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Einleitung

  • Johannes Harnischfeger

Zusammenfassung

Im Jahre 1813, als E.T.A. Hoffmann mit der Niederschrift seines ersten Märchens begann, war das Projekt einer Romantischen Poesie längst gescheitert. Friedrich Schlegel, der Begründer der romantischen Ästhetik, hatte nach dem Übertritt zur katholischen Kirche die Idee einer neuen mythischen Kunst aufgegeben; und selbst Ludwig Tieck, der noch 1812 eine Sammlung romantischer Märchen veröffentlichte, näherte sich immer mehr einer realistischen Erzählweise an. Für jüngere Autoren wie Eichendorff, die den Glauben an ein neues mythologisches Zeitalter nie geteilt hatten, war es ohnehin selbstverständlich, daß sie das zwielichtige Reich der Phantasie hinter sich ließen und die Aussöhnung mit der Wirklichkeit suchten. Es scheint daher naheliegend, auch die Werke Hoffmanns, die realistische und märchenhafte Motive in sich vereinen, in diese allgemeine literarische Entwicklung einzuordnen. Entgegen dem populären Hoffmann-Bild läßt sich jedoch feststellen, daß die realistischen Züge seiner Dichtung nicht aus dem Bestreben entstanden sind, sich von den Themen und Fragestellungen der romantischen Ästhetik zu lösen. Wenn Hoffmann sich mehr als seine Vorgänger den Verhältnissen des bürgerlichen Lebens zuwendet, geschieht es vor allem in der Absicht, die Ansprüche des romantischen Kunstprogramms zu reflektieren. Seine humoristische Erzählweise, die die imaginäre Welt des Dichters mit den Zwängen der Wirklichkeit konfrontiert, dient gerade der Kritik an den überzogenen Erwartungen der romantischen Ästhetik. Um diesen Bezug zur frühen Romantik zu bestimmen, genügt es freilich nicht, den vielen einzelnen Motiven nachzuforschen, die Hoffmann aus den ästhetischen Schriften von Schlegel und Novalis oder aus der Naturphilosophie Schellings übernommen hat. Für seine Kritik an der Romantik ist es entscheidend, daß er sich mit der zentralen Vorstellung jener Epoche auseinandersetzt, mit dem Glauben an die Autonomie der Poesie.

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References

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Johannes Harnischfeger

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