Advertisement

Denen keine Zeit blieb, Akademiemitglied zu werden

  • Gennady Gorelik

Zusammenfassung

Mehrere ausnehmend glänzende und vielversprechende Physiker der jüngeren Generation verloren vorzeitig ihr Leben: M. P. Bronstein, S. P Schubin, A. A. Witt. Dies schrieb Igor Tamm, der herausragende Physiker und unvergleichliche Mensch, in seinem Artikel Theoretische Physik für den Paradeband Der Oktober und der wissenschaftliche Fortschritt, der zum 50. Jahrestag der Sowjetära erschien. Die drei jungen Physiker, deren Tod zu den Resultaten jenes Oktobers zählte, gehörten der Generation von Schülern und jüngeren Kollegen Tamms an. Es war dies die erste Generation theoretischer Physiker, die ihre Ausbildung unter der Sowjetmacht erhalten hatte.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notes

  1. 1.
    Neu genährt von experimenteller Seite wurden die Zweifel der Theoretiker an der Gültigkeit des Energieerhaltungssatzes in der Mikroweit durch das 1927 gemessene kontinuierliche Energiespektrum der beim radioaktiven β --Zerfall emittierten Elektronen, falls ein 2-Teilchenzerfall des Ausgangskerns angenommen wurde. W. Pauli, der Bohrs Hypothese der Energie-Nichterhaltung beim β-Zerfall anzweifelte, postulierte seinerseits (1930/31) das Neutrino als beim β-Zerfall emittiertes zweites leichtes Teilchen. Erst Fermis β-Zerfallstheorie (1933/34) beseitigte die Zweifel (auch die Paulis) an der Realität des hypothetischen neuen Teilchens. Über tieferliegende Gründe, die die Theoretiker, unter ihnen die russischen, damals ernsthaft die Verletzung des Energieerhaltungssatzes in der Mikrophysik in Erwägung ziehen ließen, vergl. G. E. Gorelik und V. J. Frenkel, 1. c., Kapitel 4. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  2. 2.
    Puschkins Mozart: Gemeint ist die Gestalt Mozarts in Puschkins Drama Mozart und Salieri. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  3. 3.
    Michail M. Sostschenko (1895–1958): Für ihn, den glänzenden Satiriker des sowjetischen Alltags, war in den Augen der Sowjetmachthaber kein Platz im sowjetischen Literaturleben. Von den Anwürfen, die 1946 die Parteiideologen gegen ihn und Anna Achmatowa und ihnen ähnliche nichtsowjetische Schriftsteller wegen ihres verderblichen Einflusses auf die sowjetische Literatur erhoben, erholte er sich nicht mehr. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  4. 4.
    Die Klammern in dieser Aufzählung stehen für weitere, weniger bekannte Schriftsteller-und Dichternamen Sowjetrußlands. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  5. 5.
    Archiv der MGUGoogle Scholar
  6. 6.
    Im zaristischen Rußland gab es drei akademische Grade (Kandidat, Magister, Doktor), die nach 1917 abgeschafft wurden. Ab 1934 wurden im Zuge der Durchsetzung einer zentralistischen Wissenschaftsorganisation wieder zwei akademische Grade (Kandidat und Doktor entsprechend dem deutschen Doktor beziehungsweise Dr. habil.) eingeführt. Dazu bedurfte es einer gewissen Anfangsmenge von habilitierten Wissenschaftlern, die ohne Vorlage einer Habilitationsschrift vom Akademiepräsidium ernannt werden konnten. Außer bei den Akademiemitgliedern wurde auch bei einigen jüngeren Physikprofessoren, unter ihnen Landau, Schubin und Witt, auf die Vorlage einer Habilitationsschrift aufgrund eines Gutachtens eines Akademiemitglieds verzichtet. Vergl. G. E. Gorelik und V. J. Frenkel, 1. c, Kap. 5. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  7. 7.
    Vergleiche Kapitel 5.Google Scholar
  8. 8.
    Archiv der MGUGoogle Scholar
  9. 9.
    Das Buch Theorie der Schwingungen erschien 1937 nach Witts Verhaftung ohne seinen Namen als Autor. Erst in der 2. Auflage (1959) wurde Witts Name unter den Autoren des Buches genannt.Google Scholar
  10. 10.
    W. A. Fabrikant in Akademiemitglied L. I. Mandelstam. Zum 100. Geburtstag, Nauka, Moskau 1979, S. 234 (russ.)Google Scholar
  11. 11.
    W. E. Hazen (ed.), Readings in population and community ecology, Saunders, Philadelphia 1964, 3d ed. 1975Google Scholar
  12. 12.
    Dubrowski: Romanfragment Alexander Puschkins über die Zeit des Bauernaufstands unter Pugatschow. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  13. 13.
    Gemeint sind die Revolutionsfeiertage am 7. und 8. November. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  14. 14.
    Was hätte Witt auch anderes darüber schreiben dürfen? Derjenige, der diese Versicherungen in Witts Briefen zur Beruhigung seiner Angehörigen allzu wörtlich auslegt, sollte Solshenizyns Archipel Gulag oder Ein Tag des Iwan Denissowitsch lesen.Google Scholar
  15. 15.
    Der Kohlegrubenarbeiter Stachanow überbot 1935, einem Partei aufruf zur Steigerung der Arbeitsleistung folgend, seine Arbeitsnorm durch entsprechende Vorbereitung in einer einmaligen Aktion um ein vielfaches und lieh damit der „von oben“ bestellten Bewegung seinen Namen. [Anm. d. Übers.]Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Gennady Gorelik

There are no affiliations available

Personalised recommendations