Advertisement

Oberwelten und Unterwelten der Sozialität

  • Karl Otto Hondrich
Part of the Jahrbuch für Rechtssoziologie und Rechtstheorie book series (JRR, volume 12)

Zusammenfassung

Die These, die ich im folgenden entwickeln möchte, läßt sich als ein Paradoxon fassen: Wie andere Versuche, menschliches Zusammenleben zu regeln, erzeugt das Recht die Störkräfte, die es in Schach halten soll. Recht als Symbol des Guten, des Wertvollen, des Lichts, der Oberwelt ist gegen das Lichtscheue, das Ungute, das Ungeregelte, kurz: gegen die Unterwelt der Sozialität gerichtet. Aber statt sie zu beseitigen, bringt es sie buchstäblich immer wieder hervor und sorgt für ihr Weiterleben. Der Kampf gegen die Unterwelt ist ein Kampf gegen eine Hydra, der umso unheilvoller in seinen Konsequenzen ist, je erbitterter er auf Sieg geführt wird und je mehr scheinbare Siege er erzielt. Das Fazit daraus wird nicht sein, den Kampf aufzugeben, sondern ihn auf Dauer zu stellen. Die Oberwelt wird die Unterwelt nicht nach und nach zurückdrängen, sondern sie bestenfalls in (bewegliche) Schranken weisen und ihr einen Gestaltwandel aufzwingen. Ob dies besser über die illusionäre Hoffnung zu bewerkstelligen ist, man könne die Unterwelt in die Oberwelt heraufziehen, oder über die nüchterne Einsicht, daß die Fortdauer des Kampfes ohne Sieger und Besiegte der Sieg ist, mag dahingestellt bleiben.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bateson, Gregory, Ökologie des Geistes, 1981Google Scholar
  2. Behrens, Johann, ”Selbstverwirklichung” — Oder: Vom Verblassen aller Alternativen zur Berufsarbeit. Umfragen und Fallstudien zur Krise der Arbeit in Familie und Erwerbstätigkeit, in: H. J. Hoffmann-Nowotny /F. Gehrmann (Hrsg.), Ansprüche an die Arbeit — Soziale Indikatoren XI, 1984Google Scholar
  3. Freud, Sigmund, Das Unbewußte. Schriften zur Psychoanalyse, 1960Google Scholar
  4. Goffman, Erving, Asyle, 1973Google Scholar
  5. Goffman, Erving, Interaktion: Spaß am Spiel. Rollendistanz, 1973Google Scholar
  6. Homans, George Caspar, Theorie der sozialen Gruppe, 6. Auflage, 1972Google Scholar
  7. Jung, C. G. Über die Psychologie des Unbewußten, 1975Google Scholar
  8. Parsons, Talcott, Robert F. Bales und Edward A. Shils, Working Papers in the Theory of Action, 1953Google Scholar
  9. Roethlisberger, Fritz J. und William J. Dickson, Management and the Worker, 1939Google Scholar
  10. Simmel, Georg, Über soziale Differenzierung. Soziologische und psychologische Abhandlungen, 1890Google Scholar
  11. Watzlawick, Paul, Janet H. Beavin und Don D. Jackson, Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, 1971Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Karl Otto Hondrich

There are no affiliations available

Personalised recommendations