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Die Erbschaft der Novemberrevolution für den Nationalsozialismus

  • Timothy W. Mason
Chapter

Zusammenfassung

Im November 1936 fand ein denkwürdiger Meinungsaustausch zwischen zwei führenden Persönlichkeiten des „Dritten Reiches“ statt. Auf einer Versammlung hoher Funktionäre der Deutschen Arbeitsfront (DAF) kam es zwischen Oberst Thomas, dem Leiter des Wehrwirtschaftsstabes im Reichskriegsministeriums, und Robert Ley, dem Leiter der DAF, zu einer offenen, im Rahmen nationalsozialistischer Herrschaftspraxis ungewohnt deutlichen Auseinandersetzung um die Grundprinzipien der Sozialpolitik des Regimes. Thomas malte ein düsteres Bild. Nach seiner Ansicht erforderte die Vorbereitung und Durchführung künftiger Kriege schwerste Opfer von der gesamten Bevölkerung. Allein durch harte Arbeit bei gleichzeitigem Konsumverzicht könne das Fundament für eine neue machtpolitische Selbstbehauptung Deutschlands gelegt werden. Die Hauptaufgabe der politischen Führung sah er darin, im Volk Verständnis für die Notwendigkeit solcher Anstrengungen zu wecken. Die hierfür unabdingbare Vertrauensbasis könne jedoch nur dann geschaffen werden, wenn sich die Regierung schonungslose Offenheit zur Pflicht mache und nicht davor zurückscheue, Schwierigkeiten, wirtschaftliche Engpässe und Rückschläge unmißverständlich einzugestehen. Die innere Einheit durch Schönfärberei sichern zu wollen, so monierte Thomas, sei eine gefährliche Taktik; dagegen werde das Volk seiner Regierung die rückhaltlose Ehrlichkeit auf die Dauer hoch anrechnen.

