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Zur Komplexität sozialwissenschaftlicher Erfahrungsobjekte

  • Peter Derschka
  • Adolf Stöber
Chapter
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Part of the Studienbücher zur Sozialwissenschaft book series (STBS, volume 37)

Zusammenfassung

Ohne Befriedigung des Informationsbedürfnisses ist der Mensch nicht lebensfähig. Wie das Informationsbedürfnis befriedigt wird, hängt von der Intelligenz, der Motivationsstruktur, von Einstellungen und Haltungen ab. Daher bietet jede Kultur ihren Mitgliedern Systeme an, die Informationsbedürfnisse befriedigen: Ideologien, Religionen, Wissenschaften, Kunst, Politik, Recht und Wirtschaft. Mit Hilfe dieser Informationssysteme strukturiert der Mensch seine soziale Umwelt und bestimmt seinen Ort in der gesellschaftlichen Ordnung. Die Informationsübertragung von diesen Systemen auf die handelnden Individuen ist zumeist unvollständig. Unvollständig vor allem deshalb, weil bei Wahrnehmungen Teile jeder ausgesendeten Information verlorengehen.

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Literatur

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    In einem ähnlichen Gedankengang bewegt sich A. Schütz im Rückgriff auf G. H. Mead. Vgl. A. Schütz, Gesammelte Aufsätze, Bd. 1, Das Problem der sozialen Wirklichkeit, Den Haag 1971, S. 17 ff.Google Scholar
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    Auf dem Reichsparteitag der NSDAP 1927 in Nürnberg führt er aus: „Braunhemden, nun lichtet die Stirnen und geht aufrecht und stolz durch die Straßen dieser Stadt. Zeigt, daß ihr euch mehr dünkt als die anderen. Heute schaut ganz Deutschland auf euch. Heute bist du nicht der Schreiber und du nicht der Prolet, du nicht der Bauernknecht und du nicht kleiner Beamter. Heute seid ihr alle mehr: Ihr seid die letzten Deutschen, die nie verzweifelten. Ihr seid die Träger der Zukunft, die Gewährsmänner, daß Deutschland nicht zum Untergang, sondern zur Freiheit bestimmt ist. Ihr seid heute schon Symbol einer neuen Glaubensstärke für Hunderttausende und Millionen. Wenn ihr nicht wäret, dann müßten wir alle verzweifeln!” (in: Goebbels, Der Angriff — Aufsätze aus der Kampfzeit, a. a. O., S.249)Google Scholar
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    Die Ethikdebatte in der Sozialwissenschaft wurde besonders als Reaktion auf das Projekt „Camelot” aktuell, das neben einer Typologie gesellschaftlicher Systeme das „Bürgerkriegspotential” in lateinamerikanischen Ländern ermitteln sollte, um die antirevolutionären Aktivitäten der US-Armee zu unterstützen (vgl. hierzu: J. L. Horowitz (ed.), The Rise and Fall of Project Camelot: Studies in the Relationship between Social Science and Practical Politics, Cambridge, Mass. 1967)Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1978

Authors and Affiliations

  • Peter Derschka
  • Adolf Stöber

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