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Leistungsprinzip und industrielle Arbeit

  • Claus Offe
Part of the Universitätstaschenbücher book series (2809, volume 533)

Zusammenfassung

Der Begriff der „Leistungsgesellschaft“ ist insofern ein Fremdkörper in der soziologischen Terminologie, als er über seinen deskriptiven Gehalt hinaus mit normativen Vorstellungen belastet ist; wegen dieser Ambivalenz hat er sich der wissenschaftlichen Verwendung — jedenfalls in Deutschland — bisher entzogen. Wie kaum ein anderer typisierender soziologischer Begriff vereinigt er beschreibende Elemente mit einer wertenden Selbstinterpretation einer gesamtgesellschaftlichen Struktur. In sozialpolitischen Auseinandersetzungen und vor- oder halbwissenschaftlichen Stellungnahmen findet er häufig Verwendung und fungiert dort als universelles Legitimierungsprinzip, an dem jeweils bestimmte Ausschnitte der Sozialstruktur gemessen und kritisiert werden. Wenn man von diesem vorwissenschaftlichen Selbstverständnis industrieller — und wohlgemerkt nicht nur industriellkapitalistischer — Gesellschaften ausgeht, so wird man durch dessen Präzisierung daher nicht zu einer Beschreibung der Sozialstruktur selbst, jedoch zu einer Beschreibung des wichtigsten status-legitimierenden Organisationsprinzips kommen, das diese Gesellschaften selbst als verbindlich akzeptieren oder sogar als erfüllt ausgeben. Unter ‚Leistungsgesellschaft‘ ist zunächst also nur ein zur Norm erhobenes und vielfältig institutionalisiertes Modell der sozialen Prozesse zu verstehen, die den Status von Individuen bestimmen und sanktionieren.

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Anmerkungen

  1. (1).
    H. Kluth, Amtsgedanke und Pflichtethos in der Industriegesellschaft, Hmb. Jb. 10 (1965), S. 11–22, hier S. 18.Google Scholar
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Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1977

Authors and Affiliations

  • Claus Offe

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