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Einführung Europäisches Management

  • Wolfram Braun

Zusammenfassung

Die Vollendung des europäischen Binnenmarktes im Jahre 1992 wird, wenn das Binnenmarktprogramm der Europäischen Gemeinschaft1 in vollem Umfang und in allen Punkten realisiert ist, einen mit den Vereinigten Staaten durchaus vergleichbaren, europäischen Wirtschaftsraum schaffen, der das unternehmenspolitische Entscheidungsfeld grundlegend, in quantitativer, aber vor allem in qualitativer Hinsicht, verändern kann. Die Veränderungsimpulse kommen von der neuen Binnenorganisation des Kapital- und Leistungstransfers. Im Unterschied zu anderen Programmen einer weltweiten wirtschafts- und währungspolitischen Koordination des internationalen Kapital- und Leistungstransfers und der Erleichterung internationaler Unternehmenstätigkeit soll mit dem Binnenmarktprogramm der heterogene, multinationale europäische Wirtschaftsraum in einem einheitlichen, homogen strukturierten europäischen Binnenmarkt transformiert werden. Die volle Integration europäischer Nationalwirtschaften in einen Wirtschaftsraum, der in den Grenzen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion im Wortsinne europanationaler Binnenmarkt im Weltmarkt ist, ist das Endziel der Deregulierung nationaler Marktbarrieren eines freien Personen-, Waren-, Diensüeistungs- und Kapitalverkehrs, der Verlagerung wirtschafts- und währungspolitischer Kompetenzen von der nationalen auf die Ebene der Europäischen Gemeinschaft und der Weiterentwicklung des europäischen Währungssystems zu einer Währungsunion mit europäischen Kapitalmärkten unter der Zentralbank-Kontrolle des europäischen Währungsfonds. Auf dem Weg zur Vollendung des europäischen Binnenmarktes — im Prozeß der Binnenmarktintegration — sollen wettbewerbsfähige europäische Güter-, Kapital- und Arbeitsmärkte und monetäre Stabilität im europäischen Währungssystem den Strukturwandel der Industrie und die technologische Entwicklung intensivieren, die Internationalisierung ursprünglich nationaler Unternehmen erleichtern und die Rahmenbedingungen für internationale Unternehmenskooperationen verbessern.2 Nach Abschluß der Binnenmarktintegration verlieren die nationalen Grenzen europäischer Länder ihre ökonomische und wirtschaftspolitische Bedeutung. In einem homogen strukturierten Binnenmarkt bestehen, in den Grenzen der Wirtschafts- und Währungsunion, keine internationalen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft, sondern wirtschaftliche Beziehungen zwischen Ländern einer Wirtschafts- und Währungsunion. Ebenso verlieren die nationalen Grenzen europäischer Länder ihre unternehmenspolitische Bedeutung. Internationales Management im europäischen Binnenmarkt würde Umweltheterogenität — resultierend aus national unterschiedlichen Betriebssystemen, aus Unterschieden in den institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aus Unterschieden in der nationalen Wirtschafts- und Währungspolitik und solchen im industriellen und technologischen Entwicklungsstand der Wirtschaft — als konstitutives Merkmal vorauszusetzen.3 Diese Umweltsituation bestand vor der Binnenmarktintegration. Im Prozeß der Realisierung des Binnenmarktprogramms wird jedoch Umwelthomogenität abgebaut und durch Umweltheterogenität ersetzt. Die Angleichung nationaler unterschiedlicher Rechtssysteme, die Anpassung institutioneller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die Vereinheitlichung der Wirtschafts- und Währungspolitik und der Ausgleich des unterschiedlichen industriellen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklungsniveaus europäischer Länder haben zur Folge, daß Umwelthomogenität zum konstitutiven Merkmal europäischer Unternehmen und Europäischen Managements wird.4 Nach Vollendung des Binnenmarktes operieren alle Unternehmen in den Grenzen der Wirtschafts- und Währungsunion unter den gleichen Umweltbedingungen, unabhängig vom jeweiligen Länderstandort und unabhängig davon, ob sie vor der Binnemarktintegration national oder international organisiert waren. Bestand der Unterschied zwischen nationaler und internationaler Unternehmenstätigkeit ursprünglich darin, daß für nationale Unternehmen die durch den Staat definierte Umwelt gegeben war, während für internationale Unternehmen die Umweltwahl zum Entscheidungsproblem wurde, ist nach Realisierung des Binnenmarktprogramms für alle Unternehmen die durch die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion definierte Umwelt gegeben. Die Vollendung des europäischen Binnenmarktes würde also auch bedeuten, daß die Konzeptualisierung Europäischen Managements eher den Managementkonzeptionen bei nationaler als bei internationaler Unternehmenstätigkeit entspricht — ebenso wie das Management von Unternehmen im Binnenmarkt der Vereinigten Staaten, deren bundesstaaüiche Wirtschaftsbeziehungen weitaus heterogener sind, als die Wirtschaftsbeziehungen im europäischen Binnenmarkt, nicht schon deshalb als Internationales Management konzeptualisiert wird, weil sich die Unternehmenstätigkeit auf verschiedene Bundesstaaten erstreckt.