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Verschwimmende Grenzen

Wo fängt Armut an und wann hört sie auf?
  • Petra Buhr
Chapter

Zusammenfassung

Seit Mitte der achtziger Jahre heben neuere Ansätze der Ungleichheitsforschung eine zunehmende Pluralisierung, Individualisierung und Dynamisierung von Lebenslagen und Lebensstilen hervor. Hierdurch sind auch ”die sozialen Akteure und deren Orientierungs- und Handlungsmuster wieder stärker ins Blickfeld gerückt„ (Geißler 1996: 77). Auch wenn man sich nicht der Auffassung anschließt, daß Klassen und Schichten in Auflösung begriffen sind bzw. traditionelle Schichtkriterien wie Bildung und Beruf völlig an Bedeutung verloren haben, muß man doch davon ausgehen, daß sich eine differenziertere und durchlässigere Sozialstruktur mit einer großen Vielfalt von objektiven Lebensbedingungen und subjektiven Lebensformen herausgebildet hat. Die Beziehungen zwischen objektiver Klassen- bzw. Soziallage auf der einen und Einstellungs- und Verhaltensmustern auf der anderen Seite sind lockerer geworden und die Übergänge zwischen Klassen und Schichten fließender: „Klassen und Schichten sind in der Realität der modernen Sozialstruktur keine sozialen Gruppierungen mit klaren Grenzen.“ Sie lassen sich vielmehr ”lediglich sozialstatistisch präzise klassifizieren, analysiert man jedoch Ressourcenausstattung, Habitus, Lebensstile etc., dann verschwimmen die scharfen Grenzen“ (Geißler 1996a: 333).1

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Petra Buhr

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