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Politische Krisen und Entwicklungsprobleme

Ein Projektbericht und weiterführende Überlegungen
  • Volker Rittberger
Part of the Uni-Taschenbücher book series (UT23, volume 189)

Zusammenfassung

Krisenforschung, wie wir sie im folgenden verstehen wollen, befaßt sich immer mit einem besonderen Aspekt soziopolitischen Wandels. Mit anderen Worten, ≫Krise≪ bezeichnet immer eine Konstellation, in der bestimmte politische Beziehungsmuster real, d. h. von einem als Gegenmacht organisierten Teil der Massen oder von politisch diskriminierten gesellschaftlichen Eliten, nicht nur als veränderungswürdig, sondern auch als veränderbar angesehen werden und in der von solchen sozialen Kollektiven eine auf Veränderung abzielende Aktionsbereitschaft ausgeht. Diesem Ansatz folgend, Krise als Situationselement im Rahmen von Prozessen politischen Wandels zu analysieren, wollen wir zunädist den Objektbereich politologischer Krisenforschung noch etwas differenzieren. An anderer Stelle schlugen wir bereits vor, drei Aspekte gesamtgesellschaftlicher politischer Organisation zum Zwecke der Analyse politischen Wandels auseinanderzuhalten:
  1. (1)

    die Integrationsebene;

     
  2. (2)

    die Herrschaftsstruktur;

     
  3. (3)

    die Performanz herrschender Eliten1.

     

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Volker Rittberger, „Über sozialwissenschaftliche Theorien der Revolution“, in: Politische Vierteljahresschrift Bd. XII, No. 4 (1971).Google Scholar
  2. 2.
    Die Arbeiten Gabriel Almonds seit der Mitte der fünfziger Jahre liegen nunmehr in einem Sammelband vor: Political Development, Boston 1970. Vgl. auch Gabriel A. Almond und G, Bingham Powell, Comparative Politics, Boston 1966.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Karl W. Deutsch, „Social Mobilization and Political Development“ in: American Political Science Review Bd. LV, No. 3 (1961); Daniel Lerner, The Passing of Traditional Society, Glencoe 1958 sowie neuestens vom selben Verf., „Modernization: Social Aspects“, in David L, Sills (Hg.): International Encyclopedia of Social Sciences, Bd. X, New York 1968; Seymour Martin Lipset, Political Man, Garden City 1960, bes. Kap. 2.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. z. B. die Bemerkungen von Wolf-Dieter Narr, „Logik der Politikwissenschaft“, in Gisela Kress und Dieter Senghaas (Hg.): Politikwissenschaft, Frankfurt 1969, S. 19.Google Scholar
  5. 5.
    Barrington Moore, Jr., Social Origins of Dictatorship and Democracy, Boston 1966.Google Scholar
  6. 6.
    Karl De Schweinitz, Industrialization and Democracy, Glencoe 1964.Google Scholar
  7. 7.
    Folgende Einzelfallstudien wurden von den Teilnehmern des Stanford Projektes angefertigt: — G. Bingham Powell, Incremental Democratization: The British Reform Act of 1832; — Dennis A. Kavanagh, Crisis Management in British Politics: The Formation of the National Government of 1931; — Robert J. Mundt, The Republic Which Divides us Least: The French Crisis of 1870–1875; — Volker Rittberger, Revolution and Pseudo-Democratization: The Formation of the Weimar Republic; — Wayne A. Cornelius, Jr., Nation-Building, Participation, and Distribution: The Politics of Social Reform under Cárdenas; — James W. White, State Building and Modernization: The Meiji Restoration; — Thomas E. Headrick and Rajni Kothari, Crisis and Continuity: India in the Mid-1960s. Diese Fallstudien, zwei weitere Beiträge zur theoretischen Grundlegung und Methode sowie eine vergleichende Zusammenfassung der Fallstudien erscheinen in Gabriel A. Almond et al. (Hg.): Crisis, Choice and Change, Boston 1972. Ebenfalls im Rahmen dieses Projektes entstanden ist die Ph. D. Dissertation von Scott C. Flanagan: Crisis in the Political Development of Modern Japan — 1890–1945, Stanford 1971.Google Scholar
  8. 8.
    Die in Anm. 7 aufgeführten Studien sind nicht die einzigen empirischen Arbeiten, die von den Projektteilnehmern unternommen wurden. Untersuchungen über eine Reihe anderer historischer politischer Krisensituationen, wie z. B. über die Russische Revolution, die Tschechoslowakische Krise von 1968, die Reformära in Preußen 1807–1821, etc., wurden begonnen, konnten aber wegen verschiedener Umstände nicht zu Ende geführt werden.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. z. B. Bundesminister Prof. Dr. Horst Ehmke in einem Aufsatz zu dieser Frage: „Politische Planung im Regierungsbereich soll helfen, wichtige, auf uns zukommende Probleme so rechtzeitig zu erkennen, daß sie angepackt werden können, bevor Krisenerscheinungen eintreten und wir dann auf Krisenmanagement beschränkt sind …“. Die Zeit Nr. 50 v. 10. 12. 1971, S. 48.Google Scholar
  10. 10.
    Zu Problemen der staatlich geplanten Reformpolitik vgl. jetzt Volker Ronge und Günter Schmieg (Hg.): Politische Planung in Theorie und Praxis, München 1971, bes. die Einleitung und Kap. VIII sowie Frieder Naschold, „Gesellschaftsreform und politische Planung“, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft Bd. I, No. 1 (1972).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag Opladen 1973

Authors and Affiliations

  • Volker Rittberger
    • 1
  1. 1.Frankfurt/M.Deutschland

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