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Entwicklungsprobleme und Entwicklungsstrategien

  • Wolfram Braun

Zusammenfassung

Mit dem Binnenmarktprogramm der Europäischen Gemeinschaften soll ein globaler, europäischer Markt geschaffen werden, den es in dieser Form vorher nicht gab. Auf diesen (langen) Weg zu einem globalen Markt ist die „Vollendung“ des europäischen Binnenmarktes im Jahr 1992 eine wichtige Zwischenstation. Die Binnenmarktintegration ist aber nicht vollendet in dem Sinne, daß sich gleichberechtigte Partner gegenüberstehen und globale Wettbewerbsprozesse eine Ressourcenallokation bewirken, bei der sich ein ausschließlich von individuellen Präferenzen abhängiges Wohlfahrtsoptimum einstellt. Die Vollendung des europäischen Binnenmarktes würde folglich voraussetzen, daß alle „europäischen Partner“ — Länder, Industrieregionen und Unternehmen — gleiche Wettbewerbschancen haben und sich ein „europäisches Wohlfahrtsoptimum“ im globalen Wettbewerbsprozeß einstellt, das allein von den Nutzenvorstellungen dieser Partner abhängig ist. Mit den im Jahr 1992 abzuschließenden rechtlichen und ordnungspolitischen Maßnahmen zur Gewährleistung eines freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs werden dafür institutionelle Rahmenbedingungen gesetzt. Sie schaffen aber nicht die Voraussetzungen für effiziente Wettbewerbsprozesse. Denn dazu müßten alle „europäischen Partner“ von annähernd gleichen Startpositionen ausgehend am Wettbewerbsprozeß teilnehmen können, und dies wiederum würde eine vergleichbare industrielle und technologische Anfangsausstattung und einen annähernd gleichen Entwicklungsstand der Wirtschaft voraussetzen. Daß eine solche Wettbewerbssituation mit der Vollendung des europäischen Binnenmarktes im Jahr 1992 realisiert sein wird, davon kann sicherlich nicht ausgegangen werden. Die Binnenmarktintegration ist ein Prozeß, der weit über das Jahr 1992 hinaus verläuft. Europäische Wirtschaftspolitik, die die Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion zur Aufgabe hat, wird deshalb vornehmlich die Entwicklungsprozesse stimulieren, die ein globaler, europäischer Wettbewerb zur Voraussetzung hat. Ebenso kann unternehmenspolitisch nicht davon ausgegangen werden, daß im Jahr 1992 der europäische Binnenmarkt vollendet sein wird und die Unternehmensentwicklung auf die dann einsetzenden globalen Wettbewerbsprozesse einzurichten ist — so daß die Vorbereitung auf den europäischen Binnenmarkt im Jahr 1992 abgeschlossen werden kann. Die Unternehmenspolitik ist tragender Teil des Einkommensprozesses zum europäischen Binnenmarkt und auf die Binnenmarktintegration wie aufdie darauf gerichtete Wirtschaftspolitik einzurichten. Die dabei auftretenden Integrationsschwierigkeiten und Entwicklungsprobleme beeinflussen auch die Unternehmensentwicklung. Diese Probleme zu bewältigen, ist zentrale Aufgabe europäischer Unternehmenspolitik.

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Anmerkung

  1. 1.
    Vgl. dazu im einzelnen auch die Ausführungen weiter unten, Teil 3 — Kapitel 4; vgl. einführend Albach, H., Innovation für Wirtschaftswachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit, in: Technische Innovation und Wirtschaftskraft, hrsg. von: Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Opladen 1983Google Scholar

Anmerkungen

  1. 2.
    Vgl. Gleske, L., Liberalisierung des Kapitalverkehrs und Integration der Finanzmärkte, in: Mestmäcker, E. J., Eine Ordnungspolitik für Europa, Baden-Baden 1987, S. 311.Google Scholar
  2. 3.
    Ebenda, S. 312.Google Scholar
  3. 4.
    Macharzina, K., Einleitung, in: Macharzina, K. (Hrsg.), Finanz-und bankwirtschaftliche Probleme internationaler Unternehmenstätigkeit, Stuttgart 1985, S. 5Google Scholar
  4. 5.
    Vgl. Hieber, M., Aspekte einer monetären Integration in Europa, in: Causier, D. u. Koth, D. (Hrsg.), öffentliche Finanzen, Kredit und Kapital, Berlin 1985, S. 557–572.Google Scholar
  5. 6.
    Zum Währungsrisiko vgl. Jokisch, J., Zur Problematik einer optimalen Währungsrisikopolitik, in: Pausenberger, E. (Hrsg.), Entwicklungsländer als Handlungsfelder internationaler Unternehmenspolitik, Stuttgart 1982, S. 119–135; Jokisch, J., Betriebswirtschaftliche Währungspolitik und Internationales Finanzmanagement, Stuttgart 1987. Zum Einfluß von Währungsrisiken auf Finanzierung und Investition vgl.: Lipfert, H., Einflüsse von Devisenkursänderungsmöglichkeiten auf Finanzierungsentscheidungen von Unternehmen, in: DBW, 40(1980), S. 527-540; Funk, J., Der Einfluß des Wechselkurses auf Struktur und Höhe von Investitionen, in: ZfbF, 39(1987), S. 1007 — 1022. Zur Risikopolitik und zum Devisenmanagement im europäischen Währungssystem vgl. Büschgen, a. a. O.. Zu den Finanzinnovationen vgl. Bank for International Settlements, Recent Innovations in International Banking, April 1986; Bank for International Settlements, Financial Innovations and Monetary Policy, Basle, March 1984.Google Scholar
  6. 7.
    Vgl. Albach, H., Die internationale Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung, in: ZfB, Erg.-Heft (1981), S. 13 ff.Google Scholar
  7. 8.
    Vgl. exemplarisch für die Fülle an Literatur zu den Problemen der politischen Union Europas Scharpf, F. W., Die Politikverflechtungs-Falle: Europäische Integration und deutscher Föderalismus im Vergleich, in: Politische Vierteljahresschrift, 26(1985), S. 323–356; Wallace, W., Europe as a Confederation: the Community and the Nation-State, in: Journal of Common Market Studies, XXI(1983), S. 57-68.Google Scholar
  8. 9.
    Vgl. Dornbusch, R., Exchange Rate Economics: 1986, in: The Economic Journal, 97(1987), S. 9 f., 16 f.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Wolfram Braun
    • 1
  1. 1.Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der UniversitätWuppertalDeutschland

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