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Eine Theorie der Revolution

  • James C. Davies
Part of the Probleme der Politik book series (2809)

Zusammenfassung

Marx und Engels forderten die Proletarier aller Länder auf, sie sollten sich zur Revolution vereinigen, weil sie nichts als ihre Ketten verlieren könnten; damit stellten sie in aller Schärfe jene Revolutionstheorie vor, als deren Väter sie gelten. Aber die berühmte These, daß die fortschreitende Verelendung der Arbeiterklasse schließlich zur Verzweiflung und zur unvermeidlichen Revolte führen würde, ist nicht die einzige, die Marx aufgestellt hat. In mindestens einer Arbeit entwickelt er genau den entgegengesetzten Ansatz. Dort beschreibt er als Vorbedingung weitverbreiteter Unruhe nicht etwa die fortschreitende Verelendung des Proletariats, sondern vielmehr eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Arbeiters, die aber nicht Schritt hält mit den wachsenden Gewinnen der Kapitalisten und daher soziale Spannungen auslöst:

»Ein merkliches Zunehmen des Arbeitslohns setzt ein rasches Wachstum des produktiven Kapitals voraus. Das rasche Wachstum des produktiven Kapitals ruft ebenso rasches Wachstum des Reichtums, des Luxus, der gesellschaftlichen Bedürfnisse und der gesellschaftlichen Genüsse hervor. Obgleich also die Genüsse des Arbeiters gestiegen sind, ist die gesellschaftliche Befriedigung, die sie gewähren, gefallen im Vergleich mit den vermehrten Genüssen des Kapitalisten, die dem Arbeiter unzugänglich sind, im Vergleich mit dem Entwicklungsstand der Gesellschaft überhaupt. Unsere Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft: wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesellschaftlicher Natur sind, sind sie relativer Natur 2

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Anmerkungen

  1. 5.
    Der ausführliche Forschungsbericht ist Keys, Ancel, u. a., The Biology of Human Starvation, Minneapolis 1950. Für eine kurze Analyse vgl. J. Brozek, Semi-starvation and Nutritional Rehabilitation, in: Journal of Clinical Nutrition, 1 (1953), S. 107/108.Google Scholar
  2. 6.
    E. A. Cohen, Human Behavior in the Concentration Camp, New York 1953, S. 123–125, 131–140.Google Scholar
  3. 7.
    Für das Gemeinschaftsleben unter den Bedingungen der Armut im Mezzogiorno, Italien, vgl. E. C. Banfield, The Moral Basis of a Backward Society, Glencoe, Ill., 1958. Der Autor hebt hervor, daß die Familie eine solidarische, gleichgesinnte, moralische Einheit ist (S. 85), daß aber selbst dort der Konsensus zusammenbricht; es kommt zu asozialen Ausfälligkeiten, insbesondere zwischen Eltern und Kindern (S. 117).Google Scholar
  4. 8.
    Vgl. A. Campbell u. a., The American Voter, New York 1960, Kap. 15: Agrarian Political Behavior.Google Scholar
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  6. 11.
    Zur Beziehung zwischen Konjunkturschwankungen und der Aktivität der Chartisten in den Jahren von 1830 bis 1850 vgl. W. W. Rostow, Business Cycles, Harvests, and Politics: 1790–1850, Journal of Economic History, 1 (1941), S. 206–221.Google Scholar
  7. 12.
    Diese Kurve ist nicht zu verwechseln mit der J-Kurve, die F. Allport früher und für ganz andere Zwecke in seiner Untersuchung über konformes Verhalten entwickelt hat. Vgl. F. H. Allport, The J-Curve Hypothesis of Conforming Behavior, in: Journal of Social Psychology, 5 (1934), S. 141–183. Nachgedruckt in: T. H. Newcomp und E. L. Hartley (Hrsg.), Readings in Social Psychology, New York 1947, S. 55–67.CrossRefGoogle Scholar
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    In seiner History of the Russian Revolution gibt L. Trotzki Daten über die politischen Streiks der Jahre 1903 bis 1917. Masaryk stellt in seinem Buch Spirit of Russia vergleichbare Daten für die Jahre 1905 bis 1912 zusammen. Die Zahlen sind nicht identisch, aber die wiedergegebenen Jahrestrends stimmen überein. Masaryks Zahlen sind etwas niedriger, mit Ausnahme für das Jahr 1912. Vgl. L. Trotzki: History of the Russian Revolution, New York 1959, S. 32, und Masaryk, a. a. O., S. 197 f.Google Scholar
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    Vgl. J. R. Reich: Leisler’s Rebellion, Chicago 1953.Google Scholar
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    Ebenda, S. 101–103. Vgl. auch F. P. Kilpatrick und H. Cantril, Self-Anchoring Scaling, A Measure of Individuals’ Unique Reality Words, in: Journal of Individual Psychology, 16 (1960), S. 158–173.Google Scholar
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    Zitiert nach E. H. Carr, A History of Soviet Russia, Band 1, The Bolshevik Revolution: 1917–1923, London 1950, S. 69.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH Opladen 1973

Authors and Affiliations

  • James C. Davies

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