, S. 18.Google Scholar
  2. 173.
    Als weitere allgemeine Darstellung der Parlamentsreform erscheint H. Klatt: Parlamentsreform in der Bundesrepublik, Opladen 1979. H. Klatt beschäftigt sich unter dem Titel „Die Länderparlamente wehren sich" in der im März 1979 herausgekommenen Nummer 1/1979 „Der Bürger im Staat" mit den Reformüberlegungen und Reformansätzen in den Landtagen.Google Scholar
  3. 174.
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    Auf Antrag der Landesregierung — Innenminister — beschloß der Landtag am 6. August 1947, daß der Oppositionsführer rückwirkend ab 1. Mai 1947 eine Dienstaufwandsentschädigung zu erhalten hat. Dieser Beschluß ist nicht im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht worden. Er wurde hinfällig mit dem am 16. Juni 1978 verabschiedeten neuen Abgeordnetengesetz, das eine Dienstaufwandsentschädigung für den Oppositionsführer nicht mehr vorsieht. Die landespolitischen Hintergründe stellt dar H. J. Varain: Parteien und Verbände. Eine Studie über ihren Aufbau, ihre Verflechtung und ihr Wirken in Schleswig-Holstein 1945–1958, Köln/Opladen 1964, S. 216.Google Scholar
  7. 178.
    Badische Verfassung, Art. 120 Abs. 3: „Stehen sie (die Parteien) in Opposition, so obliegt es ihnen, die Tätigkeit der Regierung und der an der Regierung beteiligten Parteien zu verfolgen und nötigenfalls Kritik zu üben. Ihre Kritik muß sachlich, fördernd und aufbauend sein. Sie müssen bereit sein, gegebenenfalls die Mitverantwortung in der Regierung zu übernehmen." Die Entstehungsgeschichte wird dargestellt in H. P. Schneider: Die parlamentarische Opposition im Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1, Frankfurt 1974, S. 183 ff.Google Scholar
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    Dazu H. U. Klose: Die Oppositionsklausel in der Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg, in: Gegenwartskunde 3/1971, S. 303 ff.Google Scholar
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    Dazu meint H. H. Kerr, daß der parteimäßige strukturierte Konflikt selbst im reinen parlamentarischen System nicht die häufigste Form der Auseinandersetzung darstelle. „Immer öfter erscheint parlamentarische Opposition auch dort unstrukturiert oder faßt gruppenmäßige Interessen zusammen, je nach der Natur der zur Debatte stehenden Fragen", ZParl 3/1977, S. 363.Google Scholar
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    196c Nach einer schriftlichen Auskunft des Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses hat dieser vom Selbstbefassungsrecht in der jetzt zu Ende gehenden 7. Legislaturperiode knapp dreißigmal (unter insgesamt 9000 Eingabevorgängen) Gebrauch gemacht (Schreiben v. 31. 1. 1979).Google Scholar
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  40. 209.
    Im folgenden lehne ich mich an meinen Beitrag an: Teüzeit- oder Vollzeitabgeordnete in den Landtagen? Ist das „Stuttgarter Modell" verallgemeine-rungsfähig?, in: ZParl 4/1978, S. 456–470.Google Scholar
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    H. Rudolph: Der Status der Landtage, in: FAZ, 26. Februar 1977.Google Scholar
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    H. Schneider: Der Landtag — Möglichkeiten und Grenzen des Länderparlamentarismus im politischen System der Bundesrepublik, in: H. Bausinger/Th. Eschenburg u. a.: Baden-Württemberg—Eine politische Landeskunde, Stuttgart 1975, S. 82–105.Google Scholar
