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„Männerbilder“ oder ist ‚Geschlecht’ eine brauchbare Kategorie der Literaturwissenschaft?

  • Klaus-Michael Bogdal
Part of the Historische Diskursanalyse der Literatur book series (HDL)

Zusammenfassung

Massenmedien und Werbung sind ein zuverlässiger Seismograph kultureller Wandlungsprozesse im Alltag. Angewiesen auf Wiedererkennungseffekte reagieren sie rascher auf symbolische Verschiebungen sozialer Verhältnisse als z.B. die Literatur. Zu den augenfälligsten Veränderungen in den neunziger Jahren gehören in Deutschland die neuen ‚Männerbilder’. Soziologen1 und Kulturtheoretiker debattieren heftig darüber, ob der „Neue Mann“ lediglich die überfällige Antwort auf die „Neue Frau“ der achtziger Jahre ist oder die postmoderne ‚Befreiung‘ der Männer aus einem seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Rollenverständnis signalisiert.2 Die Interpretation der professionellen Beobachter unserer Gesellschaft ist positiv, manchmal sogar verdächtig emphatisch. Da ist von der (Wieder-) Entdekkung des „Lustobjekts Mann“ (Stern) und von der Rückkehr des Hedonismus in die durch das männliche Arbeitsethos von sinnlichen Genüssen entfremdete westliche Welt die Rede. Auch sonst eher vorsichtig argumentierende Wissenschaftler behaupten,

„daß der ‚alte Adam‘ ausstirbt, jene Mischung aus patriarchaler Dominanz, Selbst- und Fremdunterdrückung und Liebensunfähigkeit, und die ‚neuen Männer’ längst im Land sind,3 demokratischer, zärtlicher, empfindsamer (und empfindlicher), selbstverliebter und freundlicher. Das ist doch kein schlechtes Zeichen!“4

Trotz ähnlicher Beobachtungen im Alltag möchte ich hier das Gegenteil behaupten.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Klaus-Michael Bogdal

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