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Technikliebe — Liebestechnik. Die „Produktivkraft Mensch“ in der frühen DDR-Literatur

  • Klaus-Michael Bogdal
Part of the Historische Diskursanalyse der Literatur book series (HDL)

Zusammenfassung

Zahlreiche Werke der frühen DDR-Literatur haben industrielle Produktionsprozesse zum Thema. Für die Autoren spielt, neben politischen und finanziellen Überlegungen, eine Utopie, welche die Arbeiterbewegung seit ihrer Entstehung motiviert hat, eine wichtige Rolle: die Vorstellung, die Produktivkräfte könnten sich von den Fesseln kapitalistischer Produktionsweise befreien und der hieraus resultierende Plan „einer hochautomatisierten ‘sozialistischen Fabrik’, in der die Arbeiter (…) den maschinellen Giganten beherrschen.“1 Im Gesellschaftsbild der frühen DDR waren die Produktionsplanung — und mit ihr Arbeit und Arbeitende — der wichtigste Hebel sozialistischer Veränderung:

„Die sozialistische Gesellschaftsplanung und ihr Kernstück, die sozialistische Wirtschaftsplanung, sind wesentliche Komponenten der historischen Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung über alle bisherigen gesellschaftlichen Formationen.“2

Diesen Nachweis hatten in den fünfziger Jahren nicht nur Staat und Partei zu erbringen, sondern auch die Schriftsteller mit und in ihren Werken. Wichtig war der Glaube an die vollständige Planbarkeit aller Momente der Produktion, der materiellen, aber auch der subjektiven. Unter dieser Prämisse erschien dann die Natur als ‘rückschrittliche’3 Gegenwelt, die dem Produktionssystem als Produktionsmittel einverleibt werden muß.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Klaus-Michael Bogdal

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