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Notes

  1. 1.
    Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft, Dok. 1.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. E. Matthias, ”The Influence of the Versailles Treaty“, in A.J. Nicholls/ E. Matthias (Hrsg.), German Democracy and the Triumph of Hitler, London 1971.Google Scholar
  3. 3.
    Adolf Hitler, Mein Kampf, 641–645München 1941, Bd. 1, Kap. 7.Google Scholar
  4. 4.
    Ebda., S. 262, 198.Google Scholar
  5. 5.
    Ebda., S. 250, 252, 292.Google Scholar
  6. 6.
    Ebda., S. 190.Google Scholar
  7. 7.
    Adolf Hitler, „Warum mußte ein 8. November kommen?“, in Deutschlands Erneuerung, IV, 1924, S. 207.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. u., Kap. II.Google Scholar
  9. 9.
    Mein Kampf, S. 185.Google Scholar
  10. 10.
    Max Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen, 1932–1945, München 1965, S. 1050.Google Scholar
  11. 11.
    „Warum mußte ein 8.November kommen?“, S. 107; im Original gesperrt gedruckt.Google Scholar
  12. 12.
    Werner Jochmann (Hrsg.) Nationalsozialismus und Revolution. Ursprung und Geschichte der NSDAP in Hamburg 1922–1933. Dokumente, Frankfurt a.M. 1963, S. 312 f.Google Scholar
  13. 13.
    Hitler’s secret Conversations 1941–1944, eingeleitet von H. R.Trevor-Roper, New York 1961, 1. 2. 42. Dieser Passus fehlt in der quellenkritischen Neuausgabe von Henry Picker/Percy Ernst Schramm, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–1942, Stuttgart 1963.Google Scholar
  14. 14.
    Picker/Schramm, Tischgespräche, 8. 4. 42.Google Scholar
  15. 15.
    Ebda., 2. 8. 41 und 27. 1. 42. Vgl. Trevor-Roper, Conversations, 30. 11. 41.Google Scholar
  16. 16.
    Picker/Schramm, Tischgespräche, 18. 1. 42 und 23. 6. 42.Google Scholar
  17. 17.
    Siehe das Zitat am Anfang von Kap. VI dieser Arbeit.Google Scholar
  18. 18.
    BA Koblenz, R 58, Bd. 243.Google Scholar
  19. 19.
    Bericht des Reichsverteidigungsausschusses (RVA) über den Stand der Reichsverteidigungsmaßnahmen vom 5. 6. 39: BA/MA Freiburg, WiIF 5, Bd. 560/1.Google Scholar
  20. 20.
    Elisabeth Wagner (Hrsg.), Der Generalquartiermeister, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen des Generalquartiermeisters des Heeres, General der Artillerie Eduard Wagner, München/Wien 1963, S. 106. Die Karten wurden nicht abgeschafft.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. u.a. den oben, Anm. 11, zitierten Satz aus „Warum mußte ein 8. November kommen?“; Hitler, Zweites Buch, Stuttgart 1961, S. 53Google Scholar
  22. 22.
    Robert Ley, Durchbruch der sozialen Ehre, München 1935, S. 71. Die ursprüngliche Fassung dieser Rede, gehalten am 1. 3. 34 vor dem diplomatischen Korps in Berlin, hatte einen etwas anderen Wortlaut: Sonderdruck mit dem Titel, Die Deutsche Arbeitsfront, ihr Werden und ihre Aufgaben, München 1934. In dieser Fassung kommt das Wort Gemeinschaft 23mal vor.Google Scholar
  23. 23.
    Diese Bemerkungen verstehen sich als Hypothese. Es wäre lohnend, das Selbstverständnis der NSDAP in diesem Punkt zu untersuchen.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. seine Ausführungen vor den Generälen vom 3. 2. 33, zit. u.a. von Wolfgang Sauer in Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer, Gerhard Schulz, Die nationalsozialistische Machtergreifung, Köln/Opladen 1960, S. 863.Google Scholar
  25. 25.
    Mein Kampf, S. 211, 246.Google Scholar
  26. 26.
    Hitler, Zweites Buch, S. 121. 10 Jahre später, in der sog. Hoßbach-Konferenz, benutzte er fast dieselben Worte: Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918–1945, Serie D, Bd. 1, S. 26 f.Google Scholar
  27. 27.
    Hitler, Zweites Buch, S. 53Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Dok. 28; Dok. 41 Teil IIId.Google Scholar
  29. 29.
    Albert Speer, Erinnerungen, Frankfurt a.M. 1969, S. 229; Hervorhebung nicht im Original.Google Scholar
  30. 30.
    W.A. Boelcke (Hrsg.), Deutschlands Rüstung im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt a.M. 1969, S. 65, 74, 86, 91, 98, 109, 142, 315.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. u. Kap. III.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. z.B. die Bemerkungen von Staatssekretär Krohn zur Frage der Bezahlung von Feiertagen: Dok. 54.Google Scholar
  33. 33.
    Gerald Feldman, Army, Industry and Labor in Germany 1914–1918, Princeton U.P. 1966, S. 211 f., 307 f., 327 f., 384 f., 412, 489; Ludwig Preller! Sozialpolitik in der Weimarer Republik, Stuttgart 1949, S. 24, 230 f.; Dok. 17–28.Google Scholar
  34. 34.
    Siehe insbes. Dok. 161.Google Scholar
  35. 35.
  36. 36.
    S. 295–299, 316, 320.Google Scholar
  37. 37.
    Dok. 174; 229. Die panische Angst der Machthaber in diesen Monaten drückt sich deutlich in Leys vollkommener Entstellung der historischen Zusammenhänge aus.Vgl. auch die penetrante Mahnung eines Marineoffiziers aus Kiel im November 1939: Dok. 84.Google Scholar
  38. 38.
    Siehe S. 297.Google Scholar
  39. 39.
    Albert Krebs, Tendenzen und Gestalten der NSDAP, Stuttgart 1959, S. 156.Google Scholar
  40. 40.
    Arbeitswissenschaftliches Institut der DAF, „Betriebliche Sozialpolitik in der Kriegswirtschaft“, Manuskript, September 1939: DZA Potsdam. Der Form halber fügten die Autoren einige Floskeln über die „seelische Verfassung“ des deutschen Volkes im Ersten Weltkrieg hinzu, die aber in keiner Verbindung zu der Substanz ihrer Analyse standen.Google Scholar
  41. 41.
    Die Richter zögerten nicht, den Präzedenzfall denen gegenüber zu zitieren, die sich doch bemühten, den Konflikt offen auszutragen: Max Oppenheimer, Der Fall Vorbote, Frankfurt a.M. 1969, S. 96 ff., 200–217.Google Scholar
  42. 42.
    Zit. nach J.E. Farquharson, ”The NSDAP and Agriculture in Germany 1928–1938“, Ph. D. thesis, maschinenschriftlich, University of Kent, Canterbury 1972, S. 196–203; vgl. auch S. 153. Sein Quellenmaterial: BA Koblenz, R43II, Bd. 193.Google Scholar
  43. 43.
    Einzelheiten s. u. S. 157–159.Google Scholar
  44. 44.
    Siehe S. 184–207, 247–262, sowie Dok. 53–55; 60–62; 64–65; 97–99; 130–131.Google Scholar
  45. 45.
    Siehe Dok. 201–203; 208. Sauckel bildete eine Ausnahme: Dok. 141.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. Alan S. Milward, Die deutsche Kriegswirtschaft 1939–1945, Stuttgart 1966; Gregor Janssen, Das Ministerium Speer, Frankfurt a.M./Berlin 1968.Google Scholar
  47. 47.
    Speer, Erinnerungen, S. 173.Google Scholar
  48. 48.
    Fritz Federau, Der Zweite Weltkrieg. Seine Finanzierung in Deutschland, Tübingen 1962, S. 28. Weitere Beispiele, s. Dietrich Orlow, The History of the Nazi Party, vol. II, 1933–1945, Newton Abbot 1973, S. 263, 340, 407, 441, 456.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Timothy W. Mason

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