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Einleitung

  • Wolfgang Horn

Zusammenfassung

„Seit wann ist wohl bei uns das Wort Kulturpolitik gebräuchlich geworden?“, fragte der Leipziger Historiker Karl Lamprecht in einer Rede am 7. Oktober 19121 und gab dann selbst die Antwort: „Ich glaube, nicht länger denn seit einem Jahrfünft.“ Damit war der Begriff Kulturpolitik in die historische und nach der erstmaligen Definition in Herders Staatslexikon von 1929 als der „Einsatz geistiger Mittel durch den Staat“ auch in die politikwissenschaftliche Fachliteratur eingeführt worden. Aber in der nichtwissenschaftlichen Öffentlichkeit gewann Kulturpolitik verstärkt erst nach dem Zweiten Weltkrieg Bedeutung. Sie unterliegt auch heute noch terminologischen Unschärfen, die primär durch die vielschichtigen Bedeutungsebenen von Kultur begründet sind. Der Begriff „Kultur“, vom lateinischen „colere“ abgeleitet und sowohl auf materielle Gegebenheiten (Äcker, Boden, Bäume, Vieh, etc.) als auch auf nichtmaterielle (im geistigen Sinn) zu beziehen, entwickelte sich in der deutschen Sprache erst während der Goethezeit.2 Nachdem ihn Herder, Kant, Mendelssohn und Fichte im Sinne von Menschen- und Geistesbildung sowie Humanität differenziert hatten, formten sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sprache als entscheidende, aber nicht einheitlich verwendete Konstituenten von Kultur heraus. Während der Begriff „Kultur“ weitgehend statisch zu verstehende Werte verkörperte, bedeutete der ungefähr zur gleichen Zeit in den deutschen Sprachgebrauch eindringende Begriff „Zivilisation“ eher ein prozeßhaftes Element, das die Oberfläche menschlichen Daseins beschrieb.3

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© Leske Verlag + Budrich GmbH 1981

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Horn

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