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Fachhochschule und Universität — Erfolgreiche Integration?

  • Gerhard Rimbach

Zusammenfassung

Vermutlich ist der Verfasser des folgenden Beitrags in dieser selbstkritischen Zwischenbilanz der einzige, der aus einer Ingenieur- über die Fachhochschule in eine Gesamthochschule gelangte. Aufgrund seiner Erfahrungen wird er deshalb den Angehörigen dieser Vorgängereinrichtung in seiner Zwischenbilanz besondere Aufmerksamkeit zuwenden und den Lehramtsbereich ausklammern. Da der Anspruch dem internationalen wissenschaftlichen Leistungsstandard in Forschung und Lehre zu erreichen, nie für die Gesamthochschulen zur Debatte stand, erscheint es auch von daher interessanter, sich auf Verlauf und Ergebnis der Integration der Fachhochschule in die Gesamthochschule zu konzentrieren. Die subjektiven/ durch Mitarbeit am Aufbau einer integrierten Gesamthochschule (Siegen) gewonnenen Einsichten bilden den begrenzten Erfahrungshorizont, Da allgemeingültige wissenschaftliche Analysen über Erreichtes und Verfehltes, Anspruch und Realität nur punktuell vorhanden sind, werden hoffentlich auch auf diese subjektive Weise einige wesentliche Trends und Tendenzen — gewiß skizzenhaft und grobgerastert — sichtbar.

