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Moskau. Physik. 1937

  • Gennady Gorelik
Chapter

Zusammenfassung

Pate bei der Titelfindung für dieses Kapitel, das ein aufschlußreiches Archivdokument zum Thema hat, stand Lion Feuchtwangers Buch Moskau 1937 — Ein Reisebericht fürmeine Freunde.1 Bei dem Archivmaterial handelt es sich um die stenographische Mitschrift der Wortmeldungen auf der Versammlung des Aktivs des PhIAN, des Physikalischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, die im April 1937 stattfand. Die minutiös festgehaltenen Diskussionsreden einiger Dutzend Mitarbeiter des PhIAN spiegeln die aktuelle Lage, einen Augenblick in der Geschichte der sowjetischen Physik und der sowjetischen Gesellschaft allgemein wider. Ausgelöst wurde die Welle von Aktivtagungen, die das ganze Land erfaßte und vor dem Institut nicht haltmachte, durch das Märzplenum des Zentralkomitees der WKP(B) [Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)], auf dem Bucharin und Rykow aus der Partei ausgeschlossen und als Agenten Japans und Deutschlands den Sicherheitsorganen des NKWD überantwortet wurden.

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Notes

  1. 1.
    Feuchtwangers Buch mit dem Untertitel Zwei Betrachtungsweisen aus dem Ausland, nach einem halben Jahrhundert in Moskau (1990) und Berlin (Aufbau, 1993) wiederaufgelegt, ist eines der zahlreichen Beispiele dafür, daß viele linksgerichtete, insbesondere emigrierte deutsche Künstler, enttäuscht von der unentschiedenen Haltung der westlichen Demokratien gegenüber Hitler, in Stalin keinen mit Hitler vergleichbaren Diktator sehen wollten. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  2. 2.
    Siehe Kapitel 2.Google Scholar
  3. 3.
    Das Physikalische Institut der Moskauer Universität mit der umständlichen offiziellen Bezeichnung war der institutionelle Ausdruck für die angestrebte Verbindung von Lehre und Forschung an der Universität. Das Niveau der Lehre an der MGU, insbesondere in theoretischer Physik, und erst recht der Forschung entsprach nicht modernen Anforderungen. Dies änderte sich erst mit der Berufung von L. I. Mandelstam, eines Physikers von großer wissenschaftlicher (und menschlicher) Ausstrahlungskraft, 1925 auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik der MGU. Z. B. entdeckten Mandelstam und Landsberg 1928 gleichzeitig und unabhängig von Raman den von ihnen Kombinations-Streuung des Lichts genannten Effekt (in Kristallen). [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  4. 4.
    Zur Wiedereinführung akademischer Grade in Sowjetrußland siehe die diesbezügliche Anmerkung in Kapitel 7. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  5. 5.
    Siehe Kapitel 8.Google Scholar
  6. 6.
    Erinnert sei daran, daß Frank und Tamm ihre theoretische Interpretation der 1934 von Tscherenkow, Doktorand Wawilows, entdeckten Strahlung gerade Anfang 1937 veröffentlicht hatten (I. E. Tamm und I. M. Frank, Kohärente Strahlung eines schnellen Elektrons in einem Medium, Dokl. AN SSSR 14 (1937) 107), eine Leistung, für die ihnen zusammen mit Tscherenkow 1958 der Nobelpreis verliehen wurde. Um die physikalische Natur des neuen Phänomens zu erkennen, bedurfte es, wie V. Ginsburg und E. Feinberg hervorhoben, eines hohen Maßes an Freiheit und Unvoreingenommenheit physikalischen Denkens, Eigenschaften, sehr konträr zu dem politisch-sozialen Umfeld. — Tamm, seit 1933 Korrespondierendes Mitglied der AdW der UdSSR, wurde 1953 deren Ordentliches Mitglied; er war außerdem Mitglied mehrerer ausländischer Akademien. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  7. 7.
    Die internationalistischen Menschewiken, eine der Strömungen in der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, waren überzeugt, der 1. Weltkrieg werde unvermeidlich zum Ausbruch der Revolution in allen kriegführenden Ländern führen, und standen darin dem bolschewistischen Flügel nahe. Wie dieser traten sie für die Beendigung des Krieges ein. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  8. 8.
    Siehe Kapitel 7.Google Scholar
  9. 9.
    Siehe die diesbezügliche Anmerkung in Kapitel 7.Google Scholar
  10. 10.
    Einige spätere Lebensstationen D. I. Blochinzews: 1951 Direktor des Kernforschungsinstituts Obninsk, wo er Bau und Inbetriebnahme des sowjetischen Prototyp-Kernkraftwerks (5 MWel) leitete, das 1954 in Betrieb ging, aus dieser Zeit stammt auch Blochinzews Idee eines Impulsreaktors, später in Dubna realisiert. 1956–1965 erster Direktor des Vereinigten Instituts für Kernforschung Dubna, seit 1965 Chef des dortigen Laboratoriums für Theoretische Physik. Seit 1958 Korrespondierendes Mitglied der AdW der UdSSR. [Anm. d. Übers.]Google Scholar
  11. 11.
    Leonid I. Mandelstam (1879–1944) hatte durch seine schulebildende Wirkung und die seiner Schüler einen unschätzbaren Einfluß auf die sowjetrussische Physik. Zur Fortsetzung seines in Odessa begonnenen Studiums ging Mandelstam 1899 an die Straßburger Universität zu Karl Ferdinand Braun (1909 Nobelpreis zusammen mit Marconi), wurde hier 1907 Privatdozent, 1913 Professor. Sein lebenslanges Arbeitsfeld waren die elektromagnetischen Wellen und ihre Wechselwirkung mit Materie. Nach seiner Rückkehr 1914 nach Rußland war er an verschiedenen Universitäten sowie als Experte für Radiotechnik tätig und erhielt 1925, wesentlich auf Initiative der jungen Physiklehrkräfte an der Moskauer Universität, unter ihnen Wawilow, hier den Lehrstuhl für Theoretische Physik. Grundlegend waren seine und seiner Schüler Arbeiten zur Theorie nichtlinearer Schwingungen und ihrer Anwendung. Er und Landsberg entdeckten im Februar 1928 unabhängig von Raman und Krishnan den von ihnen Kombinationsstreuung des Lichtes genannten Effekt, veröffentlichten ihre Entdeckung jedoch erst nach Durchführung sorgfältiger Kontrollmessungen einige Monate später als Raman; den Nobelpreis (1930) erhielt nur Raman. [Anm. d. Übers.]Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Gennady Gorelik

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