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Die berufliche Verantwortungssituation von Ingenieuren in der Entwicklung

  • Eva Senghaas-Knobloch
Chapter

Zusammenfassung

Vier Ingenieurgruppen, die sich an unseren Forschungsgesprächen beteiligten, waren im beruflichen Praxisfeld Entwicklung tätig. Ihre spezifischen technischen Aufgaben deckten verschiedene Einsatzfelder der Informationsund Kommunikationstechnik ab. Eine Gruppe leitender Ingenieure verfolgte das Ziel, Betriebssysteme für Computer der mittelgroßen Bauart weiterzuentwickeln. Eine andere Gruppe von Ingenieuren in leitender Position arbeitete im Rahmen eines staatlich geförderten Verbundprojekts an einer neuen graphikunterstützten Werkstattprogrammierung von Werkzeugmaschinen. Eine dritte Gruppe mit hohen gewerkschaftlichem und betriebsrätlichem Engagement (im AIN, siehe unten) war mit einer firmenspezifischen Variante der Digitalisierung und Netzintegration von Vermittlungstechnik (ISDN) beschäftigt. Die vierte Gruppe verstand sich als Teil des gewerkschaftlichen Arbeitskreises Ingenieure und Naturwissenschaftler in der Industrie (AIN), in der DAG. Die Ingenieure dieser Gruppe waren beruflich in verschiedenen Bereichen der Forschung tätig.

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References

  1. 1.
    Die Auffassung von Technik als Kunstfertigkeit und Daseinserleichterung entspricht einer vorindustriellen, handwerklichen Praxis (vgl. dazu Sachverständigenkommission Arbeit und Technik, 1986, 36ff). Diese setzt eine „an konkreten menschlichen Zeitmaßstäben und Erfahrungshorizonten orientierte langsame Entwicklungsdynamik“ (ebenda) voraus, die im Zuge der Herausbildung von kapitalistischer Wirtschaftsweise, Industrialisierung und einer verwissenschaftlichen Technik außer Kraft gesetzt wurde. Das Festhalten am alten Bedeutungshorizont verweist auf den vorhandenen Wunsch, Technik den Bedürfnissen der Menschen unterzuordnen.Google Scholar
  2. 2.
    Die Ziffer in der Klammer vor dem Komma bezeichnet die erste oder zweite Gesprächsrunde; danach folgt die Seitenzahl der Gesprächsprotokolle.Google Scholar
  3. 3.
    Ekardt und Löffler (1986) weisen darauf hin, daß allerdings auch in beruflichen Situationen, die sich durch größere Nähe zur Befriedigung von Primärbedürfnissen auszeichnen, von Seiten der Ingenieure unvermeidlich Nutzungsprognosen erforderlich sind. Eine Trinkwassertalsperre wird z.B. nicht erst dann geplant, wenn schon Wasserknappheit besteht. Es geht also in jedem Fall um einen Zukunftsentwurf.Google Scholar
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    Dies hat bei Entwicklungsingenieuren sehr konkrete Auswirkungen auf die Phantasie für die Humanisierung von Arbeitsplätzen. Für als inhuman und unerträglich beurteile Arbeitsplätze hält man letztlich auch die Lösung durch Vollautomatisierung bereit (allerdings mit dem geäußerten Wunsch, daß die betreffende Person das Geld nun auch ohne Arbeit zu bekommen hätte). Dies ist ein Befund unserer Untersuchung über die betriebliche Lebenswelt (Volmerg, Senghaas-Knobloch, Leithäuser, 1986, 218f).Google Scholar
  5. 5.
    Bei Kossbiel u.a. (1987), die die berufliche Situation und die Perspektiven von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern in der industriellen Forschung und Entwicklung untersuchen, wird jedoch gezeigt, wie wichtig es für Ingenieureist, daß ihre Ideen realisiert werden können. Die Freude an der eigenen Idee erfüllt sich erst, wenn „die Maschine im Hof steht“, bzw. die „neue Schaltung in einen funktionierenden Chip umgesetzt ist“.Google Scholar
  6. 6.
    Über das Produkt ISDN im Zusammenhang der Pläne der Deutschen Bundespost informieren kritisch Kubicek & Rolf (1985), sowie Informatik-Spektrum (1987).Google Scholar
  7. 7.
    Aus ingenieurwissenschaftlicher Sicht versuchen beispielsweise Seliger (1985) und Brödner (1986) zu beweisen, daß sich die Nutzung der Facharbeiterkompetenz für Programmierungsarbeit auf der Werkstattebene durchaus rechnet, wenn man in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einen größeren Zeithorizont einbaut.Google Scholar
  8. 8.
    Der genannte DIN-Entwurf ist von ganz anderem Charakter als die Masse der technischen Normen, die in technischer Sprache Standards vorgeben. Im Entwurf werden fünf Grundsätze der sogenannten Dialoggestaltung beispielhaft benannt. Es sind dies: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Steuerbarkeit, Erwartungskonformität und Fehlerrobustheit (vgl. Becker-Töpfer, 1985). Inzwischen ist der Entwurf gültige, verabschiedete Norm: DIN 66 234, Teil 8 (1988).Google Scholar
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    Vgl. dazu das Kapitel „Die gesellschaftliche Verantwortung von Ingenieuren—Zwischen technisch-ökonomischen Zwängen und politisch-normativen Zielen des technischen Fortschritts“, in Teil II dieses Bandes.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. dazu und für das Folgende das Kapitel „Die Moral von Ingenieuren und die Ethik technischen Handelns—Sozialpsychologische Überlegungen zur Gestaltbarkeit der Technik über den Wandel kultureller Werte“, in Teil II dieses Bandes.Google Scholar
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    Ein ausführliches Fallbeispiel dazu findet sich in Senghaas-Knobloch & Volmerg (1987).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Eva Senghaas-Knobloch

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