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Der andere „Michael Kohlhaas“ und der „Kleine Krieg“

  • Frank Haase
Chapter

Zusammenfassung

Den Glauben, den Kleist um 1800 noch an die Post und an die Treue, Pünkt lichkeit und Sicherheit des kaiserlichen Briefträgers hatte (1), wurde in wenigen Jahren zerstört. Beredtes Zeugnis seiner wachsenden Skepsis gegenüber den postalischen Einrichtungen ist jener schon erwähnte Brief an Marie von Kleist vom 2o. Juli 1805 aus Königsberg, wo sich Kleist seit dem 6.5. „als Diätar an der Domänenkammer unter Präsident von Auerswald“ (2) befand:

„...Was sind dies für Anstalten, meine Freundin, für Handel und Wandel, und für die Freundschafft! Zuletzt sind die Posten an allem Unheil Schuld, Schuld, wenn es war ist, was die Leute sagen, daß Treu und Glauben von der Welt verschwinden ...“ (3)

In der im selben Jahr in Königsberg begonnenen „Kohlhaas“-Novelle erinnert sich der Roßhändler eingangs in seinem Gespräch mit dem Zollwärter der alten Zeiten, da noch kein Schlagbaum die Heerstraße nach Leipzig unterbrochen hatte: „Ein würdiger alter Herr, der seine Freude am Verkehr der Menschen hatte, Handel und Wandel, wo er nur mochte, forthalf ...“ (4). Nun sind an die Stelle jenes „würdigen alten Herrn“ die neuen Herrscher der Tronkenburg getreten und aufgrund eines „landesherrlichen Privilegiums“ sind sie legitimiert, Wegzölle zu erheben. Auch wenn Kohlhaas dies bedauert, bezahlt er, wenn auch widerwillig, die Groschen, die der Zöllner von ihm verlangt. Zunächst scheint sich die Situation nur auf seinen Geldbeutel nachteilig auszuwirken. Doch, wie der Roßhändler den Schlagbaum passieren will, schreit der Schloßvogt vom Turm herab „Halt, halt, dort der Roßkamm!“ (5), eilt zu ihm hinunter und fordert einen „Paßschein“: „Der Schloßvogt, indem er ihn von der Seite ansah, versetzt, daß ohne einen landesherrlichen Erlaubnisschein kein Roßkamm mit Pferden über die Grenze gelassen werden würde“ (6).

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1986

Authors and Affiliations

  • Frank Haase

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