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Die Frau aus der Fremde

Portrait einer anderen Revolution: Germaine de Staël
  • Ilse Modelmog
Chapter
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Zusammenfassung

Sie hatte wunderschöne Arme, die sie selbstbewußt gerne vorzeigte. Sie war sehr intelligent, charmant, beharrlich. War Mittelpunkt endloser Diskussionen und harmloser Ballvergnügen. Sie hatte zahlreiche Liebhaber, eine gescheiterte Ehe. Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft oder Kunst bewunderten, schätzten oder verehrten sie. Manche kritisierten sie. Goethe zum Beispiel, gewohnt, daß man ihm zuhörte, war stark irritiert von ihrer Eloquenz. Er fühlte sich geradezu bedroht von der “Weltfrau”, wie “von einer Krankheit”, zog sich deshalb, trat sie in der Weimarer Gesellschaft auf, lieber zurück. Napoleon verfolgte sie hartnäckig mit dem Haß, der sich aus übersteigertem Selbstbewußtsein oder Minderwertigkeit speist, was wohl dasselbe ist. Gleichwohl las er, was sie veröffentlichte, sei es auch nur, um es zu verbieten. Polizeimeister Joseph Fouché, Herzog von Otranto, hielt sie immerhin für die “außerordentlichste Frau des Jahrhunderts”. Heine war voll des Lobes über sie, verspottete sie aber auch.

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Literatur

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  3. zu akzeptieren: “… wenn sie, die Hände auf dem Rücken, vor dem Kamin stand, beherrschte sie mit ihrer männlichen Haltung und ihrer mächtigen Stimme, die im scharfen Gegensatz zu ihrem Geschlechte stand, die Gesellschaft, und manchmal konnte sie leise Zweifel erregen, ob sie eine Frau sei.” [Jules Michelet, Die Frauen der Revolution, München 1984, S. 71.]Google Scholar
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    Jürgen Habermas hat mit seiner Kommunkationstheorie den korrespondierenden Begriff der “idealen Sprechsituation” geprägt. Beim “wirklichen Reden” gibt es keine Herrschaft, seine Attribute sind Reziprozität und Kooperation. [Vgl. M. Field Belenky, B. McVicker Clinchy u.a., Das andere Denken, Frankfurt, New York 1989, bes. S. 1671f.]Google Scholar
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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Ilse Modelmog
    • 1
  1. 1.OldenburgDeutschland

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