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Entwicklung der Kategorien und des Begriffssystems und deren Beziehung zum Klassenbegriff

  • Horst Röder

Zusammenfassung

Das Begriffs- und Kategoriensystem der marxistischen Soziologie in der DDR ist bisher sowohl in deren eigener wie auch in der bürgerlichen Literatur nur unzureichend behandelt worden. 1) Zwar wird in zahlreichen westlichen Arbeiten das Ungenügen der klassischen Begriffe des historischen Materialismus für eine soziologische Analyse gegenwärtiger Gesellschaften hervorgehoben, die daraus gefolgerte These ihrer “Ersetzung” läßt sich jedoch keineswegs so undifferenziert aufrechterhalten, wie es aus mehreren Abhandlungen zu entnehmen ist. 2) Peter Chr. Ludz etwa stellt fest, daß “formale soziologische Kategorien” die “ideologischen Kampfbezeichnungen, etwa ’Klasse’ und ’Klassenkampf’ … allmählich ersetzen”. 3,) Wenn der Klassenbegriff auch in seiner Verwendung durch die “ältere” marxistische Soziologie in der DDR nur als “ideologische Kampfbezeichnung” verstanden wird, verstellt man sich den Weg, die Bewahrung jener “formalen” Bestandteile des Begriffs herauszuarbeiten, die in eine soziologisch orientierte Begriffsbildung eingehen können, ohne daß die DDR-Soziologie gezwungen wäre, ihr tradiertes Kategoriensystem völlig durch ein anderes (etwa an der bürgerlichen Soziologie orientiertes) zu ersetzen. Die Beibehaltung solcher Elemente auch durch die weniger stark ideologisch engagierten Soziologen garantiert sowohl die Existenz der Soziologie wie die Kontinuität ihrer Tradition. Ludz’ vorwiegend ideologiekritisch angelegte Interpretation kann diese Problematik nur schwer in den Griff bekommen; sie richtet sich mehr auf Abhängigkeiten zwischen politischem System und marxistischer Soziologie als Ideologie und deren Funktionen für das System. In unserem Zusammenhang geht es aber primär um die Ausbildung modifizierter oder neuer Kategorien als sachliche Notwendigkeit einer Disziplin, deren Theorieentwicklung unter diesem Aspekt nicht notwendig “total” vom ideologischen System determiniert wird. Vielmehr hat dieser Vorgang auch einen “ideologie-freien” Aspekt, soweit nämlich immanente Notwendigkeiten ihn bestimmen, die von der Funktion der Soziologie als “Leitungswissenschaft” gestützt werden. 4) Die von zahlreichen DDR-Soziologen geführte Klage über den Mangel an soziologischer Theorie bezeichnet, sowohl das Bestreben, die Unabhängigkeit der Soziologie voranzutreiben, als auch den “Sachzwang”, die Soziologie für die Aufgaben, die ihr gestellt werden, theoretisch zu rüsten. 5)

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1972

Authors and Affiliations

  • Horst Röder

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