Advertisement

Die Moral des Ingenieurs und die Ethik technischen Handelns — sozialpsychologische Überlegungen zur Gestaltbarkeit der Technik durch den Wandel kultureller Werte

  • Birgit Volmerg

Zusammenfassung

Wer im Feld der ‘Technik’ von Moral spricht, scheint in die falsche Abteilung geraten. Im gesellschaftlichen Betrieb wird Moral gemeinhin der Sphäre des Privaten zugerechnet; im politischen, wirtschaftlichen und technischen Bereich spricht man von Verantwortung. Der Begriff der Verantwortung zeigt an, daß in den nicht-privaten Abteilungen der Gesellschaft Handeln ganz anderen Imperativen verpflichtet ist als denen, die im menschlichen Zusammenleben als gut oder böse, moralisch oder unmoralisch gelten. Solche Imperative, besonders für Technik und Wirtschaft, werden uns über die Medien, in denen die Verantwortlichen zu Wort kommen, täglich vermittelt. Sie heißen: Konkurrenzfähigkeit und Schritthalten mit der Technikentwicklung —bei Strafe des Untergangs!

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

References

  1. 1.
    Vgl. dazu die Einleitung und das Kapitel „Die methodische Anlage der Untersuchung“, in Teil III.Google Scholar
  2. 2.
    Zum Problem der ‘Integrierten Netze’ vgl. Herbert Kubicek & Arno Rolf (1986); Informatikspektrum (1987) und Eva Senghaas-Knobloch & Birgit Volmerg (1987).Google Scholar
  3. 3.
    Strukturmerkmale und Risiken der ‘Großtechnik’ werden analysiert von Klaus Traube (1978).Google Scholar
  4. 4.
    Bezogen auf die Arbeitswelt haben sich besonders Hoff, Lappe & Lempert (1985) und Lempert (1985) mit der Sozialisation moralischer Urteilsstrukturen befaßt; zum Einfluß von Interaktion und Gruppe auf das moralische Urteil vgl. Oser (1981) und Habermas (1983).Google Scholar
  5. 5.
    In der Soziologie wird dieses Phänomen mit dem Begriff des Habitus umschrieben, dieser zielt ebenfalls auf die weitgehend unbewußte Assimilation der Individuen an ihre kulturelle Umgebung (Bourdieu, 1974).Google Scholar
  6. 6.
    Diese affektive Dimension kommt etwa in der Forderung zum Ausdruck, ein neues ‘Verantwortungsgefühl’ zu entwickeln, damit trotz kollektiv-arbeitsteiliger technischer Praxis die Gesinnung verstärkt zur Grundlage einer Verantwortungsethik werden kann (Zimmerli, 1986, 86 und 1988, 109).Google Scholar
  7. 7.
    Wie Wolfgang König den Status der VDI-Richtlinien beschreibt, sollen VDI-Richtlinien (im Unterschied zu den DIN-Normen) als richtungsweisende, aber unverbindliche Arbeitsunterlagen und Entscheidungshilfen dienen. „Der Anwender kann die angegebenen Lösungsmöglichkeiten verwerfen oder aus den angebotenen eine für ihn passende wählen“ (König, 1988, 123).Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. die Expertise von Alexander Roßnagel und Volker Hammer in diesem Band.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. das Kapitel „Die gesellschaftliche Verantwortung von Ingenieuren—zwischen technisch-ökonomischen Zwängen und politisch-normativen Zielen für den technischen Fortschritt“ in diesem Teil. Vgl. die Expertise von Otto Ullrich in diesem Band. Vgl. auch die Schlußfolgerungen, die Wolfgang Neef aus seiner Ingenieurstudie zieht (Neef, 1988).Google Scholar
  10. 10.
    Wie MacIntyre betont, ist das Ethos der Praxis der aristotelischen Tugendlehre sehr viel näher als der Kant’schen Moralphilosophie. In der aristotelischen Lehre ist die Ausübung der Tugend mit praktischer Intelligenz eng verbunden (MacIntyre, 1987,219).Google Scholar
  11. 11.
    Zum Leitwert kritische Bedürfnisorientierung vgl. Otto Ullrich u.a. (1987) sowie Illich (1975) und die Expertise von Otto Ullrich in diesem Band.Google Scholar
  12. 12.
    In der Informatik entzündet sich diese Skepsis an den bisher wenig erfolgreichen Bemühungen um die Entwicklung von Expertensystemen und künstlicher Intelligenz. Wie Winograd und Flores (1986) feststellen, verhindert das Verhaftetsein in rationalistischen Denktraditionen ein angemessenes Begreifen menschlicher Sprache und Praxis. Sie plädieren für einen hermeneutischen und kommunikativen Ansatz in der Entwicklung informationstechnischer Hilfsmittel.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Birgit Volmerg

There are no affiliations available

Personalised recommendations