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Traumatisierung durch Inzest

  • Ute Wordell

Zusammenfassung

Die traumatisierende Auswirkung des Inzests auf die menschliche Entwicklung ist durch die in den 80er Jahren entfachte und bis heute anhaltende Diskussion der Thematik des sexuellen Mißbrauchs wieder aktuell geworden. Diese Thematik war bereits um die Jahrhundertwende von Freud aufgegriffen worden. Freud hatte die sogenannte Verführungstheorie entwickelt: Diese besagte, daß alle neurotischen Erkrankungen — damit meinte er Hysterien, Zwangsneurosen und Paranoia — durch sexuelle Verführungen in der frühen Kindheit verursacht seien. Diese These hat er 1897 widerrufen. Freud ist in den letzten Jahren wegen der Zurücknahme dieser Theorie heftig kritisiert worden. So wird ihm vorgeworfen, aus unlauteren Motiven, nämlich Angst vor dem Verlust wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ansehens, diese Theorie verworfen zu haben. Damit habe er nicht nur zur Verschleierung der gesellschaftlichen Ursachen von neurotischen Erkrankungen beigetragen, sondern auch seinen Beitrag zur Verfestigung ungleicher Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen geleistet. Diese Kritiken sind m.E. weitgehend in einer fehlenden genaueren Kenntnis der Entwicklung der Psychoanalyse um die Jahrhundertwende und in zahlreichen Fehlinterpretationen der Verführungstheorie begründet (vgl. S. 92 ff.).

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Ute Wordell

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