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Lujo Brentano (1844–1931)

Nationalökonom und bürgerlicher Sozialreformer
  • Hans-Christof Kraus

Zusammenfassung

Als führender Nationalökonom und international renommierter Wirtschaftshistoriker zählte Lujo Brentano zu den bekanntesten und schillerndsten Gelehrtenpersönlichkeiten in der Zeit des zweiten Deutschen Kaiserreichs1. Er war ebenso angesehen wie umstritten, er wurde von einem großen Kreis seiner Schüler und Bewunderer ebenso glühend verehrt wie er andererseits von einer vermutlich noch größeren Zahl wissenschaftlicher Kritiker und politischer Gegner bekämpft und angefeindet wurde. Lujo Brentano war in seiner Zeit vielleicht der Idealtypus dessen, was man heute als einen „streitbaren Gelehrten“ bezeichnen würde; er ist zeitlebens keiner wissenschaftlichen Kontroverse aus dem Weg gegangen und hat erst recht keine politische Auseinandersetzung gescheut. Unter den Wissenschaftlern seiner Zeit galt er als einer der fulminantesten Polemiker, und man sagt wohl nicht zu viel, wenn man bemerkt, daß der gelehrte Streit und der publizistische Kampf für die eigenen ökonomischen und politischen Ideale geradezu eine Art Lebenselixier für Brentano darstellten.

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References

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    Siehe dazu auch die charakteristischen Erinnerungen an Brentano von Walter Goetz: Lujo Brentano (1924), in: derselbe: Historiker in meiner Zeit. Gesammelte Aufsätze, hrsg. v. Herbert Grundmann, Köln — Graz 1957, S. 270–276, bes. S. 271, 273 f.Google Scholar
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    Vgl. Klaus Günzel: Die Brentanos — Eine deutsche Familiengeschichte, 2. Aufl., Zürich 1994, passim; zu Christian Brentano ebenda, S. 124 ff.; zur Familiengeschichte siehe auch die Sammlung: Die Brentano — Eine europäische Familie, hrsg. v. Konrad Feichenfeldt/Luciano Zagari (Reihe der Villa Vigoni, Bd. 6), Tübingen 1992; speziell zum Aschaffenburger Zweig der Familie siehe Martin Goes: Aschaffenburg, eine Brentanostadt?, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 3 (1992), S. 492–497.Google Scholar
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    Ebenda, S. 336 sieht er in den „beiden sich ergänzenden Ordnungen des Arbeitsverhältnisses durch die Gesetzgebung und durch die Selbsthülfe der vereinten Arbeiter“ die zentralen Forderungen, deren Durchsetzung eine Lösung der Arbeiterfrage ermöglichen könne. — Siehe hierzu auch Müssiggang: Die soziale Frage (wie Anm. 18), S. l6l ff.; Martin Goes: „Schutzpatron auf dem Katheder“ — Lujo Brentano, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 2 (1989), S. 222–224.Google Scholar
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    Vgl. Sheehan: The Career of Lujo Brentano (wie Anm. 1), S. 203; zu den Angriffen der Nationalsozialisten auf Brentano siehe auch Martin Goes: Lujo Brentano der Typus des liberalen deutschen Professors seiner Zeit, in: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes 13 (1990), S. 411–415, hier S. 411.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Hans-Christof Kraus

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