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Autobiographische Texte in den Erziehungswissenschaften

  • Thomas Hartge

Zusammenfassung

Autobiographische Literatur vermag auf andere Weise von der subjektiven Erfahrung zu berichten, als es der diskursiv argumentierenden Wissenschaftssprache mit ihren begrifflichen und kategorialen Verallgemeinerungen möglich ist. Gedanken und Erinnerungen, Gefühle und Wünsche oder auch nur Ahnungen und Vermutungen werden in autobiographischen Texten mit einer Selbstverständlichkeit vorgetragen, wie sie in wissenschaftlichen Erörterungen kaum angemessen wäre. Für den Autor eines autobiographischen Textes gelten andere Regeln als für den Verfasser einer wissenschaftlichen Abhandlung: Autobiographische Texte versuchen auf ihre Weise das “Ganze” einer erlebten Wirklichkeit einzuklagen, ohne sich in ihren Erzählstrategien darauf zu beschränken, was nach wissenschaftlichen Maßstäben gewußt und mitgeteilt werden kann. Vom Autor eines autobiographischen Textes wird geradezu erwartet, daß er seinen Gefühlen, inneren Regungen oder selbst noch seinen Ahnungen sprachlichen Ausdruck verleiht, während diese durch Subjektivität gekennzeichnete Perspektive den gemeinhin geltenden Vorstellungen von Wissenschaftlichkeit geradezu diametral entgegengesetzt zu sein scheint. Dabei weisen autobiographische Texte einen entscheidenden Erkenntnisvorsprung auf: niemand kann besser von dem besonderen “Wie” des Erlebens, den unterschiedlichen Nuancen einer Erfahrung Auskunft geben, als das entsprechende Subjekt selbst.

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Thomas Hartge

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