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Vollendung des Binnenmarktes — Weißbuch der Kommission an den Europäischen Rat, Luxemburg 1985.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. u. A. die Beiträge in: Macharzina, K. u. Staehle, W. F. (eds.), European Approaches to International Management, Berlin/New York 1986; Forschungsgruppe Europa, Leitung W. Weidenfeld (Hrsg.), Binnenmarkt’ 92: Perspektiven aus deutscher Sicht, Gütersloh 1988; Padoa-Schioppa, T. et al.: Effizienz, Stabilität und Verteilungsgerechtigkeit. Eine Entwicklungsstrategie für das Wirtschaftssystem der Europäischen Gemeinschaft, Wiesbaden 1987.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Pausenberger, E., Picot, A. (Hrsg.), Betriebswirtschaftslehre im Spannungsfeld zwischen Generalisierung und Spezialisierung, Wiesbaden 1989, S. 382–396 (hier S. 386); Albach, H., Die internationale Unternehmung als Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre, in: ZfB, Erg.-Heft 1 (1981), S. 13 — 23 (hier S. 19). Vgl auch Dülfer, E., Zum Problem der Umweltberücksichtigung im „Internationalen Management“, in: Pausenberger, E. (Hrsg.), Internationales Management, Stuttgart 1981, S. 1–44.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. einführend Featherstone, K., European International Market Policy, London 1990.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. einführend Macharzina, K., Theorie der internationalen Unternehmenstätigkeit — Kritik und Ansätze einer integrativen Modellbildung, in: Lück, w. u. Trommsdorff, V. (Hrsg.), Internationalisierung als Problem der Betriebswirtschaftslehre, Berlin 1982, S. 111–143; Macharzina, K., Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit, Hohenheimer betriebswirtschaftliche Beiträge Nr. 16, 1984; vgl. auch die Literaturbesprechung: Macharzina, K. u. Engelhardt, J., Internationales Management, in: DBW 47 (1987), S. 319-344.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. u. a. die Beiträge in Bayer, W. F. et al. (Hrsg.): Aktuelle Fragen multinationaler Unternehmen, Opladen 1975; sowie Porter, M. E. (Hrsg.), Globaler Wettbewerb — Strategien der neuen Internationalisierung, Wiesbaden 1989.Google Scholar
  7. 6.
    Vgl. u. a. die „klassischen“ Beiträge in Dunning, J. H. (ed.), Economic Analysis and the Multinational Enterprise, London 1974.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. z. B. die Beiträge in: Pausenberger, E. (Hrsg.), Entwicklungsländer als Handlungsfelder internationaler Unternehmungen, Stuttgart 1982. Vgl. auch die neueren Beiträge zum Management von Strukturbrüchen in: Macharzina, K. (Hrsg.), Diskontinuitätenmanagement, Berlin 1984.Google Scholar
  9. 9.
    Zur Gestalt des europäischen Binnenmarktes und der Europäischen Gemeinschaften vgl. Weidenfeld, W. u. Wessels, W. (Hrsg.), Wege zur Europäischen Union, Bonn 1986; Weidenfeld, W. (Hrsg.), Die Identität Europas, München/Wien 1986. Zur grundlegenden Bedeutung und Entwicklung des europäischen Rechts vgl. Everling, U., Das europäische Gemeinschaftsrecht im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft, Baden-Baden 1985; vgl. auch Ipsen, H. P., Zur Gestalt der Europäischen Gemeinschaft, in: Lüke, G. et al. (Hrsg.), Rechtsvergleichung, Europarecht und Staatenintegration, Köln u. a. 1983, S. 283-300.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. dritter Teil der nachfolgenden Ausführungen und den Anhang B.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. erster Teil der nachfolgenden Ausführungen.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. zweiter Teil, erstes Kapitel der nachfolgenden Ausführungen.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. dritter Teil, zweites Kapitel der nachfolgenden Ausführungen.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Wolfram Braun
    • 1
  1. 1.Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der UniversitätWuppertalDeutschland

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