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Die Auflösung des Schönen in der modernen Poesie

  • Johannes Harnischfeger

Zusammenfassung

Der Übergang von der Weimarer Klassik zur frühen Romantik beginnt mit der Selbstreflexion moderner Poesie. In den Jahren 1795–97 erscheinen, unabhängig voneinander, die Aufsätze ‚Über naive und sentimentalische Dichtung‘ von Friedrich Schiller und ‚Über das Studium der griechischen Poesie‘ von Friedrich Schlegel. In ihnen wird an eine Kontroverse angeknüpft, die bereits ein Jahrhundert zuvor in Frankreich entstanden war: die ‚Querelle des Anciens et des Modernes‘. Gegenüber einem normativen Begriff der Antike, der die zeitgenössische Literatur auf die Nachahmung der Klassik verpflichtete, setzte sich damals die Vorstellung durch, daß antike und moderne Kunst grundsätzlich voneinander verschieden seien. Die gegen den Klassizismus sich etablierende Aufklärung führte zu einer historischen Betrachtungsweise, die jeder Zeit und Nation ihr besonderes Recht zugestand. Das Ergebnis dieser Kontroverse, die in Frankreich längst abgeschlossen war, wird in den -beiden Schriften Schillers und Schlegels vorausgesetzt. Für Schiller etwa bildet die notwendige Differenz von antiker und moderner Kunst den Ausgangspunkt seiner Untersuchung, so daß er sich nur noch beiläufig gegen die Vorstellung ausspricht, man müsse die antiken Werke als kanonische Texte betrachten: „Denn freylich, wenn man den Gattungsbegriff der Poesie zuvor einseitig aus den alten Poeten abstrahirt hat, so ist nichts leichter, aber auch nichts trivialer, als die modernen gegen sie herabzusetzen.“1

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References

  1. 1.
    Schiller: Über naive und sentimentalische Dichtung, S. 439.Google Scholar
  2. 1.
    Die Seitenzahlen in Klammern beziehen sich auf den’ studium-Aufsatz’ in der Kritischen Friedrich-Schlegel-Ausgabe.Google Scholar
  3. 1.
    In der Rezension ‘Über Goethes Meister’, die ein Jahr nach dem’ studium-Aufsatz’ im ersten Band des ‘Athenäum’ erschien, heißt es zum ‘Hamlet’: “Durch seine retardierende Natur kann das Stück dem Roman, der sein Wesen eben darin setzt, bis zu Verwechselungen verwandt scheinen.” (S. 139) Schlegel gibt in diesem Punkt die Ansicht Goethes wieder: “Der Roman muß langsam gehen, und die Gesinnungen der Hauptfigur müssen, es sei auf welche Weise es wolle, das Vordringen des Ganzen zur Entwickelung aufhalten. Das Drama soll eilen, und der Charakter der Hauptfigur muß sich nach dem Ende drängen, und nur aufgehalten werden.” (Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre, S. 330) Auf den ‘Hamlet’ bezogen bedeutet diese Definition: “Der Held (…) hat eigentlich auch nur Gesinnungen; es sind nur Begebenheiten, die zu ihm stoßen, und deswegen hat das Stück etwas von dem Gedehnten des Romans (…)” (ebd., S. 331).Google Scholar
  4. 1.
    Jauß: Schlegel, S. 91.Google Scholar
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    Vgl. Oesterle, S. 242.Google Scholar
  6. 2.
    Am 21. Nov. 1792 an August Wilhelm Schlegel. In: Schlegel: Briefe an seinen Bruder, S. 61.Google Scholar
  7. 1.
    Schlegel: Wert, S. 639. — Vgl. dazu Behler: Die Griechen und Römer, S. LXXXI und Weiland, S. 28ff.Google Scholar
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    Behler: Friedrich Schlegel in Selbstzeugnissen, S. 14. — Vgl. auch Eichner: Einleitung, S. 25 und Enders, S. 165ff.Google Scholar
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    Am 19. Juni 1793. In: Schlegel: Briefe an seinen Bruder, S. 95.Google Scholar
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    Schlegel: Athenäums-Fragment 149, S. 189.Google Scholar
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    Vgl. dazu Mennemeier, S. 329ff. und Heinz-Dieter Weber, S.142 und 190.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Johannes Harnischfeger

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