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Theater und Literatur

  • Wolfgang Horn
Chapter

Zusammenfassung

Schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert nahm das Theater in Deutschland den führenden Rang innerhalb der städtischen Kulturpflege ein — sowohl in der Höhe der Subventionen als auch in der Nachfrage des Publikums und im gesellschaftlichen Prestige. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren von den zuvor 150 Spielstätten knapp 70 zerstört; von den im Reichsgebiet 1939/40 verfügbaren 219 000 Theaterplätzen existierten 1945 nur noch knapp 65 000.8 4 Zu den vorwiegend psychologisch deutbaren Phänomenen der Nachkriegssituation gehört jedoch jene ungeheure Nachfrage nach Theaterbesuchen, die durch schnell eingerichtete Provisorien, aber auch durch den in den fünfziger Jahren einsetzenden Neu- und Wiederaufbau von Spielstätten noch verstärkt wurde. Dieser Trend eines sprunghaften Ansteigens der Zahl von Theaterbesuchern hielt bis zur Saison 1957/58 an.8 5 Seine Folge war die konsequente Erweiterung des Platzangebotes, das trotz hoher Kriegsschäden bereits 1947/48 den Stand von 1939/40 übertraf.8 6 Die gesellschaftliche Bedeutung des Theaters für den Neubeginn 1945 wurde von vielen Seiten betont: „Dem kulturellen Aufbau stellt sich ein einziges, ein brennendes Problem: die Erziehung. Nie war die sittliche Aufgabe des Theaters bedeutsamer.“8 7 Die Militärregierungen schätzten das Theater als Instrument der Kulturpropaganda und Mittel zur Umerziehung der Deutschen. Sie nutzten es aber auch zur Repräsentation und schon bald als Bestandteil des Konkurrenzkampfes im Kalten Krieg zwischen West und Ost.8 88 9 Diese Rivalität unter den Siegermächten auf kulturellem Gebiet konzentrierte sich allerdings auf die Hauptstädte Berlin und Wien.

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© Leske Verlag + Budrich GmbH 1981

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  • Wolfgang Horn

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