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Informanten im braunen Netzwerk

  • Wolfgang Zehrt

Zusammenfassung

Er stand etwas abseits, betont lässig an einen Wagen gelehnt, das Handy in der linken Hand, die rechte Hand in den Gürtel gehakt, die Gürtelschnalle in Form eines stilisierten, aber unverkennbaren Hakenkreuzes. Während seine Kameraden von Beamten des Mobilen Einsatz Kommandos abgeführt wurden, ging ich auf ihn zu. Seine erste Reaktion hatte ich erwartet: Eine ablehnende Handbewegung, ein halbes Wegdrehen — kein Kontakt zur „bürgerlichen Systempresse“, er selbst hatte diese Parole ausgegeben und seine Kameraden hielten sich daran. „Michael Meyer1 meint, ich sollte mal mit Ihnen reden“ — immerhin, er dreht sich wieder zurück, verzieht aber keine Miene. „Ach, Sie sind das also ?“ Wir blieben neben dem Wagen stehen, beobachten den Abtransport der Neo-Nazis. Schwerbewaffnete Polizisten sichern das Gebäude, der ruhige Wohnort hatte sich innerhalb von Minuten in ein Feldlager verwandelt. Der Staatssekretär des Innenministeriums erscheint und erklärt das waffenstarrende Polizeiaufgebot. „Wir hatten Hinweise bekommen, daß mehrere der Saalschützer bewaffnet sind, einige sollen abgesägte Schrotgewehre haben“. Alte Bekannte werden in Handschellen aus der Gaststätte geführt: Da sind die Vertreter der „White Arean Resistance“ aus Schweden, die flämischen Nationalisten, eine größere Gruppe der französischen „Front National“ wird laut protestierend zu einem Bus der Bereitschaftspolizei geführt. Wo sich vor wenigen Minuten noch Rechtsextremisten um das Rednerpult scharrten, an dem Wiking-Jugend Chef Wolfram Narrath zur „Rassenschande“ referierte, sichern Beamte in Zivil Beweismaterial und Baseballschläger, Flugblätter und Gaspistolen.

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

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  • Wolfgang Zehrt

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