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Zusammenfassung

Der Analogiewert des Konvergenzphänomens — Die Anwendung des Begriffs „Konvergenz“ (= Annäherung) in der Mathematik, Optik, Ethnologie, Medizin, Meereskunde und Biologie hat einen genau definierten Stellenwert. In den 50er Jahren wurde der in der Biologie angewandte Konvergenzbegriff auf die Gesellschaft analog angewandt. Die Biologie erfaßt mit dem Konvergenzbegriff das Phänomen, daß genetisch entfernte Lebewesen unter gleichen ökologischen Bedingungen „konvergente“ Organe ausbilden, die gleichen Funktionsabläufen genügen. So z.B. Stridulationsorgane zur Kommunikation, deren Aufbau „angenähert“ ist, d.h. unterschiedliche Insekten haben durch die gleiche Umwelt gleiche Funktionsabläufe und Strukturen dieser Organe herausgebildet. Der Erklärungszusammenhang von divergenter Systematik, gleicher Umwelt, gleicher Zielsetzung, gleicher Funktionalität und gleicher Struktur erwies sich für die Analyse des Schicksals politisch divergenter Industriegesellschaften als äußerst brauchbar, da auch hier von gleicher Umwelt, Zielsetzung und Funktionalität ausgegangen wurde. Als gleiche Umwelt der divergenten politischen Systeme von Ost und West wurde die Evolution der Industriegesellschaft unterstellt, die ganz bestimmt Funktionsabläufe und Strukturen erzwinge, so daß sich die kapitalistischen und sozialistischen Industrieländer zu einem einheitlichen Gesellschaftstyp umwandeln würde. Dabei stand die politische Absicht im Vordergrund, diesen Wandel durch einen engen Kontakt (Wandel durch Annäherung) zu fördern. Mit der Konvergenzstrategie wurde die Phase des → Kalten Krieges beendet und in eine offensive konzeptionelle Strategie zur Begegnung der ideologischen Herausforderung des Kommunismus übergeleitet. So wurde aus der Analogie ein politischer Kampfbegriff.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1977

Authors and Affiliations

  • Ludwig Bress

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