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“Ueber die Revolutionssucht deutscher Weiber”

Frauenbilder in der deutschen Publizistik um 1800
  • Helga Brandes
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Zusammenfassung

Die Rezeption der Französischen Revolution in Deutschland führte qualitativ und quantitativ zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb des Pressewesens: Es bildeten sich neue Formen einer politischen Publizistik heraus; eine politisch interessierte Öffentlichkeit entfaltete sich mit einer Dynamik, wie sie erst wieder unmittelbar nach 1830 und 1848 zu beobachten ist. Voraussetzung für diesen Prozeß ist die Zunahme der Lesefähigkeit der Deutschen. (Auf das ganze 18. Jahrhundert bezogen, kann jedoch nur von einer allmählichen Alphabetisierung gesprochen werden: Der Anteil der Lesekundigen lag nach Schätzungen von Rolf Schenda in Mitteleuropa um 1770 bei 15%, um 1800 bei 25%.)1 Wie nie zuvor stieg die Zahl der Zeitschriftengründungen. Zwischen 1730 und 1740 waren es 176, zwischen 1741 bis 1765: 754, zwischen 1766 und 1790: 2191.2 In der französischen Publizistik verlief die Entwicklung ähnlich rasant: Nach Bertaud hatte man 1788 nur die Auswahl zwischen ungefähr 10 Pariser Journalen und Provinzblättern, 1789 lag die Zahl bei ca. 200 Titeln, ein Jahr später hatte sich diese Zahl verdoppelt:3 “La Révolution, ce fut d’abord une inflation de papier.”4

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Literatur

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Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Helga Brandes
    • 1
  1. 1.OldenburgDeutschland

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