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Hermeneutische Selbstverständlichkeiten und poststrukturalistische Herausforderungen

  • Klaus-Michael Bogdal
Part of the Historische Diskursanalyse der Literatur book series (HDL)

Zusammenfassung

Bei allem Methodenstreit in den Literaturwissenschaften blieb bis in die siebziger Jahre hinein weitgehend unbestritten, daß eine wie auch immer geartete Hermeneutik die systematische Grundlage jeglichen Textverstehens bilde. Denn literarische Texte, zumal solche von Rang, geben — so der Konsens — ihre Bedeutung nur demjenigen preis, der sie nach den Regeln der Kunst auszulegen versteht. Sie sind eine historisch-ästhetische ‘Quelle’, aus der es ‘Sinn’zu ‘schöpfen’ gelte. Das ist eine ehrwürdige Vorstellung, die bis zum Talmud, zur Exegese der „Heiligen Bücher“1 und der Auslegungstradition römischen Rechts zurückreicht. Seit der Renaissance und dem Humanismus gilt sie auch für das Studium der ‘alten Schriftsteller’, deren Werke im Wandel der Zeiten ihre ursprüngliche Bedeutung verloren zu haben schienen. Solange literarische Texte als Quelle von Erfahrung, Wissen und Wahrheit eine gewisse Autorität beanspruchen durften (und dies durften sie seit der Aufklärung in steigendem Maße, wenn auch mit wechselnder sozialer Reichweite, bis zu den siebziger Jahre unseres Jahrhunderts), konnte die Hermeneutik als ‘Königsweg’ zu ihrem Verstehen gelten. In dieser Grundvorstellung waren sich die in ihren Fragestellungen und Erkenntnisinteressen zum Teil erheblich divergierenden Methoden der Literaturinterpretation und -analyse weitgehend einig.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Klaus-Michael Bogdal

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