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Aggression

  • Werner Pfeifenberger

Zusammenfassung

Der Terminus Aggression ist ein verhältnismäßig junger Begriff der völkerrechtlichen und internationalpolitischen Geschichte. Die dahinterstehende Kriegsproblematik beschäftigt hingegen Politiker und Gelehrte seit dem frühen Altertum, wobei sie im wesentlichen drei widersprüchliche Antworten zu geben vermochten: 1) die grundsätzliche rechtliche Zulässigkeit eines Angriffskrieges, wenn dieser politisch angebracht erscheint, mag er ethisch als Übel oder als Tugend empfunden werden, 2) die Zulässigkeit eines Angriffskrieges nur, wenn dieser „gerecht“ ist, wobei der Inhalt der Gerechtigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich interpretiert wurde, 3) die grundsätzliche Unzulässigkeit jedes Angriffskrieges. Die erstgenannte Auffassung ist in ihren Übel-Tugend-Variationen die historisch älteste. Griechenland betrachtete den „ πολεμος “ beispielsweise nicht nur als dem menschlichen Wesen immanent (Herakleitos), sondern, sofern er gegen Barbaren stattfand, sogar als löbliche Jagd wie gegen Tiere (Aristoteles). Rom unterschied dagegen bereits bellum iustum und bellum iniustum und erklärte dieses für unstatthaft, jenes aber zum gottgefälligen Krieg (bellum pium). Gerecht war ein Angriffskrieg gegen eine fremde Nation, wenn diese ihre Pflichten gegenüber Rom verletzt hatte, worüber ein besonderes Priesterkolleg (collegium fetiale) nicht etwa nach völkerrechtlichen, sondern nach innerstaatlichen, hauptsächlich religiösen, Gesichtspunkten entschied. Damit waren sowohl Elemente der späteren westchristlichen bellum iustum-Lehre als auch solche des heiligen Krieges, wie er seine Blüte im Islam fand, in Ansätzen bereits angesprochen.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1977

Authors and Affiliations

  • Werner Pfeifenberger

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