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Anmerkungen

  1. (1).
    von Rotenhan, Eleonore: Krise und Chance der Fachhochschule, München 1980, S. 60Google Scholar
  2. (2).
    Die Dozenten waren Angehörige des Höheren Dienstes mit Amtsbezeichnungen, die z.B. an den Ingenieurschulen Baurat, Oberbaurat, Baudirektor oder Oberbaudirektor lauteten.Google Scholar
  3. (3).
    Bekanntlich wurden aus den Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen einer Region am 1.8.1971 im Lande Nordrhein-Westfalen 15 Fachhochschulen als Körperschaften des öffentlichen Rechts errichtet, davon jeweils eine an den 5 Standorten Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal, aus denen durch Zusammenschluß mit Abteilungen Pädagogischer Hochschulen ein Jahr später integrierte Gesamthochschulen entstanden, wobei in Essen die Abteilung für Theoretische und Praktische Medizin als universitäre Einrichtung hinzukam.Google Scholar
  4. (4).
    In den Jahren 1980 – 1982 wurden die Fachhochschullehrer gem. § 122 f. WissHG zu beamteten Professoren übernommen mit der Aufgabe, ihr Fach in anwendungsbezogener Lehre und Forschung entsprechend ihrer Qualifikation gem. § 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchstabe b WissHG angemessen zu vertreten. Daher die Bezeichnung b-Professor.Google Scholar
  5. (5).
    Gemäß § 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchstabe a WissHG haben a-Professoren als Einstellungsvoraussetzung außer den üblichen, zusätzliche wissenschaftliche Leistungen durch eine Habilitation oder durch gleichwertige wissenschaftliche Leistungen nachzuweisen, während b-Professoren besondere Leistungen bei der Anwendung und Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden durch eine fünfjährige berufspraktische Tätigkeit erwerben müssen.Google Scholar
  6. (6).
    Daneben gab es noch den aus den ehemaligen Pädagogischen Hochschulen übernommenen Lehramtsbereich, der um die Sekundarstufe II erweitert und gleichzeitig nach dem Stufenlehrerkonzept umgestaltet werden sollte und außerdem den sog, FH-Bereich, d,h, weiterzuführende Fachhochschulstudiengänge.Google Scholar
  7. (7).
    Im Juli 1968 beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder die Errichtung von Fachhochschulen mit FH-Reife als Eingangsvoraussetzung, Übergangsmöglichkeiten innerhalb des Tertiären Bereichs und Beteiligung von Dozenten und Studenten an den Entscheidungen. Das Abkommen zur Ergänzung des “Hamburger Abkommens zur Vereinheitlichung auf dem Gebiete des Schulwesens vom 28.10.1964” wurde am 31.10.1968 unterzeichnet.Google Scholar
  8. (8).
    Eine im Jahre 1974 unter den in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen lehrenden Fachhochschullehrern an den fünf Gesamthochschulen durchgeführte Befragung ergab, daß sich 21,9% für die Ingenieurschule entschieden. Vgl. Verfasser: Zum begrifflichen Selbstverständnis der Fachhochschullehrer an den Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen (II), in: DUZ/HD Nr. 24/1974, S. 1032.Google Scholar
  9. (9).
    Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Struktur und zum Ausbau des Bildungswesens im Hochschulbereich nach 1970, 3 Bde.,Bonn 1970. Im Band 1 findet sich auf S. 25 der Kernsatz: “Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung, daß die inhaltlich differenzierte, aber organisatorisch integrierte Gesamthochschule die Organisationsform darstellt, die in Zukunft den zu erwartenden Anforderungen gerecht zu werden vermag.” Warum sich die politischen Kräfte, die diesen Anspruch zu realisieren versuchten, nicht durchsetzen konnten, ist bis heute kaum diskutiert worden. Der Meinungsumschwung gegenüber der damaligen Überzeugung bleibt weitgehend tabuisiert.Google Scholar
  10. (10).
    An der FH München waren nach dem Stand vom 1.10. 1979 nur 38,5% der Professoren promoviert, während die übrigen 61,5% nicht promoviert waren. Vgl. von Rotenhan, E., ebenda, S. 57.Google Scholar
  11. (11).
    Unter den 190 b-Professoren der UGH Siegen sind im Jahre 1982 105, d.h. 55,3% promoviert. In den Fachbereichen mit integrierten Studiengängen beträgt ihr Anteil sogar 67,4%.Google Scholar
  12. (12).
    b-Professoren, die überwiegend in wissenschaftlichen Studiengängen tätig sind, haben ein Lehrdeputat von 12 SWS, während in FH-Studiengängen 18 SWS zu leisten sind. Hinzu kommt noch die um etwa sechs Wochen im Jahr längere Vorlesungszeit. Andererseits sind die Anforderungen in wissenschaftlichen Studiengängen höher und die Prüfungen liegen in der vorlesungsfreien Zeit.Google Scholar
  13. (13).
    Verfasser, ebenda, S. 1031.Google Scholar
  14. (14).
    Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gehört es seit Inkrafttreten des Fachhochschulgesetzes am 1.1.1980 in NW zu den Aufgaben der Fachhochschule, Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wahrzunehmen, die zur wissenschaftlichen Grundlegung und Weiterentwicklung von Lehre und Studium erforderlich sind. Vgl. § 3 Abs. 1 Satz 2 FHG. Gem. § 48 Abs. 3 WissHG sind alle Professoren nach Maßgabe und Ausgestaltung ihres Dienstverhältnisses berechtigt und verpflichtet, in dem von ihnen vertretenen Fach zu forschen. Für den b-Prof. an Gesamthochschulen bedeutet das, anwendungsbezogen zu forschen.Google Scholar
  15. (15).
    Ullrich Kill als Sprecher der Absolventen der Ingenieurschule für Maschinenwesen Siegen am Ende des WS 1967/68.Google Scholar
  16. (16).
