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Affekte

  • Ilse Modelmog

Zusammenfassung

Industrielles Bewußtsein als Ausdruck moderner Gesellschaft läßt sich nicht als ein Vernunftprodukt betrachten, weil eine solche Betrachtungsweise notwendig zu einer Verkürzung führen würde. Eindeutiger kann es in seinem Kern auf das Affektverhalten der Subjekte zurückgeführt werden. Denn die Vernunft, hat schon Hume entgegen anderer Auffassungen behauptet, ist nur der Sklave der Affekte. Affekte, Leidenschaften gehören als “Wildwasser der Seele“ (Nietzsche) zur Naturausstattung der Menschen und bilden die Basis für menschliches Denken und Handeln. Industrielles Bewußtsein konstituiert sich im Spannungsfeld von objektiver Lebenswelt und den Affekten der Subjekte. Mit dem Prozeß der Zivilisation findet eine Umorganisation in der Affektstruktur der Subjekte statt, die zu ihrer neuen Focussierung führt. Nun treten Affekte in den Vordergrund, die sich in dem Begriff der Rationalität bündeln lassen. Albert O. Hirschmann hat zu Recht darauf verwiesen, daß mit der Umstrukturierung der Affekte auch eine neue Wertsetzung verbunden ist, so daß Affekte durch Affekte freigesetzt oder gezügelt werden. Die Feststellung ist keineswegs tautologisch. Verkümmern nämlich einige menschliche Leidenschaften unter neuen sozialen Bedingungen, für die sie irrelevant werden, zeigen andere nun überhaupt erst Wirkung. Bacon und Spinoza haben schon früh auf diese Phänomene aufmerksam gemacht (vgl. Bacon, 1859, Bd. III; Spinoza, 1876, Lehrsatz 14).

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1989

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  • Ilse Modelmog

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