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Die problematische Beziehung zwischen Psychotherapeuten und Psychotherapieforschung

  • Eva Jaeggi

Zusammenfassung

  1. 1.

    Das Verhältnis der Praktiker zur Psychotherapieforschung ist ein gebrochenes. Das lehrt nicht nur die Erfahrung, auch einige Untersuchungen zu diesem Thema bestätigen dies. So haben Bednar und Shapiro schon 1970 festgestellt, daß der Psychotherapeut unwillig ist, sich an Forschung zu beteiligen. Kelly et al. haben 1978 zeigen können, daß auf Praktikerseite auch wenig geforscht wird, und Norcross und Prochaska (1983) ergänzen dazu, daß der Praktiker auch eine negative Einstellung zur Forschung hat. Ich selbst kann dies aus jüngster Erfahrung nur bestätigen: an unserem psychoanalytischen Institut in Berlin haben sich trotz der durch das Fachgutachten zum Psychotherapeutengesetz gespannten Lage der Jungianer von den angeschriebenen jungianischen Praktikern nur wenige bereit erklärt, eine Arbeit von 1–2 Stunden auf sich zu nehmen, um eine Forschergruppe zu unterstützen.

     
  2. 2.

    Ich denke, daß die üblicherweise betriebene Forschung nicht dazu angetan ist, die Fantasie der Praktiker zu beflügeln, neue Heurismen zu entfalten und auszuprobieren. Dies liegt einerseits an der Art der Forschung und andrerseits aber auch an der Art der Praktiker, ihr Handwerk zu lernen und darüber nachzudenken, also ihren Gegenstand, die Psychotherapie, zu betrachten. Beide laufen aneinander vorbei und treffen sich offensichtlich nie.

     
  3. 3.

    Was aber ist der „Gegenstand“, was also ist Psychotherapie? Das ist schließlich die leitende Frage bei jeder Forschung. Ich meine, daß man sie historisch und bezogen auf den Zeitgeist beantworten muß und daß sich von daher auch die Forschungsbemühungen ableiten lassen müssen. Sehr verkürzt und in Stichworten (näheres Jaeggi 1993) will ich dies versuchen.

     

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Literatur

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Eva Jaeggi

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