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    Eine solche Auffassung vertritt A. Katz in seiner wegweisenden Untersuchung „Politische Verwaltungsführung in den Bundesländern — dargestellt am Beispiel der Landesregierung Baden-Württembergs", Berlin 1975, S. 282.Google Scholar
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    FAZ, 21. Juli 1977: „Das Landtagsmandat kein Fulltime-Job". Mit ihr berichteten auch die „Rheinzeitung", „Allgemeine Zeitung", „Rheinpfalz" und „Frankfurter Rundschau" über den Mainzer Landtagsabgeordneten und DGB-Landesvorsitzenden Julius Lehlbach, der den zeitlichen Anteil der Abgeordnetentätigkeit an seiner Gesamtarbeitszeit mit nur 20 Prozent beziffert hatte.Google Scholar
  47. 216.
    Auf den Zusammenhang zwischen der Größe eines Bundeslandes und der Professionalisierung der Abgeordnetentätigkeit machte M. Hereth bei einer von der Vereinigung für Parlamentsfragen und der Bremischen Bürgerschaft veranstalteten Gesprächstagung „Landesparlamentarier — Amateure oder Profis?" aufmerksam, s. auch ZParl 3/1974, S. 303.Google Scholar
  48. 217.
    Der Präsident des Bayerischen Landtags sprach von einer 7-Tage-Woche mit 70–80 Arbeitsstunden. Zu einem ganz anderen Ergebnis gelangte hingegenGoogle Scholar
  49. der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Stoltz, wenn er für sich -allerdings ohne Wahlkreisverpflichtungen — 100 bis 110 parlamentarische Arbeitstage jährlich ausrechnet.Google Scholar
  50. 218.
    Es besteht hier vermutlich ein noch zu untersuchender Zusammenhang zwischen Wahl verfahren bzw. Wahlkreiseinteilung und Wahlkreisbeanspruchung.Google Scholar
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    H.G. Hüsch/H. Locher: Gewählt. Sieben Tage aus dem Leben eines Abgeordneten, Düsseldorf 1973.Google Scholar
  52. 219a.
    219a K. Warnecke: Eine Landtagsreform ist nötig. Leserzuschrift in der FAZ, 9. September 1977.Google Scholar
  53. 220.
    Erst kurz vor Abschluß dieses Buches stieß ich auf die noch als Ausnahme zu betrachtende Untersuchung von H. J. Dürr „Soziale Strukturen des Bayerischen Landtags" in R.L. Bocklet (Hrsg.): Das Regierungssystem des Freistaates Bayern, München 1977, S. 211–391. Darin beschäftigt sich Dürr u.a. mit folgenden Fragen: Altersstruktur, Verweildauer, innerparteiliche Karriere, berufliche Herkunft, Abkömmlichkeit, Schul- und Berufsausbildung der Abgeordneten. Er gelangt dabei u. a. zu dem Ergebnis, daß die endgültige Selektion zum Berufspolitiker erst während der Parlamentszugehörigkeit stattfindet (S. 240).Google Scholar
  54. 221.
    Die Herausbildung unterschiedlicher Laufbahnmuster hat Gerold Watson für Niedersachsen nachgewiesen: G.G. Watson: Ambition and Opportunity in West German State Politics: The Case of Lower Saxony, in R. Wildenmann (Hrsg.): Sozialwissenschaftliches Jahrbuch für Politik, Bd. 3, München/Wien 1972, S. 367–391.Google Scholar
  55. 221a.
    Die gleiche Erscheinung stellte Hans Jörg Dürr auch in Bayern fest. So waren von den 86 bayerischen Mitgliedern des 7. Bundestages (1972–1976) nur 12 vorher Landtagsabgeordnete. Das Landtagsmandat kann daher in der Regel nicht als Zwischenstufe zum Bundestagsmandat betrachtet werden. H. J. Dürr: Soziale Strukturen des Bayerischen Landtags, in: R.L. Bocklet (Hrsg.): Das Regierungssystem des Freistaates Bayern, München 1977, S. 242.Google Scholar
  56. 222.
    D. Herzog: Partei- und Parlamentskarrieren im Spiegel der Zahlen für die Bundesrepublik Deutschland, in: ZParl 1/1976, S. 25 ff.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1979

Authors and Affiliations

  • Herbert Schneider

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