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Die Rolle der Psychoanalyse in der Gesellschaft

  • Hubert Speidel

Zusammenfassung

Das Ergebnis dieses Buches ist kein umfassendes, aber ein vielfältiges Bild der Psychoanalyse. Die Vielschichtigkeit der psychoanalytischen Gesichtspunkte ist, wie es der jüdische Soziologe Bienenfeld (1938) einmal als dritten Grundgedanken der jüdischen Religion bezeichnet hat, das Ergebnis des „mühsam erarbeiteten Wissens, der Erkenntnis und der Vernunft“, nichts also, was schnell und einfach zu haben wäre, etwa nach Art des positiven Denkens und anderer sogenannter humanistischer Botschaften, auch nicht nach Art der Beschränkung auf einfache problemoder symptomorientierte Maßnahmen. Ihre Theoreme sind vielmehr systemorientierte komplexe Gebilde. Deshalb neigen populäre Rezeptionen der Psychoanalyse zu Vereinfachungen. Die Studenten der 68-er-Bewegung z. B. faßten die Psychoanalyse als die Lehre der Befreiung der Sexualität von der gesellschaftlichen Repression auf, und Wilhelm Reich war ihr Guru, weil er außerdem auch noch Marxist war. Manche akademischen Psychologen reduzieren die Psychoanalyse auf die Triebtheorie und das frühe Dogma der Sexualität als der causa movens aller Neurosen, also entsprechend dem Stand der Psychoanalyse vor dem Ersten Weltkrieg. Manche Künstler mißverstehen die Psychoanalyse als die Legitimation jeglicher narzißtischer Selbstentäußerung. Viele junge Psychotherapiebegeisterte rezipieren nur die neueren Entwicklungen und sehen in allen Lebensäußerungen nur noch frühe Störungen.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Hubert Speidel

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