    Vgl. z.B. Verordnung zur Regelung der Diplomprüfung (Allgemeine Diplomprüfungsordnung — ADPO) für die Studiengänge der Fachrichtung Ingenieurwesen an Fachhochschulen und für entsprechende Studiengänge an Universitäten — Gesamthochschulen — im Lande NW vom 25.6.1982, GV. NW. 39 vom 30. Juli 1982, S. 351 ff.Google Scholar
  17. (17).
    Vgl. Runderlaß des Ministers für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 21. Dezember 1972 - II B 1. 50–07/11/1 Nr. 2896 - an die Gesamthochschulen Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal, in: Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen, 6.A. Düsseldorf, August 1979, S. 188 ff. Dieser Erlaß ist bis heute grundlegend für die Einführung neuer Studiengänge an den Gesamthochschulen, wenn er auch in einigen Punkten inzwischen modifiziert wurde.Google Scholar
  18. (18).
    Die Ausnahme bildet der FH-Studiengang Chemie in Essen. Die Dozenten der Fächer Mathematik, Physik und Chemie hatten im übrigen Servicefunktionen, die sie weitgehend auch beibehielten.Google Scholar
  19. (19).
    In § 10 des Gesetzes über die Errichtung und Entwicklung von Gesamthochschulen im Lande Nordrhein-Westfalen (GHEG) — SGV. NW. 223 — vom 30. Mai 1972 war die Zugehörigkeit zur Hochschullehrergruppe definiert, wobei allerdings der Zusatz, daß dies nur bis zur Neuordnung der Personalstruktur gelte, wesentlich ist und zu einer gewissen Unruhe unter den Fachhochschullehrern führte, die sich durch das BVerfG-Urteil vom 29. Mai 1973 zum Vorschaltgesetz für ein niedersächsisches Gesamthochschulgesetz vom 26. Oktober 1971 noch verstärkte, weil es Zweifel an ihrem Hochschullehrerstatus aufkommen ließ, der endgültig erst durch das am 1.1.1980 in Kraft getretene WissHG beseitigt wurde. Allerdings ist noch eine von ursprünglich 141 a-Prof. an Gesamthochschulen unterstützte Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig, in der die korporationsrechtliche Zuordnung der a- und b-Professoren zu einer Gruppe für verfassungswidrig erachtet wird.Google Scholar
  20. (20).
    Diese Lösung (Siegener Modell) wurde inzwischen durch den Gesetzgeber festgeschrieben. Vgl. § 86 Abs. 2 WissHG. Vgl. Woll, Artur: Zur Integration von beamteten Professoren und Fachhochschullehrern, in: DUZ/HD Jg. 1976, S. 5 f. Dieses Kooperationsmodell hat allerdings zu zahlreichen Auseinandersetzungen über die Zusammensetzung und den Einsatz der Professorengruppen geführt, die Mitte der 70er Jahre in Pressefehden und einer Verwaltungsgerichtsklage ihren Niederschlag fanden.Google Scholar
  21. (21).
    Vgl. Klüver, Jürgen/Krameyer, Astrid: Evaluation integrierter Studiengänge an der Gesamthochschule Essen, Essen, Dezember 1981. Vorher kam Hitpass in seinen drei Berichten: Gesamthochschule in der Bewährungskontrolle, Köln, Januar 1978, Januar 1979 und Januar 1980 zum gleichen Ergebnis, nämlich, daß Brückenkurse “eher zu nichts führen”. Zwischenbericht 1980, S. 43 ff.Google Scholar
  22. (22).
    Erlaß des MWF an die Universitäten — Gesamthochschulen — des Landes NW — III B1 — vom 26.7.1982.Google Scholar
  23. (23).
    Während bis vor kurzem das Diplom I eine abweichende Bezeichnung aufwies (z.B. Diplom-Elektroingenieur), hat der Minister für Wissenschaft und Forschung für die Ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen integrierten Studiengänge am 16. Februar 1982 — IB 2–7545/8061 — die Diplomgrade vereinheitlicht, während sie in den Naturwissenschaften unterschiedlich blieben (Diplomphysiker und Diplom-Physikingenieur sowie Diplom-Chemiker und Diplom-Laborchemiker). Die Zahl der Studenten in diesen Studiengängen ist insgesamt wesentlich geringer als in der ersten Gruppe und auch hinsichtlich des prozentualen Anteils der HS I-Absolventen niedriger.Google Scholar
  24. (24).
    Nach den von den Gesamthochschulen veröffentlichten Daten stammen zwischen 60 und 70% der Studenten aus den Naheinzugsbereich.Google Scholar
  25. (25).
    Nach einer allerdings nur an einem Studiengang durchgeführten Untersuchung des Verfassers: Studienreform als Prozeß, Siegen, im März 1980, S. 83 fanden 59,4% der Absolventen des integrierten Studiengangs Maschinenbau der UGH Siegen ihren ersten Arbeitsplatz im Umkreis von 50 km. Im Durchschnitt dürfte der Anteil geringer sein.Google Scholar
  26. (26).
    An der UGH Siegen sind 22% der Väter Arbeiter und an der UGH Duisburg 25%. Quellen: Woll, Artur (Hrsg.): Anspruch und Realität, Siegen 1980, S. 22 und Universität Duisburg Gesamthochschule: Studentenstatistik SS 1982, S. 17. Nach V.Rotenhan, E., ebenda, S. 39 betrug deren Anteil 1976 für Fachhochschulen 28%, an Universitäten 13%. Da der Arbeiterkinderanteil in den letzten Jahren rückläufig ist, dürfte dieser an Gesamthochschulen und Fachhochschulen etwa gleich sein.Google Scholar
  27. (27).
    Vgl. Eckstein, Brigitte: Hochschuldidaktik und gesamtgesellschaftliche Konflikte, Frankfurt a.M. 1972, S. 37 f.Google Scholar
  28. (28).
    Vgl. § 29 Abs. 2 des GHEG. Danach war als Endtermin für die Errichtung der Gesamthochschulen der 31.7.1977 gesetzt.Google Scholar
  29. (29).
    Vgl. u.a. Verein Deutscher Ingenieure: VDI report, Einkommen der Ingenieure in Deutschland, VDI-Analyse 1980, Düsseldorf o.J., insbesondere S. 9, 14 und 22 ff. Danach haben z.B. die Diplomingenieure höheren Alters gegenüber graduierten Ing. im Mittel einen Gehaltsvorteil von monatl. 1.500,-DM.Google Scholar
  30. (30).
    V. Rotenhan, E., ebenda, S. 149.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1983

Authors and Affiliations

  • Gerhard Rimbach

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