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Ein Melancholiker in der Maske eines Zynikers. Zu Kierkegaards „Tagebuch des Verführers“

  • Peter Dettmering

Zusammenfassung

Sören Kierkegaards „Tagebuch des Verführers“ aus dem Band „Entweder/Oder“ (1843) ist ein nicht im eigentlichen Sinne philosophischer, sondern belletristischer Text. Er geht von der Fiktion aus, ein nicht näher gekennzeichnetes ‚Ich‘ fände den Schreibsekretär eines anderen Mannes offen und begänne darin zu stöbern, eine Abschrift von dessen Tagebuch zu machen. Kierkegaard setzt steil ein, indem er gleich zu Beginn die Angst vergegenwärtigt, die den Täter noch nachträglich, bei der Reinschrift der in Eile gemachten Notizen überkommt:

Nicht kann ich sie mir selbst verhehlen, kaum kann ich jene Angst beherrschen, die mich in diesem Augenblick ergreift, da ich in meinem eigenen Interesse beschließe, eine genaue Reinschrift jener flüchtigen Abschrift vorzunehmen, die ich mir seinerzeit nur in größter Hast und mit viel Unruhe zu verschaffen imstande war. Die Situation tritt ebenso beängstigend, doch auch ebenso vorwurfsvoll vor mich hin wie damals. Entgegen seiner Gewohnheit hatte er seinen Sekretär nicht geschlossen, dessen gesamter Inhalt stand mir also zur Verfügung“ (S. Kierkegaard 1994, S. 7).

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Literatur

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Peter Dettmering

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