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Lebensstilökonomie Von der Balance zwischen objektivem Zwang und subjektiver Wahl

  • Harald Funke
  • Markus Schroer
Chapter

Zusammenfassung

Der soziologische Diskurs der 80er Jahre hat zu einer „Kulturalisierung“ des Gesellschaftsbegriffs geführt (vgl. Berking/Faber 1989), die auch die klassische Sozialstrukturanalyse erfaßt und in eine kulturalistische Lebensstilanalyse verwandelt hat. Hintergrund der Etablierung des Lebensstilparadigmas ist die Transformation der am Lebensstandard orientierten Wohlstandsgesellschaft der 50er und 60er Jahre in die Wohlfahrtsgesellschaft der 70er Jahre mit der Hinwendung zur Lebensqualität zu einer Überfluß- bzw. Kulturgesellschaft der 80er Jahre und ihrer Orientierung am Lebensstil (vgl. Hradil 1990: 145f.; Schwengel 1988; Ziehe 1993). Dieser sozialstrukturelle Wandel hat in den 80er Jahren zu einer Konjunktur von Ansätzen geführt, die den traditionalen Erklärungsmustern in Begriffen wie Klasse, Stand und Schicht skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden und sich deshalb auf die Suche nach Begrifflichkeiten und Erklärungsmodellen begaben, die die soziale Wirklichkeit angemessener beschreiben sollten. Obwohl diese Umorientierung nicht zur vollständigen Ablösung des strukturorientierten Ansatzes durch das kulturalistische Paradigma geführt hat, ist das Pendel in den sozialstrukturellen Untersuchungen der 80er Jahre doch stark in Richtung kulturalistisch-lebensstilorientierter Ansätze ausgeschlagen.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Harald Funke
  • Markus Schroer

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