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Selbsthilfe unter dem Abstinenzdiktat

  • Alfred Springer

Zusammenfassung

Wenn es urn das Thema „Grenzen der Behandlung“ geht, muß man sich gerade auf dem Gebiet der Drogenabhängigkeit in besonderer Weise mit den neueren non- oder nur teilprofessionellen Betreuungsversuchen auseinandersetzen. Dies deshalb, weil der üblicherweise gegenüber professionellen Hilfe vorgebrachte Vorwurf der als Behandlung verkleideten Kontrolle gerade diesen Institutionen gegenüber mit besonderer Schärfe formuliert wird. Die Revision der Einstellung und Praxis derartiger Einrichtungen wird beispielhaft in der Fragestellung, ob es nun an der bestimmten Art einer Lehre liegt, wie sie in Theorie und Praxis vorgeht, oder ob nicht vielmehr andere Bedingungen dieses Handeln in maßgeblicher Weise steuern, so daß der schlichte Ersatz professioneller Hilfsangebote durch non-professionelle nicht unbedingt eine Besserung für die Klienten und insbesondere auch nicht eine Reduktion des Kontrollanspruches bedeuten muß. Man darf es nicht vergessen: Pinel drückte zwar, wie später noch ausgeführt wird, deutlich aus, daß die Behandlung der Geisteskranken einschränkend sein müsse, gleichzeitig humanisierte er jedoch die Methoden der Einschränkung. Könnte ein Rückzug der Medizin und Psychiatrie aus der Behandlung Drogenabhängiger eventuell bewirken, daß sozusagen Vor-Pinelsche Verhältnisse auftreten? Diese Fragen drängen sich auf. Insbesondere, wenn man bedenkt, daß Scheerer sich nicht scheut, einen indirekten Vergleich mit den Zucht- und Arbeitshäusern des 17. Jahrhunderts anzustellen.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1984

Authors and Affiliations

  • Alfred Springer

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